Der, der dem Lawinentod entkam

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Der, der einst dem Lawinentod entkam

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Marcel Hirscher gehört mit seinem 40. Weltcupsieg nun den Top-Fünf der ewigen Bestenliste an, Michael Matt wandelt mit Platz zwei in Levi endgültig auf den Spuren seines älteren Bruders und Olympiasiegers Mario.

Dass Matt am Sonntag seinen ersten Weltcup-Podestplatz einfahren konnte, ist bemerkenswert. Der 23-Jährige ist einst nur knapp dem Lawinentod entronnen.

Michael Matt ist der jüngste der drei Matt-Brüder vom Arlberg. Mario ist Doppelweltmeister und Olympiasieger 2014 sowie mittlerweile als Pferde-Züchter erfolgreich. Am Tag des ersten Podiums seines um 14 Jahre jüngeren Bruders weilte er deshalb auch in Brasilien. Andreas Matt wurde Weltmeister im Ski Cross und ist vergangenen September ebenfalls zurückgetreten, er hat eine Hochlandrinderzucht.

Rentier heißt "Leo"

Um 1,3 Sekunden verpasste der "kleine" Matt seinen ersten Weltcupsieg. "Sonst hätte ich mit einer Rentierzucht beginnen können", scherzte er in Anspielung an die Leidenschaft seiner Brüder für Vierbeiner und der Tatsache, dass die Levi-Sieger die Patenschaften für ein Rentier übernehmen. Dieses ging am Sonntag aber erneut an Hirscher, der nun neben "Ferdl" über ein weiteres Tier aus Lappland verfügt. Es wird "Leo" genannt.

Dass der Salzburger trotz seiner Mittelohrentzündung starten und siegen konnte, gleicht einem kleinen Wunder. "Ich hatte brutalste Ohrenschmerzen, am Samstag hätte ich nicht fahren können", erzählte Hirscher. Geholfen habe auch eine Wärmeflasche, geschlafen habe er "wie ein Stein".

Was Hirscher freute war, dass mit Marco Schwarz und Michael Matt auch seine Favoritentipps aufgegangen waren. "Es freut mich, dass die beiden so eingeschlagen haben."

Bewusstlos aus Lawine geborgen

Dass vor allem Matt so glänzen konnte, ist bemerkenswert. Denn der jüngste Matt-Spross war als Bub beim Skifahren unter eine Lawine gekommen und erst nach einer Viertelstunde bewusstlos geborgen worden.

Er habe versucht, so lange wie möglich oben auf der Lawine zu bleiben, erzählte Matt. So schnell gefunden habe man ihn nur, weil ein Skischuh herausgeschaut habe. Erst während der Helikopterbergung hatte er damals wieder das Bewusstsein erlangt. "Ich habe danach lange gebraucht, bis ich das Ganze wirklich verarbeitet habe", sagte Matt in Finnland. "Man muss am Ende einfach Gras darüber wachsen lassen, Zeit heilt alle Wunden."

Nicht so viel Glück hatte vergangenen Sommer die Ehefrau von Mattias Hargin. Die Freeskierin Matilda Rapaport kam bei Werbedrehs in Chile ebenfalls unter eine Lawine und erlag nach einigen Tagen im Koma ihren schweren Verletzungen. Kitzbühel-Sieger Hargin wurde im ersten Rennen nach diesem "Alptraum" dennoch bemerkenswerter Sechster.

Und zwar gleichauf mit dem Briten David "Dave" Ryding. Der bald 30-jährige aus Lancashire war nach Lauf eins sogar Vierter gewesen. Gelernt hatte Ryding das Skifahren als Sechsjähriger auf einer Plastikpiste.

Der in Hinterstoder trainierende und auch von Ex-Rennläufer Kilian Albrecht unterstützte Läufer ist Großbritanniens erster Europacupsieger. Ryding gilt als Anwärter auf den ersten britischen Weltcupsieg. Helmsponsor der Briten ist die Region Pyhrn-Priel.

Betroffen vom Schicksal

Unmittelbar vor diesen beiden landete mit Manuel Feller ein Läufer, der ebenfalls schon viel mitgemacht hat. Seit einem Bandscheibenvorfall im Dezember 2014 kämpft der Slalom-Juniorenweltmeister 2013 mit Rückenproblemen. Als Fünfter stellte er in Levi trotzdem nun persönliche Bestleistung auf. "Wahnsinn. Vor einem Monat war ich noch im Krankenhaus, und jetzt das. Ich bin sprachlos", sagte der Tiroler.

Auch Feller hat der Tod von Hargins Ehefrau geschockt. Er kommt aus der Freeski-Hochburg Fieberbrunn, wo Rapaport mehrmals am "Big Mountain" teilgenommen hatte. Zudem habe man sich aus dem vorjährigen Trainingslager in Neuseeland und einigen gemeinsamen Essen gekannt. "Es hat uns alles sehr betroffen gemacht und ich habe ihm mein Beileid ausgesprochen", sagte Feller. "Skifahren ist für Mattias sicher die beste Therapie."

Der 34-jährige Südtiroler Manfred Mölgg schließlich schaffte dank des Ausfalls von Marco Schwarz als Dritter seinen ersten Weltcup-Podestplatz seit Jänner 2014. "Fahr schnell oder nach Hause", hatte ihm seine ebenfalls rennfahrende Schwester Manuela davor nahe gelegt.

Textquelle: © APA Zum Seitenanfang »

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