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Detroit: Das bedeuten die Free-Agency-Aktivitäten für Kasper

Die Red Wings haben am Markt kräftig zugeschlagen. Wer die neuen Spieler sind und welche Auswirkungen das Treiben auf Marco Kasper hat.

Detroit: Das bedeuten die Free-Agency-Aktivitäten für Kasper Foto: © getty

Bei den Detroit Red Wings ging es in der Free Agency rund - die Zeit des langsamen Aufbaus scheint zu Ende zu gehen.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller mit einem Blick auf die Aktivitäten von GM Steve Yzerman und was sie für Marco Kasper bedeuten:

Trades und Signings vor und zum Free-Agency-Start

Yzerman wurde schon vor der Free Agency aktiv: Von den Edmonton Oilers bekam er Flügel Kailer Yamamoto und Flügel/Center Klim Kostin, der damals aber noch ohne Anschlussvertrag dastand.

Den sollte er dann allerdings umgehend bekommen (zwei Jahre zu gesamt vier Millionen Dollar), während der Vertrag von Yamamoto per Buyout aufgelöst wurde, was die Oilers selbst aus Cap-Gründen nicht wollten (Yamamoto landete schlussendlich in Seattle).

Am 1. Juli war aber nicht nur die Unterschrift von Kostin eine Schlagzeile wert: Gleich sieben neue Spieler wurden zu Red Wings, drei weitere folgten dann in den nächsten Tagen.

Im Detail:

Als eventuelle Backups für Ville Husso unterschrieben Routinier James Reimer (San Jose) und Alex Lyon (Florida) - einer der beiden könnte vor Saisonbeginn via Waivers wieder flöten gehen.

Von den Toronto Maple Leafs kam mit Justin Holl ein Defensivdefender, der vor allem ein dringend benötigter Rechtsschütze ist. Shayne Gostisbehere (Carolina Hurricanes) soll dem Powerplay helfen, bei einem 1-Jahres-Deal kann nicht viel verhackt sein. "Ghost" hat jedenfalls seine Karriere mit dem letztjährigen Gastspiel in Arizona wiederbelebt.

Die größten Umbauarbeiten standen aber in der Offensive an: J.T. Compher unterschrieb gleich einen 5-Jahres-Vertrag über knapp 25 Millionen, cashte so seine bisher punktemäßig beste Saison in Colorado ein. Wie groß sein Scoring Potential wirklich ist, bleibt abzuwarten, er gilt jedenfalls als defensiv solider Center.

Auf jeden Fall als (Goal-)scorer vorgemerkt ist Daniel Sprong - 21 Tore für Seattle in der Vorsaison, davor fallen vor allem seine häufigen Cy-Young-Scorerzahlen (mehr Tore als Assists) auf. Christian Fischer (Arizona) sollte ein Kandidat für die vierte Linie werden und mehr Tiefe geben.

Die übrigen neuen Free Agents, die Stürmer Tim Gettinger (Rangers), Nolan Stevens (Utica) und Defender Brogan Rafferty (Seattle), sind dagegen wohl eher für das Farmteam in Grand Rapids vorgesehen.

Das wäre schon genug der Änderungen gewesen, doch noch fehlte ein ausgewiesener Scorer. Den zog Yzerman am letzten Wochenende in einem Trade mit den Ottawa Senators an Land: Alex DeBrincat soll endlich der Gamebreaker in engen Spielen werden, 187 Tore in 450 NHL-Spielen sind schon eine Marke. DeBrincat - bis dahin noch ein RFA ohne Vertrag - unterschrieb bei den Red Wings für insgesamt vier Jahre um insgesamt 31,5 Millionen.

Wer ging?

Mit Alex Nedeljkovic und Magnus Hellberg die beiden bisherigen Backups, dazu die Defender Jordan Oesterle, der eben von Holl ersetzt werden soll, und Robert Hägg.

Im Tausch für DeBrincat gab Yzerman Dominik Kubalik zu den Senators ab. Der Tscheche war in der letzten Saison durchaus der erwartete Scorer aus der zweiten Reihe und hätte den Red Wings sicher weiter helfen können.  

Die Zeit von Filip Zadina, der seit seinem hohen Pick von 2018 (# 6) über Ansätze nie hinauskam, ging endgültig zu Ende. Überraschend, dass er den Vertrag von sich aus beendete und dadurch auf 4,5 Millionen Dollar verzichtete. Sein neuer 1-Jahres-Kontrakt mit den San Jose Sharks garantiert ihm nur 1,1 Millionen.

Der Schweizer Pius Suter ist noch ohne neuen Arbeitgeber, seine Zeit in Detroit ist aber abgelaufen.

Was bedeuten diese Moves für Yzerman und die Red Wings?

Sein Vertrag läuft nächsten Sommer aus: Moritz Seider
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Die Zeiten des langsamen Aufbaus sollten bald zu Ende gehen, eine weitere Saison ohne Playoffs könnte Yzerman in seinem fünften Vertragsjahr nur schwer verkaufen. Bei seiner Einkaufstour blieb er aber im finanziellen Rahmen, die Red Wings verfügen derzeit noch über knapp acht Millionen Cap Space.

Yzerman kann daher sehr wohl noch den einen oder anderen Trade ins Auge fassen oder sich als Hafen für schlechte Verträge anbieten, allerdings nur für kurzfristige Kontakte: Im Sommer 2024 enden die Entry-Level-Deals seiner Youngsters Moritz Seider und Lucas Raymond und da wird er finanziell in der Kiste rappeln.

Allerdings: Neben Gostisbehere laufen auch die Verträge von Sprong, Fischer und David Perron (35) im nächsten Sommer (wieder) aus.

Was bedeuten diese Umgruppierungen für Marco Kasper?

Überraschungen im Camp sind immer möglich - aber die Red Wings sind in der Offensive so tief besetzt wie schon seit Jahren nicht. 13 NHL-erfahrene Stürmer stehen parat, auch wenn Joe Veleno als RFA noch einen neuen Deal braucht. Er könnte sich wieder als Viertlinien-Center festsetzen, Kapitän Dylan Larkin ist als Top-Pivot vorgegeben.

Zwischen den beiden sind Compher und Andrew Copp als starke Zwei-Weg-Spieler die wahrscheinlichsten Varianten. Kostin und Michael Rasmussen können bei Bedarf auch nach innen rücken. Am Flügel ist Robby Fabbri von seiner Knieverletzung ebenso wiederhergestellt wie Rasmussen.

Eher unwahrscheinlich, dass von den Top-13-Stürmern ohne Verletzungen jemand nicht dabei ist. Die Red Wings sind ohnehin eine Organisation, die ihre Spieler gerne länger in der AHL marinieren lassen, das könnte dann für Kasper, Elmer Söderblom oder Carter Mazur gelten. Im Gegensatz zu Söderblom, Mazur oder einem Routinier wie Austin Czarnik ist Kaspers Vertrag der Einzige, der noch slide-fähig ist. Das heißt, dass sein Kontakt erst ab dem zehnten Spiel in Kraft treten würde, was heuer noch durchaus eine Rolle spielen könnte.

Sollte Kasper im Camp oder in der AHL überzeugen, wäre das keine unüberwindbare Klippe, ansonsten könnten bei Verletzungen andere Cracks den Vorzug bekommen. Aber Yzermans Einkaufstour haben die Chancen Kaspers auf eine schnelle Beförderung ins NHL-Team sicher nicht erhöht.

Eine langsame und kontinuierliche Annäherung an das nordamerikanische Eishockey wäre nur logisch und keineswegs abträglich…


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