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Warum man sich beim ÖSV auf Sölden freut wie schon lange nicht

Österreichs Riesentorläufer:innen haben die Krisenzeiten vorerst hinter sich gelassen. Von Siegen und Kristallkugeln sollte man sich aber nicht blenden lassen.

Warum man sich beim ÖSV auf Sölden freut wie schon lange nicht Foto: © GEPA

Es ist noch gar nicht allzu lange her, da spielten Österreichs Ski-Asse beim Weltcup-Auftakt in Sölden nur eine Nebenrolle.

Nach der Ära Marcel Hirscher klaffte im ÖSV in der alpinen Kerndisziplin, dem Riesentorlauf, eine Lücke, die niemand so recht zu schließen vermochte.

Krisen-Disziplin, Dauer-Baustelle, Achillesferse - der Riesentorlauf war im ÖSV in den vergangenen Jahren vieles, nur kein Erfolgbringer.

Das änderte sich im vergangenen Winter schlagartig.

Rot-weiß-rotes Sieger-Trio

Julia Scheib gewann – doch etwas überraschend – gleich das Auftaktrennen in Sölden. Ihrem ersten Weltcup-Sieg sollten im Laufe der Saison noch vier weitere folgen. Am Ende holte die Steirerin die erste Riesentorlauf-Kristallkugel für die ÖSV-Frauen seit 2016.

Bei den Männern gab es im Riesentorlauf zwei Saisonsiege für Rot-Weiß-Rot durch Marco Schwarz und Stefan Brennsteiner. Letzterer stand insgesamt drei Mal am Podest und wurde im RTL-Weltcup Gesamt-Vierter, Schwarz Fünfter.

Kein Wunder, dass man beim ÖSV so positiv wie schon lange nicht auf den Weltcup-Auftakt in Sölden blickt.

Scheib ist am Rettenbachferner die große Gejagte und auch bei den Männern stellt Rot-Weiß-Rot den Anspruch auf einen Spitzenplatz. Die Rennen im LIVE-Ticker >>>

"So schnell kann es gehen"

"So schnell kann es gehen", sagt ÖSV-Alpin-Chef Christian Mitter etwas süffisant in Hinblick auf die "Riesen"-Kritik der letzten Jahre.

Freilich – und das weiß auch Mitter – sind die Erfolge des vergangenen Winters kein Garant für diese Saison.  

"Jeder erwartet sich, dass das wieder so läuft, aber das ist kein Wunschkonzert. Die Julia fährt sehr gut – nicht schneller, aber konstanter. Wir müssen uns einfach überraschen lassen", sagt ÖSV-RTL-Gruppentrainer Martin Sprenger.

Ein Blick hinter die Spitze rückt zudem vieles wieder ins rechte Licht.

Scheib und dann lange nichts

Bei den Frauen kommt hinter Kugel-Gewinnerin Scheib lange nichts: Zweitbeste Österreicherin im RTL-Weltcup war Stephanie Brunner auf Platz 17. Außerdem in den Top 30: Nina Astner (24.) und Katharina Liensberger (28.). Franziska Gritsch war 32.

Wir hatten letztes Jahr auch Rennen, wo nur die July abgeliefert hat. Man muss da schon aufpassen.

ÖSV-Frauen-Trainer Martin Sprenger

Astner und Liensberger sowie auch Lisa Hörhager sind am Samstag in Sölden verletztungsbedingt nicht am Start.

"Uns fehlt das Mittelfeld", moniert Coach Sprenger. "Und die ganz Jungen sind schon noch weit weg, für sie wird es auch von der Startnummer her schwierig."

Das ÖSV-Frauen-Team sei "nicht so stark, wie es ausschaut. Wir hatten letztes Jahr auch Rennen, wo nur die July abgeliefert hat. Man muss da schon aufpassen".

Die Umstrukturierung der Trainings-Gruppe, zu der nun auch Speed-Fahrerin Nina Ortlieb gehört, trägt laut Sprenger aber bereits Früchte.

"Im Training schauen alle mehr aufeinander und voneinander ab. Letztes Jahr haben sie nicht aufgepasst, was Julia macht, heuer passen sie auf und Julia wird gefordert", erklärt der Riesentorlauf-Trainer.

Scheib bescheinigt der Truppe einen "sehr guten Teamspirit. Da sind wir, glaube ich, eine Vorzeigegruppe. Ich kann auch von der einen oder anderen was lernen. Es ist auch in meinem Sinne, dass andere weiter vorkommen".

ÖSV-Aufgebot Sölden

Frauen

Männer

Stephanie Brunner

Stefan Brennsteiner

Natalie Falch

Lukas Feurstein

Franziska Gritsch

Patrick Feurstein

Ricarda Haaser

Raphael Haaser

Victoria Olivier

Marco Schwarz

Leonie Raich

Joshua Sturm

Elena Riederer

Noel Zwischenbrugger

Valentina Rings-Wanner

Jakob Eisner

Julia Scheib

Kompakte Männer-Mannschaft

Auch bei den Männern klaffte hinter Brennsteiner und Schwarz im vergangenen Winter eine Lücke. Weltmeister Haaser, der übrigens noch immer auf seinen ersten Weltcup-Sieg im Riesentorlauf wartet, war in der Disziplinenwertung als drittbester ÖSV-Athlet 18. Joshua Sturm (23.) sowie Patrick Feurstein (24.) schienen ebenfalls in den Top 30 auf, Lukas Feurstein war 31.

Mitter ordnet die ÖSV-Männer dennoch als "recht kompakte Mannschaft" ein. Zu der in Sölden auch Debütant Jakob Eisner stößt.

Wir haben vorne eine breite Dichte, wissen aber sehr wohl, dass wir hinten nach eine Lücke haben.

ÖSV-Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer

"In den letzten zwei Jahren haben sie sich etabliert. Wir haben vorne eine breite Dichte, wissen aber sehr wohl, dass wir hinten nach eine Lücke haben. Die gilt es in den nächsten zwei Jahren zu schließen, weil der eine oder andere Leistungsträger doch schon in einem gewissen Alter ist", erklärt ÖSV-Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer.  

Marco Schwarz bescheinigt der aktuellen Mannschaft ein "sehr gutes Teamgefüge. Wir haben in der Vorbereitung super trainiert, ich glaube, da brauchen wir uns vor niemandem verstecken".

Auf gar keinen Fall verstecken, sondern noch mehr ins Rampenlicht fahren sollen mitunter Raphael Haaser, Joshua Sturm oder Stephanie Brunner. Ihnen allen trauen die ÖSV-Coaches im Riesentorlauf den nächsten Schritt, hin zur absoluten Weltspitze, zu.

Die Zeiten, in denen Österreichs Ski-Asse beim Weltcup-Auftakt in Sölden nur eine Nebenrolle spielten, sind also (vorerst) vorbei....

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