Kitz-Chef Huber: "Hangover in Kitzbühel"

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

So turbulent, wie es oft auf der Streif zugeht, so turbulent war die letzte Woche für die Veranstalter der Hahnenkammrennen in Kitzbühel.

Nach der Absage in Wengen freute man sich in der Gamsstadt bereits auf zwei Rennwochenenden mit insgesamt fünf Bewerbe. Aber Corona machte auch den Kitzbühelern einen Strich durch die Rechnung und so mussten die zwei Slaloms an Flachau abgegeben werden.

Dafür gibt es gleich zwei Mal Abfahrts-Action auf der Streif sowie einen Super-G (Programm der Hahnenkammrennen 2021) - das alles jedoch vor leeren Rängen, wo normalerweise bis zu 90.000 Fans an einem Wochenende an die Strecke pilgern.

Dr. Michael Huber, Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs und OK-Chef der Hahnenkammrennen, spricht im LAOLA1-Interview über den "Hangover" nach der Slalom-Absage und die finanziellen Folgen der Geisterrennen in Kitzbühel. Außerdem verrät der Tiroler, wie sich die Streif in diesem Jahr präsentiert und was an den Gerüchten um die Nachfolge von Peter Schröcksnadel als ÖSV-Präsident dran ist.

LAOLA1: Sie sind seit über 25 Jahren in die Organisation der Hahnenkammrennen involviert. So etwas wie in diesem Jahr haben Sie wohl noch nie erlebt.

Michael Huber: Wir haben bei den Hahnenkammrennen schon viel erlebt, aber so viel in so kurzer Zeit noch nie. Es ist das erste Mal in dieser Dimension.

LAOLA1: Die Freude über die zusätzlichen von Wengen übernommen Rennen hat nur kurz gewährt. Wie sehr blutet das Veranstalterherz, nachdem man die beiden Slaloms wieder abgeben musste?

"Es war wie ein Hangover. Das Gemüt war sozusagen am Boden."

Huber über die Slalom-Absage

Huber: Es war wie ein Hangover, wie man so schön sagt. Wie nach einer durchzechten Nacht, wenn am nächsten Tag der Kopf schwer ist. Das Gemüt war sozusagen am Boden. Aber wir gehen jetzt in die zweite Woche und ich hoffe, dass sich der Hangover in einen Energieausbruch entwickeln wird.  

LAOLA1: Dennoch war die Absage der Slaloms die richtige Entscheidung, oder?

Huber: Sport ist Emotion pur – für die Athleten und Fans genauso wie für uns Veranstalter. Diese Emotion muss man jetzt ausblenden und rein objektiv sagen: Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir haben das Beste gegeben, das wir konnten, aber wir sind einfach nicht Herr dieser Lage. Es war jetzt eine unglückliche Situation, aber die Gesundheit von uns allen geht vor.

LAOLA1: Laufen die Planungen für das Wochenende normal oder gibt es einen Plan B?

Huber: Nein, wir machen ganz normal Schritt für Schritt weiter. Es gibt heuer keinen touristischen Trubel, wir können wirklich in Ruhe arbeiten. Die Situation auf der Strecke ist sensationell, die ist pipifein. An uns scheitert es also nicht, aber den Virus haben wir nicht im Griff.

LAOLA1: Sie sagen, die Streif ist pipifein. Heißt das, es geht in die ruppigere Richtung oder präsentiert sich die Strecke eher "zahm"?

Huber: Die Streif ist dann schwierig zu fahren, wenn es wenig Schnee gibt und es mit der Zeit für die Präparierung der Piste eng wird, weil dann jede natürliche Bodenwelle oder Kante viel ausgeprägter ist. Heuer hatten wir in der Vorbereitung schon sehr viel Maschinen-Schnee, was grundsätzlich alles wesentlich harmonischer macht. Durch den vielen Naturschnee in letzter Zeit haben wir jetzt eine moderatere Linienführung und die Sturzräume sind sehr gut abgedämpft. Von dem her wird die Streif zu Beginn aus Sicht der Athleten eher angenehm sein. Aber sag niemals nie: Die Streif entwickelt sich - zwischen dem ersten Training und dem Rennen können Welten sein.

(Interview wird unter dem Video fortgesetzt)

LAOLA1: Im vergangenen Jahr waren 86.500 Zuschauer am Weltcup-Wochenende vor Ort. Die Ticket-Einnahmen fallen nun weg. Werden die Rennen in diesem Jahr ein Verlustgeschäft?

Huber: Es war uns schon im Vorfeld bewusst, dass wir ohne die Zuschauer-Einnahmen nur reüssieren können, wenn wir auch die Kosten senken. Es hat entsprechende Konzepte gegeben, aber durch den Wechsel der Bewerbe haben wir jetzt nicht mehr diese kontrollierte Budgetierung. Daher werden wir erst mit der Endabrechnung sehen, was am Ende des Tages übrigbleibt. Im besten Fall ist es ein ausgleichendes Budget. Uns war schon im Vorfeld bewusst, dass man in diesem schwierigen Jahr unter Umständen mit Abstrichen rechnen muss, aber wir agieren immer für den Sport – das zeichnet den Kitzbüheler Ski Club aus.

LAOLA1: Ihr Name wird immer wieder genannt, wenn es um die Nachfolge von Peter Schröcksnadel als ÖSV-Präsident geht. Was ist an diesen Gerüchten dran?

Huber: Geredet wird viel. Im Juni ist die Länderkonferenz, die Entscheidung treffen die neun Landesverbandspräsidenten. Welche Gedanken und Überlegungen sich diese machen, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich bin mit dem Tiroler Skiverband in Kontakt, da werden Gespräche geführt. Mehr gibt es dazu im Moment nicht zu sagen, lassen wir mal den Winter vorübergehen.

LAOLA1: Aber Sie wären bereit, das Amt anzutreten?

Huber: Das beantworte ich jetzt nicht mit Ja oder Nein. Die Entscheidung treffen die Landesverbandspräsidenten, die haben Ende Jänner die erste Sitzung und da wird diskutiert, wer überhaupt für sie als Kandidat infrage kommt. Meine Bereitschaft steht da jetzt nicht zur Debatte.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch!

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..