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Das Trainer-Roulette des ÖSV

Roland Assinger ist der dritte Cheftrainer der ÖSV-Frauen innerhalb von fünf Saisonen. Die Gründe für die häufigen Trainer-Rochaden sind nicht immer sportliche.

Das Trainer-Roulette des ÖSV Foto: © getty

Wir schreiben das Frühjahr 2019, als Peter Schröcksnadel, damals noch Präsident des ÖSV, sagt: "Wir haben die besten Trainer der Welt geholt."

Schröcksnadel neigte zwar oft zu Übertreibungen, die Verpflichtung von Christian Mitter als Frauen-Cheftrainer und Patrick Riml als Alpinchef durften damals aber getrost als Coup bezeichnet werden. Mitter wurde nach vielen erfolgreichen Jahren von den Norwegern abgeworben, Riml aus seiner Ski-Heimat USA zurück zu Rot-Weiß-Rot gelotst.

Das wäre, als würden Jürgen Klopp und Jose Mourinho eine Mannschaft trainieren, untermauerte Schröcksnadel damals die Qualität des ÖSV-Betreuerstabs.

Drei Jahre später waren "Klopp und Mourinho" bereits wieder Geschichte. Mitter verließ den heimischen Skiverband und kehrte nach Norwegen zurück, wo er heute unter anderem für die Erfolge der Youngsters rund um Lucas Braathen mitverantwortlich ist. Auch Riml kehrte Österreich wieder den Rücken, er schlug das angebotene Amt des Frauen-Cheftrainers aus und feierte in den USA ein Comeback als Alpin-Direktor.

Beim ÖSV wurde Herbert Mandl im Frühjahr 2022 zum Alpinchef, in dieser Funktion stellte er das Trainerteam bei den Frauen völlig neu auf.

Auf den Umbruch folgt ein Umbruch

Mit Thomas Trinker wurde ein verdienter ÖSV-Mitarbeiter nach fast 20 Jahren im Verband zum Cheftrainer befördert. Alexander Hödlmoser (Gruppentrainer Speed) und Karlheinz Pichler (Gruppentrainer WC3) kehrten zum ÖSV zurück, zudem wurde mit dem Italiener Livio Magoni ein absoluter Startrainer – vor allem für Katharina Liensberger - engagiert.

Ein Jahr später ist von diesem Trainerteam nur mehr Pichler übrig, ging der nächste Umbruch bei Ski Austria – wie der ÖSV mittlerweile offiziell heißt – vonstatten. Das Trainer-Roulette drehte sich weiter. 

Trinker wurde von Roland Assinger als Cheftrainer der Frauen abgelöst. Speed-Chef Alexander Hödlmoser (und auch Florian Scheiber) verließ den Verband freiwillig, eher unfreiwillig musste Technik-Chef Georg Harzl nach der Katastrophen-Saison 2022/23 seinen Posten räumen.

Die neuen Gruppentrainer heißen Christoph Alster (WC Speed West) und David Fill (WC Speed Ost) sowie Klaus Mayrhofer (WC Tech).

Assinger ist der dritte Cheftrainer der Frauen innerhalb von fünf Saisonen. In der Vergangenheit war das eher ein Posten von längerer Dauer.

Mitters Vorgänger Jürgen Kriechbaum war sechs Jahre (2013-2019) im Amt, dessen Vorgänger war wiederum Herbert Mandl. Er coachte die ÖSV-Frauen ganze elf Jahre lang (2002-2013).

Übersicht der ÖSV-Frauen-Cheftrainer der vergangenen 35 Jahre:

Cheftrainer Amtszeit
Roland Assinger Ab 2023/24
Thomas Trinker 2022/23
Christian Mitter 2019/20 - 2021/22
Jürgen Kriechbaum 2013/14 - 2018/19
Herbert Mandl 2002/03 - 2012/13
Karl Frehsner 1998/99 - 2001/02
Raimund Berger 1994/95 - 1997/98
Herwig Demschar 1992/93 - 1993/94
Raimund Berger 1988/89 - 1991/92

Die Gründe für das Ausscheiden diverser (Gruppen-)Trainer in den vergangenen Jahren sind vielschichtig, nicht immer waren es sportliche. Der eine oder andere ließ nach dem Abschied durchklingen, dass die Strukturen im Verband und das System Ski Austria nicht immer der beste Boden für erfolgreiche Arbeit waren.

So sagte Christian Mitter nach seinem freiwilligen Aus 2022 gegenüber der "Kleinen Zeitung" etwa: "Vor allem wird es in Österreich oft sehr kompliziert gesehen, sehr umständlich. Man kann schon Sachen einfacher sehen und sich da wirklich auf den Sport konzentrieren und nicht auf andere Sachen. Ich glaube, das ist oft in anderen Verbänden leichter."

"Ungeschickt auseinandergelebt"

Auf die häufigen Trainer-Rochaden angesprochen erklärt ÖSV-Alpinchef Mandl gegenüber LAOLA1:

"Wir wollten letztes Jahr natürlich etwas langfristiges aufbauen und haben dafür erfahrene Trainer geholt. Alex Hödlmoser zum Beispiel ist 25 Jahre im Ski-Geschäft und hat mit echten Größen gearbeitet, aber wenn es persönlich nicht passt, ist einfach Handlungsbedarf."

Die vielzitierte Chemie zwischen Trainern und Athletinnen hat im vergangenen Winter an einigen Punkten nicht gestimmt. Unter anderem bei Chefcoach Thomas Trinker, obwohl dieser zuvor schon fast 20 Jahre lang im Verband tätig war und bereits mit der einen oder anderen Läuferin zusammengearbeitet hat. 

"Das ganze Milieu hat einfach nicht zusammengepasst. Tom hat sich mit den Damen ein bisschen ungeschickt auseinandergelebt", erklärt Mandl. "Er hat anfänglich gleich zu harte Töne eingeschlagen in Interviews, da waren die Damen schnell mal ein bisschen beleidigt und die Stimmung war nicht so optimal." Nicht so optimal waren in der Folge dann auch die sportlichen Leistungen im Technik-Bereich. 

Am meisten überrascht hat den ÖSV-Alpinchef allerdings, "dass Alex Hödlmoser im Speed-Bereich auch nicht den Anklang gefunden hat. In so einem Fall kannst du nicht alles gleich lassen und einfach weiter tun, wenn's nicht passt."

Deshalb der neuerliche Umbruch auf der Frauen-Seite (bei den Männern bleiben Chef- und Gruppentrainer unverändert), mit der Hoffnung, dass die Chemie diesmal stimmt. 

Ein echtes "G'riss" scheint es um die vakanten Trainerposten im ÖSV nicht gegeben zu haben. "Es ist gar nicht mehr so einfach, aus dem österreichischen Pool Leute zu finden", sagt Mandl. Ziel des Verbandes sei es aber ohnehin immer, eigene Leute in höhere Positionen zu entwickeln.  

Mandls Wunsch ging in Erfüllung

Auch Roland Assinger ist ein bekanntes Gesicht bei Ski Austria. Der Kärntner war von 2008 bis 2020 in unterschiedlichen Positionen als Trainer beim Verband tätig, zuletzt als Speed-Gruppentrainer. Nach einem Zwist rund um eine Vertragsverlängerung mit der Ex-ÖSV-Führung um Schröcksnadel verabschiedete sich Assinger in die Schweiz, wo der 49-Jährige die vergangenen drei Jahre im Sportgymnasium Davos als Skitrainer im Nachwuchsbereich arbeitete.

"Roland ist ein Top-Trainer. Er ist damals unglücklich aus dem ÖSV ausgeschieden, wegen gewissen Differenzen abseits des Sports. Es war schon immer ein Wunsch, ihn wieder nach Österreich zu bringen, jetzt hat es gepasst. Ich denke, er ist ein sehr engagierter und ambitionierter Mann. Auf den kann man langfristig in Österreich nicht verzichten", sagt Mandl.

Auch einer der beiden neuen Speed-Gruppentrainer stammt aus den eigenen Reihen. Der 43-jährige Vorarlberger Christoph Alster gehört schon seit einigen Jahren zum Betreuerteam rund um Conny Hütter, Nina Ortlieb und Co. Der Südtiroler David Fill, der künftig die Gruppe "WC Speed O" leitet, hat in der Vergangenheit für den italienischen Verband und dort unter anderem mit Speed-Queen Sofia Goggia gearbeitet.

Der 50-jährige Niederösterreicher Klaus Mayrhofer folgt dem glücklosen Technik-Chef Georg Harzl nach. Mayrhofer betreute in der Vergangenheit etwa die Tschechin Sarka Zahrobska und auch die Schweizerin Wendy Holdener, in seiner Zeit beim ÖSV war er unter anderem bereits für die Riesentorlauf-Frauen zuständig.

"Wir sind in Summe sehr gut aufgestellt und bereit, in die Vorbereitung und in den nächsten Weltcup-Winter zu starten", sagt Mandl optimistisch.

Ähnlich klang es auch im Vorjahr um diese Zeit noch...

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