Hirscher: "So wie in China der Sack Reis"

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Die Erleichterung war spürbar.

Marcel Hirscher hat mit seinem Sieg im Slalom zum Abschluss der WM nicht nur für die ersehnte Goldmedaille gesorgt, sondern ist auch den hohen Erwartungen an ihn gerecht geworden.

"Gott sei Dank" habe er sich bei seiner Zieldurchfahrt gedacht, erzählt Hirscher. "Es ist mehr Erleichterung als Freude, weil der Druck ganz einfach da ist. Das kann man nicht wegreden.“

Es sei auch eine "riesige Genugtuung“: "Ich bin froh, dass ich die Erwartungen erfüllen konnte. Es ist wahrscheinlich meine letzte WM, das wäre ein schöner, runder Abschluss.“

Mit seiner insgesamt siebenten WM-Goldenen machte sich Hirscher zum erfolgreichsten WM-Teilnehmer.

"Es ist unglaublich, nach 2013 und 2017 jetzt 2019 wieder Gold", sagt der 29-Jährige, für den es der dritte WM-Titel im Slalom nach Schladming und St. Moritz war. Drei Mal Slalom-Gold gelang zuvor nur Ingemar Stenmark...

"Ich bin fertig"

Vergleichen könne man den Triumph in Aare mit den anderen nicht. "2013 habe ich müssen, jetzt habe ich dürfen“, erklärt Hirscher.

Druck sei nach wie vor da, aber anders. "2013 habe ich gedacht, ich packe das überhaupt nicht. Jetzt ist es so, dass ich am Start stehe und mir denke: Was soll's, ich gebe jetzt alles und probiere es. Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt echt nicht unter. Damals wäre die Welt für mich untergegangen. Heute wäre es nicht lustig, aber global gesehen so wie in China das mit dem Sack Reis."

Dass es dennoch mit Gold geklappt hat, sei "unglaublich“, auch wenn man die Freude in seinem Gesicht nicht so sehen würde. "Ich bin fertig“, spricht Hirscher seinen körperlichen Zustand an, "deshalb zeige ich vielleicht weniger Emotionen. Aber glaubt mir, ich bin superhappy mit den zwei Medaillen.“

"Ich hatte wirklich eine Freude"

Für den Doppel-Olympiasieger und nun siebenfachen Weltmeister seien Medaillen aber nicht der Anreiz. "Der Anreiz ist, so zu performen wie im ersten Durchgang.“

Im ersten Durchgang legte Hirscher auf den von seinem Trainer Mike Pircher gesetzten Kurs einen Traumlauf hin. Nur Alexis Pinturault kam ihm annähernd nahe.

"Ich war sehr zufrieden, weil ich es einfach brutal gut erwischt habe, ich hatte wirklich eine Freude. Ich habe mich sichtlich wohl gefühlt in dem Lauf von Mike. Er hat das gewaltig umgesetzt. Es ist das schwierigste für einen Trainer, den Lauf so zu stecken, dass es der eigene Läufer zu nützen weiß“, dankt Hirscher seinem Coach.

"Der erste Lauf war cool und gewaltig, das ist im Slalom aber nur die halbe Miete. Deswegen kann man sich da gar nicht so freuen“, erklärt der Annaberger seine Gefühlswelt zwischen den Durchgängen.

Im Finale hätte er deshalb wieder Vollgas gegeben und versucht, bei schwierigen Passagen klug zu fahren. "Bei einer WM ist es wesentlich einfacher, alles auf eine Karte zu setzen, weil es keine Punkte gibt wie im Weltcup. Hier gibt es nur eins, zwei und drei.“

"Ich will nicht raunzen"

Hinter dem Namen Hirscher stand am Ende die Eins. Das habe er auch seinem Team zu verdanken, das ihn nach seiner Erkrankung wieder aufpäppelte und ihn in allen Bereichen bestmöglich unterstützte.

"Die letzten vier Tage waren nicht die einfachsten. Jeder weiß, wie es ist, krank zu sein und das noch zum ungünstigsten Zeitpunkt. Aber ich will jetzt nicht zum Raunzen anfangen“, sagt Hirscher. "Es gibt halt Tage, wo du reinbeißen musst und das waren jetzt halt welche davon. Das habe ich gemacht, mit vollem Einsatz, weil das wahrscheinlich meine letzte WM war.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich seine letzte war, sei laut Hirscher "größer denn je", fix sei aber nichts.

Er wolle sich jetzt erst einmal auf die restlichen Weltcup-Rennen konzentrieren und dann nach einer Pause entscheiden, wie es weitergeht.

Das nächste Weltcup-Rennen steht bereits am Dienstag an, dann steigt in Stockholm ein City Event. Hirscher flog trotzdem am Sonntagabend noch nach Österreich und reist am Dienstag wieder nach Schweden.

Ferdl Hirscher: Keine Zeit für "Feiergaudi" >>>

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Ferdl Hirscher: "Keine Zeit für die Feiergaudi"

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