Klammer: "Hirscher ist auf Knopfdruck da"

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Während Österreichs aktuelle Ski-Stars in Nordamerika unterwegs sind, feiert in der Heimat eine Legende vergangener Tage Geburtstag: Franz Klammer.

Der Abfahrts-Kaiser wird am 3. Dezember 65 Jahre alt. Fast 34 Jahre ist sein letzter Schwung im Weltcup mittlerweile her, es war im März 1985 in Aspen.

In Klammers Leben ist seither vieles gleich geblieben. Er sei gesund und mache das, was ihm Spaß bereite. "Es hat sich nichts geändert, es ist immer irgendwas zu tun", wie er sagt. "Ich bin nach wie vor viel für die Kärnten-Werbung und Head unterwegs, ab Dezember stehen wieder skifahrerische Aktivitäten als Guide für Firmen an."

Skifahren, Golfen, Radfahren - Klammer ist weiter sportlich aktiv. "Die Fitness ist ganz okay." Auch der Rennanzug von früher würde noch passen. "Aber an den Oberschenkeln würde er flattern, da fehlt die Muskelmasse." Seine Erfolge werden die Zeit jedenfalls überdauern. "Ich denke, meine Karriere, das war eine runde Geschichte."

"Der Tupfen auf dem i"

Im Februar 1976 war er die Hoffnung einer ganzen Nation. Am Start hörte Klammer erst ein Trompetenkonzert von Hummel und raste dann als 22-jähriger Draufgänger in einem grellgelben Renndress zum Olympiasieg. Als Nummer 15 fing er den lange führenden Schweizer Bernhard Russi noch ab. Und erfüllte damit die Erwartungen der laut Medienberichten bis zu 60.000 Fans im Zielraum des Patscherkofels und darüber hinaus. Im Vorjahr hatte ihr Idol alle Abfahrten gewonnen - sofern er ins Ziel gekommen war.

"Ohne Olympiasieg wäre es eine schöne, aber nicht diese Karriere gewesen. Er war der Tupfen auf dem i. Diese Dramatik rund um das Rennen, ich komme dann als Nummer 15 und gewinne - das Drehbuch war einfach gut geschrieben."

Klammers Biografie ist eng mit diesem 5. Februar 1976 verknüpft. "Ohne Patscherkofel wäre ich nicht die Person, die ich heute bin", gab er schon vor Jahren zu. Der Bergbauernbub aus Mooswald in Kärnten war plötzlich Kaiser, er zehrt bis heute von jenem Erfolg.

Klammers Leistungsloch nach Schicksalsschlag

So hell dieser Tag im Leben von Österreichs dreifachen Sportler des Jahres leuchtet, so dunkel war der 20. Februar 1977. Sein damals 17-jähriger Bruder Klaus ist seit einem Rennsturz in Lienz querschnittsgelähmt. Klammer fiel in ein Leistungsloch. "Ich hatte es nicht für möglich gehalten, dass uns so etwas passieren kann." Nach seiner Karriere gründete er die "Franz Klammer Foundation", die seither Unfallopfer des Sports, aber auch sozial benachteiligte Jugendliche unterstützt.

Klammer selbst fand erst 1981 in Val d'Isere in die Erfolgsspur zurück. Die Risikobereitschaft war wieder da, die ihn bei seinen verwegenen Fahrten oft in akute Sturzgefahr brachte, ihm aber auch 25 bis heute unerreichte Abfahrtssiege bescherte. Er wird die Nummer 1 in dieser Disziplin noch lange bleiben. Aksel Lund Svindal (NOR) hält als erfolgreichster aktiver Fahrer bei 14 ersten Plätzen. "Es ist schwierig, in der Abfahrt so ein Seriensieger zu sein, wie Hirscher im Slalom. Wetter, Startnummern-Rennen, und dann ist noch eine extreme Dichte da."

1975 war das anders. Der Mann mit dem ewigen Lausbubenlächeln war am Zenit seiner Karriere, in der Abfahrt war er nahezu unschlagbar. Kam er ins Ziel, gewann er. Nur in Megeve, da ging die Bindung auf. Er verlor den Ski und den Kampf um den Gesamtweltcup - ein Makel einer insgesamt glanzvollen Karriere. Im derzeitigen Weltcup-Kalender habe ein Speed-Fahrer keine Chance mehr, die große Kugel als Saisonbester zu gewinnen. "Es ist alles auf die Techniker aufgebaut."

Klammer: Hirscher ein Phänomen

Auf einen, wie Marcel Hirscher, dem Klammer "unglaublich gern" zuschaut. "Der Zweikampf mit Kristoffersen ist sehr schön, keiner kennt Zurückhaltung. Ich mag es, wie sie sich gegenseitig sportlich bekämpfen." Hirscher sei ein Phänomen. "Er ist auf Knopfdruck da. Man kann ihn wie einen Schalter einschalten und schon ist die Performance da. Er tut wahrscheinlich das Alzerl mehr als die anderen und ist zudem ein prädestinierter Rennfahrer - es passt alles zusammen."

Der Ski-Weltcup der Gegenwart sei eine andere Art des Rennfahrens. Mut sei weiter ein Erfolgsfaktor, werde aber nicht mehr so belohnt wie früher. Es gehe um Hundertstelsekunden, absolute Fehlervermeidung und Materialschlachten. "Es ist eine Wissenschaft. Aber die Guten setzen sich trotzdem, wie früher, durch."

Dass seine eigenen Erfolge so nachhaltig sein würden, habe er sich früher nicht träumen lassen. "Sicher ist es manchmal nicht nach Wunsch gelaufen, es war nicht alles glorreich. Aber Rennfahren war immer Spaß, ein super Erlebnis."

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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