Er formt das beste Slalom-Team

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Österreichs Herren haben zum Abschluss der WM am Sonntag im Slalom (11 Uhr im LIVE-Ticker) die Chance, nochmal so richtig abzuräumen.

Neben Titelverteidiger Marcel Hirscher stellt der ÖSV gleich mehrere Kandidaten, die das Zeug zu Gold, Silber und Bronze haben. Das ist mitunter einem Mann zu verdanken: Marko Pfeifer.

Der Kärntner gab 2013 seinen Job als Cheftrainer der schwedischen Ski-Herren auf, um das erfolgreiche ÖSV-Slalom-Team um Benny Raich, Mario Matt, Manfred Pranger und Reinfried Herbst zu übernehmen.

In der Folge verabschiedete sich einer nach dem anderen in die Ski-Pension, Pfeifer stand mit einem Haufen junger, unerfahrener Läufer da. Marcel Hirscher war längst mit seinem eigenen Team unterwegs.

Der Trainer stand vor der schweren Aufgabe, ein neues, schlagkräftiges Slalom-Team aufzubauen und es an die Weltspitze zu führen. Nicht minder war der Anspruch im ÖSV.

Kein "Wunderteam"

2019 kann man mit Fug und Recht behaupten, dass ihm das gelungen ist. Hinter Hirscher hat Rot-weiß-rot mit Marko Schwarz, Manuel Feller, Michael Matt und Christian Hirschbühl gleich vier Athleten, die an der Weltspitze mitmischen. Fünf der besten zwölf Slalom-Läufer im Weltcup kommen aktuell aus Österreich.

Pfeifer als "Trainer der besten Slalomtruppe der Welt“ zu bezeichnen, wie es etwa Hirschbühl in Schladming getan hat, ist nicht zu hoch gegriffen.

Pfeifer selbst gibt sich bescheiden. Seine Truppe als „Wunderteam“ zu bezeichnen, sei vermessen. „Wir haben vor zwei, drei Jahren angefangen, mit der jungen Truppe zu arbeiten. Die Gruppe ist mittlerweile geschlossen gut. Es ist schön zu sehen, dass wir konstant vier, fünf Leute in den Top Ten haben. Die Jungs fahren einfach gut Ski."

Das zeichnet Pfeifer aus

Seine „Jungs“ können das Kompliment nur zurückgeben, wissen genau, welchen Anteil ihr Coach am Erfolg hat.

„Am Anfang sind wir unter Marco brutal viele Umfänge gefahren, da haben wir sehr viele Tage trainiert. Mittlerweile schauen wir mehr auf die Qualität“, erklärt Marco Schwarz.

Der Kärntner, der unter seinem engeren Landsmann an die Weltspitze vorgedrungen ist, bewundert den besonderen Blick seines Trainers.

„Marco sieht im Training sehr viel. Er braucht keine Uhr, die mitläuft, er sieht am Schwung, was schnell ist und ob es ein Zehntel schneller oder langsamer ist. Das zeichnet ihn aus“, sagt Schwarz.

„Das Auge für solche Sachen hatte ich schon immer“, entgegnet Pfeifer mit einem Lächeln. „Ich tue mir da nicht schwer, wenn ich Läufer konstant beobachte, dann fällt ein oder zwei Zehntel schon auf. Dass ich mich da täusche ist selten. Das ist vielleicht eine Gabe.“

Der "Psychologe" Marko Pfeifer

Die Arbeit des Trainers geht aber über jene auf der Piste hinaus. Er müsse auch ein Stück weit Psychologe sein, sagt Pfeifer.

"Es ist oft Zuckerbrot und Peitsche. Man muss wissen, wann man einem Athleten die Meinung sagt und wann man ihn auffangen muss."

Der "Psychologe" Marko Pfeifer

„Es ist oft Zuckerbrot und Peitsche. Man muss wissen, wann man einem Athleten die Meinung sagt und wann man ihn auffangen muss. Ich glaube, dass das eine Stärke von mir ist. Man kann schon sehr viel zwischenmenschlich steuern und Vertrauen geben. Speziell wenn man die Athleten länger kennt, weiß man, wie jeder einzelne empfindet. Das ist schon sehr wichtig.“

Der Rest seines Jobs sei viel Organisation, erklärt Pfeiffer. In erster Linie geht es darum, im Training jeden Tag für eine perfekte Piste zu sorgen. Die Bedingungen sollen jenen des nächsten Rennens möglichst nahe kommen. 

„Die Pisten zu organisieren und zustande zu bringen ist mittlerweile meine Hauptaufgabe als Trainer. Das ist in den letzten Jahren sehr intensiv geworden“, sagt Pfeifer und streicht die Wichtigkeit einer guten Trainingspiste hervor. 

„Ohne gute Piste macht das Training keinen Sinn, denn man kann das Material nicht analysieren. Und Material und Technik, das ist eins. Die Jungs auf diesem Level fahren schon eine relativ fertige Technik, da brauchst du nicht mehr viel zu erklärten. Daher geht es um die Materialabstimmung.“

Auch Hirscher profitiert

In dieser Hinsicht können sich Schwarz, Feller, Matt und Co. einiges von Marcel Hirscher abschauen. Hin und wieder, wenn auch nicht allzu oft, trainiert der siebenfache Gesamtweltcup-Sieger mit seinen ÖSV-Kollegen. 

„Wir haben ein gutes Verhältnis zum Team Hirscher. Das ist wirklich ein Miteinander“, sagt Pfeifer. Es gebe Vorteile für beide Seiten. 

„Marcel ist das große Vorbild, natürlich ist die Lust und die Herausforderung da, ihn auch einmal zu schlagen. Es ist ein Ansporn für das restliche Team, sich mit ihm zu messen. Andererseits sagt Marcel seit zwei, drei Jahren, dass es für ihn sehr wichtig ist, gegen uns im Training zu fahren. Denn im Training ist nicht immer Marcel der Schnellste, er kann im Rennen halt nochmal einen Gang raufschalten.“

„Aber wir werden weiterarbeiten“, sagt Pfeifer. „Wir gehen unseren Weg und wir gehen ihn, glaube ich, gut.“

Textquelle: © LAOLA1.at

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