Karl: Überraschung verhindert heikle Situation

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Benjamin Karl ist wieder da. Doch war er je wirklich weg?

Fakt ist, dass sich der Niederösterreicher rechtzeitig vor den Olympischen Spielen von seiner Verletzung erholt hat. Im Dezember zog sich der 32-Jährige bei einem Trainings-Sturz einen Bruch des Sprungbeins sowie den Riss zweier Bänder im rechten Sprunggelenk zu.

"Mir geht es sehr gut", sagt Karl gegenüber LAOLA1. Der vielfache Weltmeister ist schmerzfrei, konnte nur acht Wochen nach seinem Sturz den Weltcup-Parallelriesenslalom im slowenischen Rogla gewinnen. Nicht zuletzt dank seiner starken Leistungen nach dem Comeback sprang Karl auf den Olympia-Zug auf.

"Ich hätte, glaube ich, einen kleinen Bonus gehabt, wegen meiner Vergangenheit. Im Grunde wollte ich es so regeln, wie es jetzt passiert ist, durch Leistung", sagt Karl über seine Nominierung zu den Olympischen Spielen.

"Es ist immer teamintern blöd, wenn einer halbwegs gut ist und dann nicht zu Olympia mitfahren darf, wegen mir, weil sie in mich mehr Vertrauen setzen als in einen anderen Fahrer. Das wäre sicher eine heikle Situation teamintern gewesen. Jetzt bin ich froh, dass alles den normalen Weg gegangen ist."

Karl von sich selbst überrascht

Karl war von seinem erfolgreichen Comeback "schon überrascht", vor allem da ihm die Vergleichswerte zu den anderen Sportlern fehlten: "Man weiß nicht, wie man dasteht im Vergleich zu den Konkurrenten. Die anderen trainieren alle vier, fünf Tage in der Woche und man selbst sitzt daheim und schaut, dass man wieder gesund wird."

"Dass einem das nicht wirklich abgeht, das wundert mich jedes Mal aufs Neue. Da stellt sich schon die Frage, ob wir nicht zu viel trainieren."

Karl: "Mehr Leute glauben an Gott als an sich selbst"

Auch bei der Regeneration ist Karl eigene Wege gegangen. Welche Schritte er und sein Team gesetzt haben, scheint nicht einfach zu erörtern zu sein. "Das kann ich so schnell nicht erklären, dafür braucht man einen eigenen Kurs", gibt sich Karl kryptisch.

"Es haben sehr viele Sachen zusammengespielt. Wir haben viel gemacht, wo andere Leute sagen würden, dass es nichts bringt. Alles in Allem hat das Gesamtpaket gestimmt."

Für Karl ist auch der Glaube an seine eigene Person ein wichtiger Faktor bei der Genesung: "Ich glaube, es glauben viel mehr Leute an Gott als an sich selbst. Ich glaube die Selbstheilungskraft des Körpers ist schon immens, wenn man dran arbeitet."

Gold fehlt in Medaillensammlung

Für Karl stehen die dritten Olympischen Spiele vor der Türe. 2010 holte er in Vancouver die Silbermedaille im Parallelriesenslalom. Vier Jahre später ließ er in Sotschi Bronze im Parallelslalom folgen.

Dass Karl in Pyeongchang den Medaillensatz komplettiert, hält er selbst für "möglich", lässt im Nachsatz ein "bin zuversichtlich" heraus.

Dementsprechend liegen Karls Ziele hoch, sein Motto für die Spiele lautet "Go for Gold". Mit einer Medaille wäre er zufrieden, mit der Goldenen "super happy".



Das Snowboard-Team ist in Südkorea heißer Medaillen-Kandidat. "Es ist bei Olympia nichts obligatorisch, aber im Normalfall müssten wir ein paar mit heim nehmen", sagt Karl zu den Chancen der österreichischen Snowboarder. Von den Fähigkeiten seiner Mannschaft ist der dreifache Gesamtweltcup-Sieger überzeugt: "Wir Snowboarder sind noch nie mit so einem starken Team angereist."

Persönlich motiviert sich Karl vor einem Wettkampf oft mit Musik und greift dabei auf einen Klassiker zurück: "Das Lied, das mich am meisten motiviert vor Wettkämpfen ist 'Eye of the Tiger'." Der Grund ist schnell erklärt: "Es trägt alles in sich, was den Wettkampf ausmacht."

Darts-Diskussion beendet, aber...

Angriffslustig zeigte sich Karl in den letzten Monaten auch beim Thema Darts. Zu seinen Kommentaren, unter anderem in einem LAOLA1-Interview, steht der mehrfache österreichische Staatsmeister weiterhin: "Bin immer noch der gleichen Meinung."

"Es ist genug darüber geredet worden. Ich bin froh, dass ich wieder mit Leistung aufzeigen konnte", zeigt sich Karl erfreut, dass der Blick wieder auf das Sportliche gerichtet wird.

Auch einen Seitenhieb für seine Kritiker hat Karl parat: "Mir wurde öfters vorgeworfen, dass ich nicht erfolgreich sei. Das sieht man wieder, wie wenig sich andere Leute mit anderen Sportarten beschäftigen."

Obwohl Karl die Darts-Diskussion für beendet sieht, legt er eine Spitze nach: "Wenn Taylor selber sagt, 'Darts ist ein Wirtshaussport und wir brauchen nur oft genug ins Beisl gehen, damit wir Weltmeister werden', das sind seine Worte, ich glaube, dann brauche ich nicht mehr dazu sagen."

Karl: "Das ist mir am Herzen gelegen"

Die erhöhte Aufmerksamkeit durch seine Kontroversen war laut Karl "ehrlich gesagt, nicht beabsichtigt."

"Die Darts-Diskussion ist mir einfach am Herzen gelegen. Ich habe sicher ein paar Freunde verloren, aber Freunde waren das dann eh nicht", sagt Karl über die Reaktionen auf seine Aussagen.

Der 32-Jährige wird auch in Zukunft sein Herz auf der Zunge tragen. "Ich bin immer einer gewesen, der gerne polarisiert oder gerne seine Meinung sagt und keine Angst davor hat."

Um Außendarstellung geht es Karl nicht, viel wichtiger für ihn ist etwas ganz anderes. "Ich glaube es geht nicht darum, dass man nach außen hin cool ist, sondern ich glaube es geht darum, dass man nach innen hin zufrieden ist und sein Gleichgewicht hat. Das ist mir wichtig und das habe ich auch."


Textquelle: © LAOLA1.at

Benjamin Karl zeigt sich von Ledecka-Gold begeistert

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