Die NHL-Chancen von Marco Rossi & Co.

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Nach diasporahaften Jahren sind österreichische Nachwuchs-Cracks für die nordamerikanischen Junioren-Ligen wieder interessant geworden.

Gleich fünf rot-weiß-rote Cracks beginnen dieses Wochenende ihre Saison in Übersee.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller analysiert die aktuelle Situation von Österreichs größter Eishockey-Hoffnung Marco Rossi sowie von Thimo Nickl, Fabian Hochegger, David Maier und Devin Steffler:

MARCO ROSSI:

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(Ottawa 67’s, Ontario Hockey League, 2. Saison)

Michael Grabner und Andreas Nödl waren 2006 die letzten Österreicher im NHL-Draft – ein Satz, der die internationale Irrelevanz des einheimischen Nachwuchs-Eishockeys in wenigen Worten zusammenfasst.

Nach 14 Jahren wird sich das aber wieder ändern – mit Marco Rossi steht Österreichs größtes Talent spätestens seit der letzten Saison im Fokus. Er hinterließ schon als Underager bei den Ottawa 67's einen hervorragenden Eindruck, wurde damit für sämtliche Nachwuchs-Scouts zum Begriff.

Ohne einzelne Listen von Scouting-Agenturen oder Websites überzubewerten – der Vorarlberger wird zu Beginn der Saison meistens um den zehnten Platz herum aufgeführt. Ich habe im Sommer das Vergnügen gehabt, fast alle Top-Prospects für den anstehenden Draft live zu sehen. Die beiden Schweden Alexander Holtz oder Lucas Raymond, der finnische Center Anton Lundell sowie Deutschlands Super-Skater Tim Stützle zeigten sich in der CHL oder beim Red Bull Salute im besten Licht.

Der Hlinka-Gretzky-Cup wiederum gab mir die Möglichkeit, Russlands Goalie Yaroslav Askarov sowie die Kanadier Cole Perfetti, Quinton Byfield, Hendrix Lapierre oder Jamie Drysdale zu sehen. Alles potenzielle Weltklasse-Cracks, und dass Rossi immer in diesem Umfeld gelistet wird, zeigt, wie hoch angesehen er ist.

So schwärmt etwa das etablierte Scouting Magazin "Red Line Report" von seiner hohen Spielintelligenz und Übersicht, die sich vor allem im Powerplay in großen Spielmacher-Fähigkeiten und Tor-Gefahr ("Terrific finisher from the circles in") niederschlägt. Kurzurteil: "Supremely intelligent, traditional playmaking centre."

Sollte er gesund bleiben und in kein großes Leistungsloch fallen, wird Rossi wohl in der ersten Runde gezogen werden – die genaue Platzierung jetzt herausfiltern zu wollen, ergibt überhaupt keinen Sinn. Es wäre dies die vorläufige Krönung (Betonung auf "vorläufig") einer Einstellung, die mit einem für Österreicher einmaligem Karriere-Fokus aufwartet.

THIMO NICKL:

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(Drummondville Voltigeurs, Quebec Major Juniors Hockey League, 1. Saison)

Wie Rossi ist der Klagenfurter ein später 2001er und damit drafttechnisch dem Jahrgang 2002 gleichgesetzt. Nach drei Jahren im KAC-Farmteam übersiedelte er heuer nach Übersee – im Gegensatz zu Rossi findet seine Umgewöhnung an das nordamerikanische Eishockey also in seinem Draft-Jahr statt.

Wird er ein Thema für den Draft 2020 in Montreal? Zu dieser Stunde unmöglich vorherzusagen – theoretisch ist die ganze Bandbreite von einer vorzeitigen Heimkunft bis zu einem guten Platz im Draft möglich.

Ohne große Verletzungen traue ich dem gebürtigen Klagenfurter aber eine sehr gute Saison zu. Im letzten Jahr war er bei der U20-WM nach einer längeren Verletzung noch gehandicapt. Bei der U18-WM im April (zugegeben C-Niveau) war er aber der eindeutige Capo in der rot-weiß-roten Defensive.

Er wird in Drummondville sicher sehr gute Powerplay-Zeit bekommen, in der stets offensiv ausgerichteten QMJHL sollte er am Saisonende auch gute Scorerzahlen aufweisen. Körperlich hat er noch Aufholbedarf, muss einfach in seinen großen, aber noch schlanken Körper hineinwachsen. Er kann unter Druck den Puck gut behaupten, die Scheibe aus engen Bereichen tragen oder passen.

Red Line Report attestierte ihm eine gute Preseason in Drummondville und führt ihn als (vorläufigen) Geheimtipp. Ihre Kurzbeschreibung: "Mobiler Puckmover mit guten körperlichen Voraussetzungen und überdurchschnittlicher Beinarbeit. Nicht sehr physisch, aber verteidigt mit Beinen und Stock."

FABIAN HOCHEGGER:

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(Drummondville Voltigeurs, QMJHL, 1. Saison)

Ging im Doppelpack mit Nickl nach Übersee, auch er war im Farmteam festgenagelt – ob er beim KAC heuer in der ersten Mannschaft eine Chance bekommen hätte, ist fraglich.

Der Flügel war lange körperlich etwas schwach und dadurch auch verletzungsanfällig, was sich in der letzten Saison aber sehr zum Positiven änderte. Sowohl in der AlpsHL als auch bei den Nationalteams (U18 und U20) körperlich verbessert und irrsinnig dynamisch.

Kann Defender unter Druck setzen und Scheiben freisprengen. Kein Playmaker, aber mit einem ausgezeichneten One-Timer ausgestattet – im Powerplay vor allem vom "Top of the circle" sehr torgefährlich. Sein Schuss ist auch bei Rushes eine große Waffe.

Wie gesagt, letzte Saison sehr eindrucksvoll, ich traue ihm auch eine Saison mit guten Scorerzahlen in Drummondville zu. Im Gegensatz zu Nickl ist er ein "reiner 2001er", geht damit in sein zweites Draft-Jahr. Solche Spieler gelten bei den Scouts als ein klein wenig "angebumst", mit Top-Leistungen kann er sich aber natürlich präsentieren. Könnte theoretisch drei Saisonen (zwei und ein Overage-Jahr) in der kanadischen Junioren-Liga spielen.

DAVID MAIER:

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(Peterborough Petes, OHL, 2. Saison)

Auch in der Vorsaison bereits in der OHL tätig – das North Bay Battalion ließ aber im Sommer seine Rechte verfallen, sodass ihn die Petes in der Import Draft ziehen konnten.

Ein Defender mit guten Puck-Skills und Beinen, präsentierte sich im Senioren-Nationalteam bei der Vorbereitung auf Bratislava auch sehr gut.

Woran es bisher fehlte? Produziert einfach für einen Skilled D zu wenig und lässt in seinem Zweikampfverhalten mitunter Feuer vermissen. An guten Tagen im Powerplay torgefährlich, wenn er Richtung Hashmarks skatet oder bei Backdoor-Plays auftaucht.

Als reiner 2000er in seinem dritten Draft-Jahr, die Chancen auf einen NHL-Draft sind eher gering, so er nicht eine Bombensaison abliefert. Ich sehe seine Zukunft eher in der EBEL liegen.

DEVIN STEFFLER:

(Kelowna Rockets, Western Hockey League, 2. Saison)

Agiert völlig unter dem österreichischen Radar. War zuletzt bei der U18-WM in Kiew im April 2018 mit von der Partie. Übersiedelte anschließend nach Übersee. Im Gegensatz zum Rest unserer Junioren-Legionäre war er nicht Bestandteil des Import-Drafts – als amerikanisch-österreichischer Doppelstaatsbürger gilt er als Nordamerikaner.

Kam in der Vorsaison auf immerhin 64 Spiele für Kelowna in der WHL, die als die stärkste der drei Junioren-Ligen angesehen wird. Seine Scorerzahlen (kein Tor, sieben Assists) geben darüber Auskunft, dass er keine große Offensivwaffe ist, dazu kommt auch noch eine durchschnittliche Körpergröße.

Der Devin Steffler, den ich aus Spielen für die Okanagan Akademie in St. Pölten und aus Kiew kenne, ist ein verlässlicher Defender, der sein Spiel einfach anlegt, aber über gute Beine verfügt (besser als die seines älteren Bruders Kele, der im KAC-Farmteam spielt). Als 2000er sind seine Draft-Chancen eher theoretisch.

Sollte Steffler nach der nächsten Saison wieder nach Österreich zurückkehren, sehe ich ihn als durchaus brauchbaren Tiefenverteidiger für einige EBEL-Teams.

Auch Baumgartner und Payr haben Draft-Chancen

Nicht in Übersee tätig, aber noch mit geringen Draft-Chancen: Benjamin Baumgartner und Julian Payr (beide 2000 geboren).

Baumgartner hinterließ bei der WM in Bratislava bei einigen NHL-Teams einen durchaus guten Eindruck, aber nicht genug, um ihn zu draften. Legte bei Davos aber heuer einen sehr guten Start hin und ist bereits eine gefährliche offensive Waffe.

Defender Julian Payr übersiedelte im Sommer von Davos zu Ambri-Piotta, wo seine Eiszeit zuletzt anstieg und er auch im Powerplay zu Einsatz kam.

Textquelle: © LAOLA1.at

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