5 Kugeln - 5 Magic Moments

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Marcel Hirscher: 5 Kugeln - 5 Magic Moments

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Marcel Hirscher hat Geschichte geschrieben.

Als erster Läufer der Welt gewinnt er heuer den Gesamtweltcup zum fünften Mal in Folge. Auch insgesamt zieht der Annaberger mit seiner fünften großen Kugel mit Marc Girardelli gleich, der als bislang einziger Athlet fünf "depperte Glasbecher" in der Vitrine stehen hatte.

Aus diesem historischen Anlass blickt LAOLA1 schon vor dem Weltcupfinale auf die Saison des 27-Jährigen zurück und streicht fünf "Magic Moments" hervor.

Bereits zu Beginn der Saison sorgte Hirscher für das erste Ausrufezeichen. Im Super-G von Beaver Creek carvte der Salzburger zu seinem ersten Speed-Sieg. "Das ist irgendwie komplett crazy. Ein Sieg im Super-G wäre in frühestens fünf Jahren eingeplant gewesen", scherzte er nach dem überraschenden Erfolg. Unmittelbar nach dem Premieren-Sieg wirkte er fast ungläubig: "Das hat eine irrsinnige Bedeutung für mich." Zwar profitierte Hirscher von einer guten Startnummer, etwas schlechterer Sicht während der Top-Gruppe und der Riesentorlauf-ähnlichen Kurssetzung, doch packte er die Chance beim Schopf. Besonders verblüffend, dass das ÖSV-Aushängeschild zuvor erst drei Tage Super-G trainiert hatte. "Das hätte sich keiner gedacht, ich am wenigsten", war selbst sein Trainer Mike Pircher sprachlos.

Im Dezember erreichte Hirscher seine Höchstform. Nach dem Super-G-Sieg in Beaver Creek setzte er auf der "Birds of Prey" im Riesentorlauf nach, im Riesenslalom von Val d'Isere stand er schließlich zum dritten Mal in Folge auf dem obersten Treppchen. Der Erfolg in Frankreich war aus zwei Gründen speziell: Zum einen setzte sich der Annaberger mit großem Vorsprung (1,29 Sekunden auf Felix Neureuther/GER) durch, zum anderen feierte er seinen 16. Sieg im Riesentorlauf. Damit zog er in der ewigen RTL-Rangliste am großen Alberto Tomba vorbei und ist seither die Nummer drei hinter Ingemar Stenmark (46) und Ted Ligety (24). Überhaupt war Hirschers Form im Dezember bis Mitte Jänner überragend. Mit Ausnahme des fragwürdigen Parallel-RTLs in Alta Badia landete er in acht Rennen in Folge immer unter den ersten Zwei. Fünf Siege und drei zweite Plätze eroberte der vierfache Weltmeister binnen 36 Tagen und legte damit bereits den Grundstein für den fünften Gesamtweltcupsieg in Serie.

Beim City-Event in Stockholm feierte Hirscher seinen 37. Weltcupsieg. Mit dem Erfolg baute er den Vorsprung auf Henrik Kristoffersen wieder auf 173 Punkte aus - ab da gab es eigentlich keinen Zweifel mehr, dass die große Kugel erneut nach Salzburg wandert. Nicht nur beendete er mit dem Erfolg seine eineinhalb Monate andauernde "Durststrecke" ohne Sieg (8 Rennen), sondern zog in der ewigen Bestenliste auch an Benjamin Raich vorbei. 36 Siege feierte der Tiroler in seiner langen und erfolgreichen Karriere, Hirscher zog bereits im Alter von 26 Jahren an ihm vorbei. "Es ist schön, wieder von ganz oben zu lachen nach einer Zeit, wo man schon zum Nachdenken anfängt. Ich bin sicherlich verwöhnt, was Erfolge betrifft. Da war das eine wichtige Lernphase", gab Hischer nach dem Rennen zu, dass ihm ein Stein vom Herzen fiel. Seit dem Sieg in Stockholm liegen in der ewigen Rangliste nur noch Ingemar Stenmark (86 Siege), Hermann Maier (54), Alberto Tomba (50), Marc Girardelli (46) und Pirmin Zurbriggen (40) vor dem Österreicher. So gesehen ist Hirscher also schon jetzt der zweiterfolgreichste österreichische Skifahrer der Geschichte.

Mit de Sieg beim zweiten Riesentorlauf in Kranjska Gora baute Hirscher seinen Vorsprung im Gesamtweltcup auf Verfolger Henrik Kristoffersen auf über 300 Punkte aus. Da der Norweger bestätigte, keine Speed-Auftritte zu absolvieren und nur noch drei Rennen zu bestreiten, war der Drops gelutscht und der 27-Jährige zum fünften Mal in Folge Gesamtweltcupsieger. "Ich möchte mich privat bei Laura (Freundin, Anm.) und meiner Familie bedanken. Die müssen mich aushalten, mehr als alle anderen, die mit mir zusammenarbeiten. Das ist nicht immer einfach", dachte er im Moment des Triumphs an seine engsten Vertrauten. Zwar wusste er, dass er die große Kugel sicher gewinnen wird, große Party habe es aber keine gegeben: "Fix ist es für mich, wenn ich den Pokal in Händen halten kann." Doch Hirscher weiß, wie besonders seine Leistungen sind: "Das ist ein Rekord, wenn er dann wirklich Tatsache ist, viel Spaß beim Aufholen! Oder beim Einstellen."

Nach dem totalen Triumph im Riesentorlauf, bei dem er auch die kleine Kristallkugel für den RTL-Weltcup fixieren konnte, legte Hirscher einen Tag später einen Traum-Slalom hin. Befreit, angriffslustig und aggressiv - so sah man Hirscher nur selten. Er spielte sich mit den Stangen und den Gegnern, setzte sich um 0,81 Sekunden vor Henrik Kristoffersen durch. "Es hat viel Spaß gemacht. Mit Druck auf den Schultern ist es nicht leicht. Manchmal ist es - frustrierend ist ein zu hartes Wort - eine große Herausforderung, mit dem Hintergedanken zu fahren, das könnten 80, 60 Punkte werden. Es geht immer um gesamt, gesamt, gesamt ... das ist manchmal ein bisschen verrückt. Heute war ein wirklich großartiger Tag für mich als Rennläufer", wirkte der passionierte BMX-Fahrer nach seinem achten Saisonsieg locker wie selten zuvor. Doch Hirscher tut es nicht leid, dass das der Preis für den Gesamtweltcup ist. "Selber schuld, wenn du ihn gewinnen willst. Niemand zwingt mich dazu, dass ich das so mache. Ich könnte auch jedes Rennen so fahren wie heute, aber dann gewinnst du halt niemals den Gesamtweltcup, weil dann hast du irgendwann Streichresultate, die dir dann einfach fehlen. Es ist eine nette Abwechslung einmal, aber ich mag auch die andere Herausforderung, sonst würde ich sie nicht machen." Mit den 100 Punkten hält er nun bei 1625 Zählern im Gesamtweltcup - so viele sammelte er noch nie zuvor in einer Saison. Und noch bleiben ihm drei Rennen, um seine persönliche Bestmarke in die Höhe zu schrauben.

 

Matthias Nemetz

Marcel Hirscher macht in Kranjska Gora den Sack zu! Wir haben die emotionalen Bildern:

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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