Kramer: Nerven bei Amazon bestellt

Kramer: Nerven bei Amazon bestellt Foto: © GEPA
 

Schöner hätte die Widergutmachung für den bitteren vierten Platz im Einzel von der Normalschanze für Marita Kramer nicht ausfallen können. Die 19-jährige Salzburgerin führte Österreichs Skispringerinnen im Teambewerb von der Normalschanze zur Goldmedaille.

Kramer, die am Donnerstag nach dem vierten Rang noch Tränen vergossen hatte, war die überragende Springerin, sie katapultierte das ÖSV-Team mit Daniela Iraschko-Stolz, Sophie Sorschag und Chiara Hölzl auf den ersten Platz.

Als Schlussspringerin sorgte die 19-jährige Salzburgerin mit 102,5 m für die Bestweite im ersten Durchgang und für den Vorstoß ihres Teams vom dritten Rang an die Spitze. Danach übernahmen wieder die Sloweninnen mit Weltmeisterin Ema Klinec, Weltcup-Spitzenreiterin Nika Kriznar, Urska Bogataj und Spela Rogelj trotz Steigerungen der weiteren Österreicherinnen im Finale die Führung.

Doch Kramer machte in der für sie so wechselvollen Saison - auf drei Saisonsiege folgte Disqualifikation sowie Startverbot wegen eines falsch positiven Coronatests - an diesem Tag den Unterschied aus. Die gebürtige Niederländerin aus Maria Alm steckte die Ereignisse des Vortags weg, als sie als Halbzeit-Führende nach einer unmittelbar vor ihr erfolgten Anlaufverkürzung Edelmetall auch durch einen nicht optimalen Sprung vergeben hatte und nur Vierte geworden war.

"Wie ein Rollercoaster"

"Unglaublich, mega. Das ist echt wie ein Rollercoaster, gestern so bitter, und heute wieder so cool, unglaublich. Ich habe mir gestern noch schnell Nerven bestellt - Dani ist im Amazon Bestell-Fieber, da habe ich gesagt, ich bestelle mir Nerven mit", scherzte Kramer nach der knappen Entscheidung.

Sie hatte im Finale 104 m vorgelegt, Klinec ließ nur 95,5 m folgen und dann standen die acht Springerinnen gespannt im Auslauf. Das Pendel schlug diesmal zugunsten der Österreicherinnen aus, nach Silber bei der Premiere dieses Bewerbs 2019 in Seefeld triumphierte die ÖSV-Mannschaft sensationell.

"Was da heute passiert, was jeder gezeigt hat, ist unglaublich. Ich habe mich auf das fokussiert, was ich zu machen habe, dass es so gut gelungen ist, das gibt mir schon sehr viel. Am Anfang der Saison habe ich mir eine Medaille bei der WM als Ziel gesetzt, das ist der Traum und das Ziel gewesen. Gestern war es knapp vorbei, das war so bitter, dass wir das jetzt so umsetzen, dass es so aufgeht, ist natürlich noch schöner", so Kramer.

Tränen bei Trainer Rodlauer

"Ich ziehe den Hut vor ihr und bin stolz, dass ich Trainer dieses Teams bin", sagte Trainer Harry Rodlauer mit Tränen in den Augen im ORF-Fernsehen über die ÖSV-Überfliegerinnen.

Mario Stecher, Sportlicher Leiter für Skispringen und Kombination im ÖSV, meinte: "Das war die perfekte Antwort, das kann man so sagen und so stehen lasen. Was die Mädels und das gesamte Trainerteam heute abgeliefert hat, das sucht Seinsgleichen. Wir haben gestern ein bisschen einen Dämpfer bekommen, umso höher ist die heutige Leistung einzuschätzen."

Die Leistung von Kramer sei sensationell gewesen, auch am gestrigen Tag. "Sie war definitiv die beste Springerin auf dieser Schanze, das hat man auch heute wieder gesehen. Und es ist wunderschön, wenn man diese Reaktion von den Mädels und von Sara sieht, wie sie sich aus dem kleinen Dämpfer herausgearbeitet haben, und dass sie gemeinsam mit dem Betreuerstab diese sensationelle Leistung bringen."

Iraschko-Stolz über Kramer: "Das ist wahre Größe"

Zwei Routiniers und zwei Debütantinnen ergaben an diesem Tag eine perfekte Mischung, sie setzten sich vor Slowenien und 17,2 Punkte vor Norwegen durch. Titelverteidiger Deutschland blieb nur Rang vier.

Iraschko-Stolz, Einzel-Weltmeisterin von 2011, wurde im Herbst ihrer Karriere nochmals mit Gold belohnt. Diese Medaille hat enormen Stellenwert für die 37-Jährige, die für den Aufschwung ihres Sports mitverantwortlich war. "Gold im Team, das hat für mich eine Mega-Bedeutung. Ich bin so stolz auf meine Mädels, wir werden das richtig feiern", jubelte die Wahl-Tirolerin, die 97 und 99,5 m erreicht hatte. Sie streute Kramer Rosen. "Was sie in den letzten Tagen gemacht hat, ist wahre Größe."

Die erst am Vorabend anstelle von Eva Pinkelnig nominierte Chiara Hölzl (89,5/96,5) sprach von "verrückten Tagen". Sie habe viel weinen müssen, sagte die Salzburgerin zu ihrer Nichtnominierung für den Einzelbewerb. Am Freitagabend kullerten nach der dritten Team-Medaille nach zweimal Silber 2019 Freudentränen bei der 23-Jährigen. Sie hat dennoch schon viel WM-Erfahrung, hatte sie doch ihr erstes Edelmetall als 15-Jährige im Mixed-Bewerb 2013 geholt. Am Vortag noch Ersatzfrau, nun Weltmeisterin: "Ich bin so dankbar, dass ich mit diesen drei springen durfte", meinte die Pongauerin.

Die 22-jährige Sophie Sorschag, die zweite WM-Debütantin, steigerte sich im Finale deutlich (88/93,5) und durfte sich nach der Disqualifikation am Vortag WM-Gold umhängen. "Ich kann es noch gar nicht glauben, ich bin sehr froh, dass ich den zweiten Sprung so gut runtergebracht habe", freute sich die Kärntnerin. "Das war echt spannend."

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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