Vanek-Trade: Warum sich viele verspekulierten

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Thomas Vanek wurde wie erwartet getradet – mit den Florida Panthers aber nicht unbedingt zu einer erwarteten Destination. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller wirft einen Blick den Trade und die Konsequenzen für den Österreicher.

Trade Details:

Die Detroit Red Wings geben Thomas Vanek zu den Florida Panthers ab und erhalten dafür Defender Dylan McIlrath und einen Drittrundenpick im Draft 2017. Allerdings ist dieser ein „Conditional Pick“ – die Red Wings bekommen Arizonas getradeten Drittrunden-Pick, wenn sie sich für die Playoffs qualifizieren, ansonsten Floridas (späteren) Pick in dieser Runde.

Ein guter oder schlechter Gegenwert für die Red Wings?

Wie immer werden (vor allem von den Fans) die Preise für „Rental Players“ wie Vanek krass überschätzt. Mehrere Draftpicks, vor allem in der ersten Runde (selbst in einem so schwachen Draft wie heuer), sind nie wahrscheinlich. Red-Wings-GM Ken Holland dürfte keinen großen Markt für den Winger gehabt haben, die Zeit war auch schon vorgerückt und noch längeres Gambeln hätte ihm wohl nichts gebracht.

Ich kenne McIlrath noch aus seiner Zeit beim Rangers-Farmteam Hartford – kurz gesagt, er ist ein schlechter Eishockeyspieler. Unbeweglich, ohne Puckskills, nur für das Fighten gut. Die Rangers gaben ihrem ehemaligen Erstrundenpick (10th overall in 2010) mehrere Chancen in der NHL, die er nicht nutzen konnte, woraufhin sie ihn im letzten November nach Florida weitergaben. Auch dort hatte Coach Tom Rowe keine Verwendung für ihn und schob ihn ins Farmteam nach Springfield ab. Es würde mich nicht überraschen, wenn auch Detroit ihn nur als AHL-Spieler sieht und er bald Richtung Europa (für das er schon gar nicht geeignet wäre) tendieren würde. Angesichts der Tatsache, dass die Red Wings auch noch 50% des ausstehenden Vanek-Gehalts übernehmen, ist der Gegenwert also sehr gering. Allerdings: Der 33-Jährige hat in der NHL nicht unbedingt den Ruf eines Playoff-Performers...

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(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

Warum haben die Red Wings Vanek überhaupt abgegeben? Er hat doch gut für sie gespielt?

Darum geht es ja nicht: Nach 25 Jahren in den Playoffs sind diese heuer für sie nicht mehr erreichbar und eine Verjüngung des Kaders steht ohnehin schon an. Daher gaben sie in den letzten Tagen auch Raubein Steve Ott (Montreal), Tomas Jurco (Chicago) und Defender Brendan Smith (Rangers) ab. Vanek ist in einem solchen Fall ein typischer „Rental Player“ – er kann einem Playoff-Team noch helfen, sein Vertrag läuft im Sommer ab und ist daher keine große finanzielle Belastung für das aufnehmende Team. Der Cap Hit für die Panthers von Vaneks urspünglichem Vertrag über 2,6 Mio. Dollar beträgt etwa 280.000 Dollar für den Rest der Saison. Die Panthers sind aber wie seit jeher weit von der Capobergrenze entfernt, mit knapp 64 Mio. Dollar lassen sie nur die Carolina Hurricanes hinter sich.

Das Kapitel „Red Wings“ ist für Vanek damit abgeschlossen?

Nur vorläufig: Vanek ist im Sommer wieder ein Free Agent, der Trade beeinflusst diesen Status nicht. Es spricht theoretisch nichts dagegen, dass er am 1. Juli nach Detroit zurückkehrt, bis dahin dürfen ihm nur die Panthers einen neuen Vertrag anbieten. Vanek bzw. sein Agent kann einige Tage vor diesem Datum mit anderen Teams Gespräche führen. Das ist völlig unabhängig davon, ob die Panthers die Playoffs erreichen bzw. wann sie in diesen ausscheiden. Bei einer Rückkehr des Österreichers hätten die Red Wings den Gegenwert des Trades also für nur einige wenige Wochen ohne ihn im Line-up erhalten.

Was erwartet Vanek in Florida?

Ein Team im Aufwärtstrend – der Start in die Saison gelang den Panthers aber gar nicht, Coach Gerald Gallant musste daraufhin seinen Hut nehmen. Die Art seines Abgangs – er wurde nach einem verlorenen Spiel in Carolina gefeuert und musste sich vor der Halle ein Taxi suchen – war ein PR-Desaster für GM Tom Rowe, der in seiner ersten NHL-Saison dann auch gleich das Traineramt übernahm.

Auch unter Rowe sah es zunächst nicht besser aus, aber in den letzten Wochen gelang der Turnaround zu einem Playoff-Anwärter. Die Panthers liegen derzeit einen Punkt außerhalb der Playoff-Ränge in der Eastern Conference.

Hauptgrund für den Aufschwung in den letzten Wochen: Nick Bjugstad versäumte mit einer gebrochenen Hand die ersten 19 Spiele und kehrte nun zurück. Jonathan Huberdeau stieg nach einer Achillessehnenverletzung Anfang Februar in die Saison ein, auch der Finne Aleksander Barkov kam zu dieser Zeit nach einer Rückenverletzung zurück. Alles wichtige Waffen in einer seit jeher nicht gerade offensivstarken Mannschaft, die Gallant gar nicht oder nur teilweise zur Verfügung standen. Der Druck auf Rowe ist zuletzt kleiner geworden, trotzdem hasst ihn weiterhin ein großer Teil der Fangemeinde: Er setzt nämlich zu einem großen Teil auf „Advanced Stats“ und nicht auf das althergebrachte Scouting. Darauf legt Eigentümer Vincent Viola großen Wert, der auch einige seiner Mitarbeiter ohne jeglichen Eishockeybackground in die Organisation mitbrachte, dafür den populären GM Dale Tallon scheibchenweise demontierte. Apropos Viola: Der Armeeveteran machte vor kurzem Schlagzeilen, als er Donald Trumps Angebot zum Heeresminister ablehnte.

Bei allen unkonventionellen Methoden: Die Panthers sind durchaus eine Organisation, die nach oben trendet und der Vanek-Trade zeigt, dass sie ihre Youngsters schon als playoff-fähig einstufen.

Wer könnten die Linemates von Thomas Vanek werden?

Die Toplinie mit Huberdeau, Barkov und dem Dinosaurier Jaromir Jagr sollte unverändert bleiben. In der zweiten Linie könnten die defensiv soliden Vincent Trocheck und Reilly Smith Vaneks altbekannte Schwächen im eigenen Drittel auffangen. Jussi Jokinen, der derzeit noch als LW in dieser Linie agiert, wäre aufgrund seiner Geschwindigkeitsdefizite wohl ebenso wie Jagr kein idealer Nebenspieler für Vanek. Ebenfalls möglich als Linemates: Center Nick Bjugstad (mit Linebackerfigur), Puck Wizard Jonathan Marchessault oder der kleine Schweizer Denis Malgin.

Akademische Frage: Was wäre, wenn Vanek nicht nach Florida gehen würde?

Natürlich nur theoretisch, aber solche Fälle gab es in der Vergangenheit schon: Spieler weigerten sich (vor allem aus familiären Gründen), zu ihrem neuen Team zu übersiedeln. In einem solchen Fall würde NHL-Commissioner Gary Bettman einschreiten, entweder den Wechsel rückgängig machen oder eine sonstige Kompensation für Florida festlegen. Der Spieler wäre jedenfalls ab sofort ohne Gehalt suspendiert.

Wie bereits gesagt, alles nur eine Spielerei. Thomas Vanek wird auch bei seinem sechsten NHL-Team versuchen, seine feinen Hände und seine Präsenz ums Tor herum einzubringen. Aber ein Verbleib in Sunrise über den Sommer hinaus wäre eine Sensation.

Im Überblick: Alle Österreicher, die jemals in der NHL gespielt haben

Reinhard Divis - Torhüter

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Der Goalie absolvierte von 2001 bis 2006 28 Spiele in der NHL und kassierte 3,32 Gegentore pro Spiel.

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Christoph Brandner - Flügelstürmer

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2003/04 durfte er bei den Minnesota Wild 35 Mal ran, dabei erzielte er vier Tore und fünf Assists.

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Thomas Pöck - Verteidiger

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Von 2003 bis 2009 absolvierte er für die New York Rangers und die New York Islanders 118 NHL-Spiele - acht Tore und neun Assists sind die Ausbeute.

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Thomas Vanek - Flügelstürmer

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Seit 2005 ist er in der NHL aktiv. Für die Buffalo Sabres, NY Islanders, Montreal Canadiens, Minnesota Wild, Vancouver Canucks und Columbus Blue Jackets verbuchte er in 1.034 Spielen 789 Scorerpunkte (378 Tore, 411 Assists).

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Andreas Nödl - Flügelstürmer

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Für die Philadelphia Flyers und die Carolina Hurricanes brachte er es zwischen 2008 und 2013 auf 183 Spiele, 15 Tore und 21 Assists.

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Michael Grabner - Flügelstürmer

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Seit 2009 ist der Kärntner in der NHL. 584 Spiele hat er für die Vancouver Canucks, NY Islanders, Toronto Maple Leafs, NY Rangers und NJ Devis absolviert und dabei 164 Tore sowie 97 Assists verbucht.

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Michael Raffl - Flügelstürmer/Center

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Seit 2013 sammelte er 364 Einsätze für die Philadelphia Flyers. Seine Bilanz: 65 Treffer, 52 Vorlagen.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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