Sölden? Olympia? Veith verrät ihren Comeback-Plan

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Bislang herrschte Rätselraten um den Gesundheitszustand von Anna Veith.

Ende Februar unterzog sich der Ski-Star einer Operation am linken Knie, um eine chronische Patellasehnen-Entzündung zu behandeln. Seitdem wurde es ruhig um die 28-Jährige - es gab kaum Informationen, wie die Arbeit am Comeback läuft.

Mitte September kehrte die Salzburgerin dann überraschend auf Schnee zurück. Wie es ihr aktuell geht, wie ihr weiterer Fahrplan aussieht, wann sie frühestens in den Weltcup rurückkommt und ob sie einen Olympia-Verzicht erwägt, verrät Anna Veith im Interview:

Frage: Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es dem Knie?

Anna Veith: Welchem? (lacht)

Frage: Anders formuliert: Wie geht es deinen Knien?

Veith: Es geht beiden sehr gut, ich habe die Belastungen behutsam und kontinuierlich aufgebaut. Ich bin nicht in die Kraftkammer gegangen und habe voll losgelegt, sondern sehr überlegt trainiert. So ist es auch beim Skifahren. Ich kann nicht sagen, ich stelle mich auf Ski und haue mich in Sölden runter – das wird nicht funktionieren. Dadurch würde ich die Knie nur überreizen und es würde mich zurückwerfen. Aktuell geht es mir körperlich aber sehr gut, mittlerweile kann ich sogar laufen.

Frage: Unlängst bist du zum ersten Mal wieder auf Ski gestanden. Wie war das?

Veith: Es war eine sehr intensive Erfahrung. Ich hatte aber in beiden Knien ein gutes Gefühl. Letztes Jahr war es anders, da hatte ich wenig Kraft und konnte den Schwung nicht wirklich hindrücken. Jetzt fühle ich mich körperlich viel besser, es hat sich gut angefühlt. Emotional war es ein großer Tag für mich. Ich fühle mich jetzt viel besser und auch selbstbewusster.

Frage: Wie viel Tage auf Schnee hast du in den Beinen und wie viele wird es brauchen, um wieder bereit für Rennen zu sein?

Veith: Ich war drei Tage auf Schnee, bin aber nur frei gefahren. Wie viele Tage es genau braucht, weiß ich nicht. Wenn ich körperlich fit bin und bleibe, wird es weniger brauchen - wenn nicht, dann mehr.

Frage: Wie lautet der weitere Fahrplan?

Veith: Es ist noch ein langer Weg. Aktuell trainiere ich nicht wie die anderen Mädels zwischen den Toren, ich fahre nur frei Ski, um das Gefühl aufzubauen. Ich muss abwarten, wie mein Körper und speziell die Knie reagieren. Wenn alles passt, will ich noch im Oktober wieder ins Stangen-Training einsteigen.

Frage: Der Weltcup-Auftakt in Sölden am 28. Oktober kommt also zu früh?

Veith: Sölden und Levi sind definitiv kein Thema, das geht sich nicht aus. Außerdem möchte ich eher im Speed-Bereich zurückkehren, weil die Belastung für die Knie im Speed meiner Erfahrung nach geringer ist, als beispielsweise im Riesentorlauf. Wenn im Training alles gut geht, kann es auch schnell gehen.

Frage: Die ersten Speed-Rennen steigen Anfang Dezember in Lake Louise – soll dort das Comeback erfolgen?

Veith: Das ist schwer zu sagen, weil bis dahin noch lange Zeit ist und viel passieren kann. Ich will zu hundert Prozent fit sein, bevor ich wieder an den Start gehe. Ob das dann in Übersee, Europa oder erst im Jänner 2018 ist, wird man sehen.

"Sölden und Levi sind definitiv kein Thema, das geht sich nicht aus. Außerdem möchte ich eher im Speed-Bereich zurückkehren, weil die Belastung für die Knie im Speed meiner Erfahrung nach geringer ist als beispielsweise im Riesentorlauf."

Frage: Wenn alles gut geht könnte Lake Louise aber schon ein Thema sein?

Veith: Das wäre eigentlich noch vor dem Plan. Grundsätzlich habe ich mir nämlich bis November Zeit für das Konditionstraining gegeben. Ich muss ja auch zwischen den Ski-Trainings Kondi-Einheiten machen, um die Kraft zu bewahren und dadurch die nötige Sicherheit zu haben.

Frage: Du liegst aktuell aber auch vor dem Plan, oder?

Veith: Ja, eigentlich schon. Es war geplant, erst im Oktober auf Schnee zu gehen. Es ging im Training aber so gut, deshalb habe ich gesagt, dass nichts gegen Skifahren spricht. Skifahren ist ja noch lange nicht Rennfahren. Der Weg bis dahin ist schon noch lange, das darf man nicht vergessen.

Frage: Wie würdest du die erste Operation mit der zweiten vergleichen?

Veith: Die Phase nach dem ersten Eingriff war schwieriger, weil mich das linke Knie – das jetzt erst operiert wurde - damals schon immer wieder gestoppt hat. Da musste ich auf beide Knie achten, deshalb war es hart. Jetzt habe ich mit der OP neu angefangen und sollte auf beiden Seiten schmerzfrei sein. Außerdem war der Muskelschwund diesmal nicht so extrem wie bei der ersten Operation, weil die Zeit ohne Training viel kürzer war.

Frage: Bereust du deine Entscheidung, bei der ersten Verletzung nicht gleich beide Knie gerichtet haben zu lassen?

Veith: Man fragt sich das schon, die Antwort ist aber einfach: Die Ärzte haben mir immer davon abgeraten. Diese Operation verspricht keine hundertprozentige Heilung, es ist eine 50:50-Chance. Deshalb habe ich es immer ohne Operation versucht. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich für den Eingriff entschieden habe, waren alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft.

Frage: Wo wird es „leichter“ sein, wieder an der Weltspitze dabei zu sein – im RTL oder im Speed?

Veith: So wie es derzeit aussieht im Speed. Die Belastungen im Speed mit den größeren Kurven sind für die Knie erträglicher. Die Spitzen sind zwar da, aber man kann es besser kontrollieren. Deshalb richtet sich mein Fokus auch auf den Speed. Ich trainiere schon Riesentorlauf, aber nicht um Rennen zu fahren, sondern um Gefühl aufzubauen.

Frage: Du fühlst dich jetzt laut deiner Aussage viel besser als beim letzten Comeback, hast aber sogar damals einen Podestplatz geholt. Steigen dadurch die Ansprüche?

Veith: Letztes Jahr ging es unter den gegebenenen Voraussetzungen überraschend gut, der Podestplatz war für mich sehr überraschend. Jetzt wäre es nicht mehr ganz so überraschend. Ich habe das Skifahren nicht verlernt, das habe ich damals gemerkt. Die körperlichen Voraussetzungen müssen stimmen, daran arbeite ich sehr bewusst und zielstrebig. Dazu kommt das Material, ich habe einen guten Servicemann mit dem ich in ständigem Austausch stehe, auch wenn ich nicht fahre. Es braucht schon Zeit, aber dann kann es wieder passen. Ob ich dann Rennen gewinne, auf das Podest oder unter die Top 10 fahre – weiß ich nicht.

Anna Veith besticht durch natürlichen Charme. Ihre besten Bilder:

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Früher fuhr sie als Anna Fenninger Siege ein, seit ihrer Hochzeit mit Manuel Veith im April 2016 kämpft sie als Anna Veith um Hundertstel.

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Sie besticht durch natürlichen Charme. Bild 4 von 52
Als die Salzburgerin ins Weltcup-Team aufrückte, war sie noch ein schüchterner Teenager,... Bild 5 von 52
... inzwischen ist sie Österreichs "Ski-Beauty". Bild 6 von 52

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Frage: Ist ein Antreten bei den Olympischen Spiele im Februar 2018 das große Ziel?

Veith: Alle Erfahrungen, die ich gemacht habe, sind hilfreich für das, was noch kommt. Ich bin dankbar für die Siege, aber ich habe auch aus den Verletzungen gelernt. Ich kann jetzt ganz anders zu Olympia gehen als vor vier Jahren. Der Weg bis dorthin ist jedenfalls lange. Ich muss zu hundert Prozent fit sein, um erst einmal richtig trainieren zu können. Dann muss ich im Weltcup Ergebnisse liefern, ich habe keinen Bonus und bin nicht qualifiziert. Wenn man im Weltcup keine Leistung zeigt, hat man bei Olympia ohnehin nichts verloren. Deshalb ist Olympia noch nicht im Fokus, Priorität hat die Rückkehr in den Weltcup.

Frage: Einige Athleten überlegen aufgrund der politischen Situation um Nordkorea einen Olympia-Verzicht. Wie denkst du darüber?

Veith: Man bekommt das alles mit. Stand heute hätte ich ein brutal schlechtes Gefühl, hin zu fliegen – auch wenn keine Reisewarnung ausgesprochen ist. Ich verlasse mich aber schon auf die Einschätzungen der Politiker und der Verantwortlichen beim ÖOC. Wenn sie uns guten Gewissens hin schicken, verlasse ich mich darauf.

Frage: Du bist zwar noch jung, aber schon lange im Weltcup dabei. Stellt man sich die Frage, wie lange man das noch macht?

Veith: In jungen Jahren bin ich alle Disziplinen gefahren, das war sehr fordernd. Um den Gesamtweltcup zu fahren, ist sicher anstrengender als Spezialist zu sein. Die letzten zehn Jahre waren kräfteraubend. In den letzten zwei Jahren habe ich durch die Verletzungen viel Wert darauf gelegt, wieder frisch zu werden. Ich war ganz unten, war weit weg von Sport. Deswegen war es wichtig, dass die Aufbau-Phase im Sommer jetzt lange war und ist. Ich habe mich körperlich verändert, habe wieder Muskeln aufgebaut. Ich fühle mich heute 50 Jahre jünger als vor einem Jahr – übertrieben gesagt. Letztes Jahr habe ich mich alt gefühlt, heuer nicht. Letztes Jahr hätte ich wohl gesagt, dass es meine letzte Saison ist. Heute fühle ich mich aber nicht so, ich bin motivierter und bereit. Wie lange es dann schließlich noch geht, weiß ich nicht.

Textquelle: © LAOLA1.at

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