Reichelts Lehren aus der Doping-Causa

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"Mir ist ein riesen Stein vom Herzen gefallen."

Erleichterung pur bei Hannes Reichelt, nachdem das Doping-Verfahren gegen ihn eingestellt worden ist. Am Mittwoch um acht Uhr morgens, als Reichelt gerade auf dem Weg zum Gletscher-Training war, überbrachte sein Anwalt ihm die gute Nachrichten.

"Die Erleichterung ist sehr groß. Das waren mit die fünf zähesten Monate in meinem Leben", sagt der ÖSV-Speed-Spezialist in einem ÖSV-Interview.

Reichelt war im Zuge der "Operation Aderlass" ins Visier der Doping-Ermittler gerückt. Die Vorwürfe eines ehemaligen nordischen Servicemannes, wonach Reichelt über einen ehemaligen österreichischen Langlauftrainer Dopingmittel bezogen hätte, haben sich nicht bestätigt.

Auch dass Reichelt sich bei dem deutschen Sportmediziner Mark S. nach Dopingmittel erkundigt hätte, stimme nicht, teilt die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Der Salzburger habe aktiv an der Aufklärung der Vorwürfe mitgewirkt, indem er unter anderem freiwillig seine Mobiltelefone herausgab, so die Staatsanwaltschaft. Bei deren Auswertung habe sich "keine bedenkliche Kommunikation" zwischen Reichelt und anderen Personen ergeben.

Zudem entlastete der ehemalige Langlauftrainer Reichelt mit seiner Aussage, und auch Mark S. tätigte laut der Anklagebehörde keine Angaben, die den Alpin-Skifahrer belastet hätten. Außerdem wurden bei keiner im Zuge der Dopingermittlungen durchgeführten Hausdurchsuchungen Blutbeutel von Reichelt gefunden. Insgesamt gelangte die Staatsanwaltschaft daher zur Überzeugung, "dass Hannes Reichelt kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen ist", heißt es.

Reichelt: "Es war richtig brutal"

Ganze fünf Monate dauerten die Ermittlungen - keine einfache Zeit für Reichelt und seine Familie. "Die Anfangszeit war sehr schlimm. Das Frühjahr hat mit der Geburt unseres Sohnes sehr gut begonnen, dann sind die Doping-Vorwüfe aufgekommen. Die ersten Wochen waren sehr schwierig, das zu verkraften, in was man da reingezogen wird", sagt Reichelt.

Auch für seine Familie sei die erste Zeit "richtig brutal" gewesen. "Mein Vater ist bei der Musik und war sich nicht mal mehr sicher, ob er zur Musikprobe gehen kann. Das ist einfach schon gemein, dass da die Familie mit reingezogen wird. Das hat mich am meisten geärgert", erklärt der 39-Jährige.

Mit der Zeit hätte er die Vorwürfe zwar immer besser beiseite schieben können, "aber es ist immer wie eine kleine dunkle Wolke in meinem Kopf herumgeschwirrt. Deshalb bin ich froh, dass die jetzt auch weg ist".

Dass das Verfahren nun eingestellt worden ist sei eine Bestätigung dafür, dass er in der Vergangenheit immer "jedes Medikament oder Hustenzuckerl kontrolliert" hat. "Das hat mir in den fünf Monaten auch gezeigt: Du hast alles richtig gemacht."

Reichelt: Aggressionen als zusätzliche Motivation

Auch von außen gab es in den letzten Monaten viel Zuspruch, erzählt Reichelt. "Familie, Freunde, Fans: Die sind in dieser schwierigen Zeit immer hinter mir gestanden und haben mir positive Zusprüche geschickt. Das hat mir sehr viel Auftrieb gegeben, dafür möchte ich Danke sagen."

Im Training habe er aus der Situation der letzten Monaten sogar etwas Positives schöpfen können. "Ich habe die Aggressionen, die ich aufgrund der Vorwürfe entwickelt habe, in positive Energie und ins aggressive Skifahren ummünzen können. Es ist eine zusätzliche Motivation gewesen", erklärt Reichelt.

Der Speed-Spezialist steht voll in der Vorbereitung auf die neue Weltcup-Saison und kann sich nun "voller Elan und mit 100 Prozent" auf die kommenden sportlichen Aufgaben konzentrieren.

"Ich bin in einer ganz guten Form, ich halte mit den jungen Jungs ganz gut mit", grinst Reichelt. "Es macht mir Riesenspaß und ich freue mich auf die neue Saison. Es ist sicher noch einiges an Arbeit zu machen, aber ich bin froh, dass ich mich jetzt voll auf die kommende Saison konzentrieren kann."

Textquelle: © LAOLA1.at

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