Gasser: "Das muss einfach Leidenschaft sein“

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Weltmeisterin, Gold bei den X-Games, Sieg im Big-Air- und Freestyle-Weltcup. Snowboard-Ass Anna Gasser hat im vergangenen Winter groß abgeräumt.

"Ich weiß eigentlich selbst nicht genau, was mein Erfolgsrezept ist", sagt die 26-jährige Kärntnerin, die zu Österreichs Sportlerin des Jahres gewählt wurde.

Vor Beginn der Olympia-Saison, die am Samstag mit einem Big-Air-Bewerb in Mailand startet, erzählt Gasser im großen LAOLA1-Interview, warum sie Olympia 2014 noch immer verfolgt, wie oft sie im Training auf die Nase fällt, was es mit ihren Glückssocken und dem Schnitzel-Ritual auf sich hat und wann sexy Schlagzeilen in Ordnung sind.

LAOLA1: Herzliche Gratulation zur Auszeichnung als Sportlerin des Jahres. Im Sommer hast du in Los Angeles bereits den ESPY-Award für die "Beste weibliche Actionsportlerin" gewonnen. Welchen Stellenwert haben solche Preise für dich?

Anna Gasser: Es ist schön, als Sportlerin so eine Anerkennung zu bekommen. Die Verleihung in L.A. war schon ein Wahnsinn, aber die Freude über den Preis daheim in Österreich ist noch größer.

LAOLA1: Wie wohl fühlst du dich am Roten Teppich in Abendkleid und High Heels?

Gasser: Es ist schon ungewohnt, weil ich normalerweise sportliche Klamotten gewöhnt bin. Aber es ist auch schön, einmal ein Mädchen sein zu können und sich schön anzuziehen und aufzustylen. Ich genieße das.

LAOLA1: Es gab Schlagzeilen wie "Sexy Anna ist Sportlerin des Jahres" oder "Anna Gasser: Heiße Fotos, eiskalte Nerven" über dich. Ist dir das unangenehm oder schmeicheln sie dir?

Gasser: Solange der Sport im Vordergrund steht, ist es okay. Natürlich schmeichelt es einem ein wenig, aber ich hoffe wie gesagt, dass meine Leistungen im Vordergrund stehen.

Die besten Bilder von Snowboard-Beauty Anna Gasser:

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LAOLA1: Du hast im vergangenen Winter eine Mega-Saison hingelegt. Was ist dein Erfolgsgeheimnis?

Gasser: Ich weiß es eigentlich selbst nicht genau. Ein wichtiger Punkt ist natürlich hartes Training. Ich habe vor der Saison viel Zeit damit verbracht, meine Tricks zu festigen, damit ich sie in jeder Situation abrufen kann. Das war sicher ein Vorteil im Vergleich zu den anderen Mädels. Ich habe auch bei schwierigen Verhältnissen immer versucht, meine schwierigsten Tricks zu zeigen. Das hat sich dann über die ganze Saison gesehen ausgezahlt.

LAOLA1: Der Snowboard-Sport steht in Österreich oft im Schatten der Alpinen und Nordischen. Glaubst du, dass deine Erfolge daran etwas ändern?

Gasser: Ich hoffe es natürlich. Ich glaube, speziell das Snowboarden, das ich betreibe, haben die Leute davor noch gar nicht so gekannt. Durch mich können sie den Sport besser kennenlernen. Ich hoffe zumindest, dass ich den Leuten das Snowboarden näher bringen kann und dass es einen größeren Stellenwert bekommt.

LAOLA1: Du bist die erste Frau, die einen Backside Double Cork 1080 in einem Wettkampf gestanden ist. Woran denkt man, wenn man durch die Luft fliegt?

Gasser: Während des Sprungs hat man wenig Zeit zu denken, das passiert eher davor. Ich versuche mir immer, jeden Sprung im Kopf genau vorzustellen, bevor ich losfahre. Den Sprung selbst macht der Körper quasi von alleine, wenn er weiß, was er zu tun hat.

LAOLA1: Wie oft haut es einen im Training auf die Nase, bis man so einen Sprung beherrscht?

Gasser: Sehr oft. Besonders beim Backside Double Cork 1080 bin ich oft gestürzt. Als ich ihn vor ein paar Jahren das erste Mal probiert habe, habe ich mir gleich das Sprunggelenk gebrochen. Beim zweiten Versuch habe ich mir eine Genickverletzung zugezogen. Danach habe ich mir gedacht: Das wird nichts mehr. Aber ich bin es dann langsamer angegangen und habe den Sprung erst voll durchgezogen, als ich mir zu 100 Prozent sicher war, dass er funktioniert.

"Wenn ich mit Schmerzen im Schnee liege denke ich als erstes daran, wann ich wieder Snowboarden kann. Das muss einfach Leidenschaft sein."

LAOLA1: Du hattest in deiner Karriere schon einige Blessuren. Gehören Verletzungen für dich zum Berufsrisiko?

Gasser: Ja. Verletzungen gehören einfach zum Snowboarden dazu. Ich weiß, welches Risiko ich eingehe. Das ist eigentlich eine komische Sache: Wenn ich mit Schmerzen im Schnee liege denke ich als erstes daran, wann ich wieder Snowboarden kann. Das muss einfach Leidenschaft sein.

LAOLA1: Was sagt deine Familie, wenn du mal wieder mit einem Gips an der Hand oder Ähnlichem nach Hause kommst?

Gasser: Meine Mama leidet sehr mit mir mit. Sie hat schon Angst, wenn ich sie anrufe, weil sie jedes Mal denkt, ich habe mich verletzt. Ich habe mich schon das eine oder andere Mal bei ihr entschuldigt, weil ich immer nur dann eine längere Zeit zu Hause bin, wenn ich verletzt bin.

LAOLA1: Du warst eine Spätstarterin, hast erst mit 18 Jahren mit dem Snowboarden angefangen. Warum hast du dich damals für diesen Sport entschieden?

Gasser: Ich habe als Kind viel geturnt und war immer sehr sportlich. Mit 16, 17 Jahren habe ich dann eine neue Leidenschaft gesucht. Als ich das erste Mal am Snowboard gestanden bin, hat es mir sofort viel Spaß gemacht. Meine Freunde haben mich immer mitgenommen, wir sind zusammen im Tiefschnee gefahren und gesprungen und es hat mir von Anfang an Freude bereitet.

LAOLA1: Musstest du härter arbeiten, als deine gleichaltrigen Kolleginnen, die schon viel früher mit dem Snowboarden begonnen haben?

Gasser: Natürlich. Ich denke aber, dass ich durch das Turnen eine gute Basis hatte. Beim Springen hatte ich sofort ein gutes Gefühl, ich habe mich in der Luft wohl gefühlt. Was ich noch lernen musste, war das Fahren. Das ist bei uns sehr wichtig, obwohl wir mehr Zeit in der Luft verbringen. Wir fahren mit einer hohen Geschwindigkeit an und müssen die Kanten richtig einsetzen, vor allem beim Absprung. Deshalb lag mein Hauptfokus am Anfang darauf, dass ich gut am Board stehe.

LAOLA1: Du hast vor vier Jahren in einem LAOLA1-Interview gesagt, eine negative Eigenschaft von dir ist dein Ehrgeiz. Siehst du das noch immer so und warum ist Ehrzeig etwas Negatives?

Gasser: Ich glaube, wenn ich nicht ehrgeizig wäre, wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin. Aber Ehrgeiz kann schnell auch etwas Negatives sein, zum Beispiel wenn man zu viel will, dann passieren oft Verletzungen. Ich glaube Ehrgeiz ist etwas Positives und Negatives, weil man einerseits schnell weiterkommt, andererseits darf man es aber auch nicht übertreiben.

VIDEO - Anna Gasser erspart sich dank der Sportler-Wahl das Fitness-Studio

(Interview wird unterhalb fortgesetzt)

LAOLA1: Du hast dir Anfang August eine Schienbeinkopfprellung zugezogen. Bist du wieder voll fit und wie hat das deine Saisonvorbereitung beeinflusst?

Gasser: Zum Glück war es nur eine kleine Verletzung. Ich glaube, das hat sogar ganz gut getan, weil ich gezwungen war, drei Wochen Pause zu machen. Ich konnte in dieser Zeit den Sommer zuhause genießen und meine Akkus komplett aufladen. Ich bin dann topfit und mit voller Motivation ins Training in Australien gestartet und hatte eine gute Vorbereitung auf die Saison.

LAOLA1: Abgesehen von Olympia: Was hast du dir für diese Saison vorgenommen?

Gasser: Ich hoffe natürlich, dass ich an die Erfolge der letzten Saison anschließen kann. Es gibt außer Olympia einiges zu holen, die X-Games sind wieder ein großes Thema. Also auch wenn Olympia nicht hinhauen sollte, habe ich noch genügend Möglichkeiten, mich zu beweisen.

LAOLA1: Es sind deine zweiten Olympischen Spiele nach Sotschi 2014, die Ausgangslagen könnten unterschiedlicher nicht sein. 2014 hattest du null Druck, keiner hat etwas von dir erwartet, 2018 ist das komplette Gegenteil der Fall.

Gasser: Vor vier Jahren war ich die Außenseiterin, hatte von der Öffentlichkeit überhaupt keinen Druck und bin locker an die Sache herangegangen. Dieses Jahr hat sich das geändert, ich bin eine der Favoritinnen auf eine Medaille. Ich konnte von den letzten Spielen etwas mitnehmen und bin jetzt erfahrener. Ich hoffe einfach, dass ich mich auf mich selbst konzentrieren kann und hoffentlich klappt’s dann mit einer Medaille.

LAOLA1: 2014 ist dir bei Olympia am Start ein kleines Missgeschick passiert, du bist zu früh losgefahren. Wirst du 2018 in PyeongChang daran denken, wenn du am Start stehst?

Gasser: Ich werde in PyeongChang sicher noch ein zweites Mal nachfragen, ob ich starten darf. Das mache ich seit damals eigentlich bei jedem Großereignis. Ich frage zwei oder drei Mal nach, ob es wirklich geht, bevor ich starte. So etwas passiert mir sicher nicht mehr, aber man lernt draus. Ich kann mittlerweile auch drüber lachen, obwohl ich in den ersten Wochen nach Olympia sehr damit zu kämpfen hatte. Jetzt ist es aber abgeschlossen und ich freue mich auf Olympia 2018.

LAOLA1: Bei Olympia werden wohl auch deine Glückssocken zum Einsatz kommen. Klär uns bitte auf: Was hat es damit auf sich?

Gasser (lacht): Wenn ein Bewerb gut läuft, dann ziehe ich danach immer die gleichen Socken oder die gleiche Jacke an, weil ich mir einbilde, dass sie mir Glück gebracht haben. Es geht aber auch in die andere Richtung: Wenn ich eine Jacke oder Hose anhatte, mit der es schlecht gelaufen ist, ziehe ich sie den ganzen Winter nicht mehr an.

LAOLA1: Hast du spezielle Rituale vor dem Start?

Gasser: Eigentlich nicht. Aber letztes Jahr habe ich mir eingebildet, dass es immer gut war, wenn ich ein Wiener Schnitzel vor dem Wettbewerb gegessen habe. Das war bei den X-Games, den US Open und auch bei der WM so. Also werde ich das heuer wohl weiterführen.

Textquelle: © LAOLA1.at

Anna Gasser erstmals Österreichs Sportlerin des Jahres

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