Mit mehr Frauenpower in die Zukunft
Dem ÖSV-Vorstand gehören nun erstmals zwei Vizepräsidentinnen an, aber das ist gendermäßig längst nicht mehr alles.
Denn Niederösterreich will mit Gerlinde Metzinger eine weitere Frau als Präsidiums-Mitglied (ohne Stimmrecht) vorschlagen. Ex-Rennläufern Renate Götschl steigt bekanntlich im Herbst von der Vize- zur Präsidentin des steirischen Skiverbandes und damit Schmidhofer-Nachfolgerin auf. Als Frauenbeauftragte im ÖSV fungiert schon seit längerem Petra Kronberger und mit Michaela Dorfmeister ist eine weitere Doppel-Olympiasiegerin Vizepräsidentin und Alpinchefin in Niederösterreich. Fast jeder Landesskiverband hat mittlerweile Frauen im Vorstand, so Salzburg mit Brigitte Obermoser auch eine weitere Ex-Rennläuferin.
Neo-Präsident Schmidhofer begrüßt, dass der Skiverband immer weiblicher wird. Der Steirer hatte selbst für mehr Frauen in den Gremien plädiert. "Der Skisport ist ja generell sehr männerlastig, auch bei Trainern und Funktionären", sieht Götschl weitere Bereiche für Frauen. "Schön langsam kommt jetzt aber sowieso eine gute Mischung rein. Es gibt viele Frauen, die in diesen Funktionen auch Erfahrung haben und immer engagierter werden", sagte die steirische "Speed Queen" in Kärnten.
Götschl will sich "auf Landesebene austoben"
Götschl war bei der umstrittenen Suche nach der Schröcksnadel-Nachfolge bis zum Schluss selbst aussichtsreiche Kandidatin gewesen. Steirische statt österreichische Skipräsidentin zu sein, findet die ehemalige Abfahrts-Weltmeisterin und Mutter zweier talentierte Töchter aber auch okay. "Für das Andere war am Ende eh keine Basis mehr da. Und auf der Landesebene kann ich mich austoben", so die 45-Jährige, der vor allem der Nachwuchs am Herzen liegt.
Konkret geht es Götschl da um leistbaren Skirennsport und mehr Breite. Sprich, Kinder schon im Volksschulalter zum Skifahren zu bringen. "Das sollte also mit der Politik vereinbart sein." Schmidhofer, Onkel der Skirennläuferin Nicole Schmidhofer, traut Götschl viel zu. "Er kommt aus dem Fach und im Verband ist alles angerichtet. Er wird das gut machen. Bessere Voraussetzungen als in diesem Verband kannst du aber eh nicht haben."
"Wir sind nicht besser oder schlechter"
Roswitha Stadlober (vormals Steiner) hat nun mit Claudia Strobl-Traninger eine ehemalige Slalom-Kollegin zur Seite. Die Mutter der Langläufer Luis und Teresa Stadlober ist seit zehn Jahren "Vize" und musste wegen des Rückzuges von Michael Walchhofer zum Weitermachen erst überredet werden. Erst nach dem "grünen Licht" des Familienrates habe sie erneut zugesagt, so Stadlober. Strobl-Traninger wird nach ihrer "Beförderung" an der Spitze des Kärntner Verbandes bis zu den Neuwahlen interimistisch von Monika Milazzi und damit ebenfalls einer Frau ersetzt.
"Ich bin sehr froh, dass Claudia das Amt annimmt. Ich war eh so lange alleine", begrüßte Stadlober die zweite Frau im ÖSV-Präsidium. Frauen täten dem ÖSV sicherlich gut. "Weil wir vielleicht andere Themen reinbringen und oft auch etwas empathischer sind als die Männer", so die Salzburgerin schmunzelnd.
Strobl-Traninger sieht das ähnlich. "Es sind ja auch Athletinnen da, nicht nur Burschen", hält die Kärntnerin weibliches Führungspersonal für folgerichtig und eine Bereicherung. "Wir sind nicht besser oder schlechter. Wir Frauen bringen halt unsere Perspektiven ein."
Erinnernd an die nicht immer sehr konstruktiven Diskussionen im Wahl-Vorfeld könne eine weibliche Herangehensweise positiv sein, ist Strobl-Traninger überzeugt. "Ich jedenfalls stehe für Konsens und konstruktive, lösungsorientierte Gespräche. Wenn einmal alles gesagt ist, gehört, aber auch mal ein Schlussstrich gezogen."
Strobl-Traninger hofft, dass dem neuen Präsidium ein guter Neustart gelingt. "Jetzt geht es um Ideenfindung und die Umsetzung. Darum, konstruktiv zu arbeiten", meinte die ehemalige Weltcupläuferin. Ihre Themen sind die Verbindungsschienen zwischen den Skisportschulen und dem ÖSV sowie das Mentaltraining.