Der angedrohte WM-Boykott, den die Spielerinnen auch im Interesse der nächsten Generation erwogen, zwang den ÖEHV zum Handeln. Auf dem Weg zu einer Einigung berichteten die Medien intensiv über das Thema, der ORF widmete ihm sogar einen Beitrag samt Interview mit Nationalspielerin Antonia Matzka in der ZIB2.
Gleichberechtigung ist längst kein Thema, das ausschließlich den Sport betrifft. Es zieht sich durch sämtliche gesellschaftlichen Bereiche. Umso bemerkenswerter ist, wie schnell die öffentliche Aufmerksamkeit wieder verschwindet, sobald ein Zwist beigelegt ist.
Der Preis für die Leidenschaft
Wobei, wirklich überraschend ist das nicht.
Frauen-Eishockey spielt in Österreich medial weiterhin eine untergeordnete Rolle. Größere Aufmerksamkeit erhält es vor allem dann, wenn Konflikte oder historische Erfolge Schlagzeilen liefern. Das hat der jüngste Fall bedauerlicherweise einmal mehr gezeigt.
Dabei leisten die Spielerinnen hierzulande Großes. Bis auf einzelne Ausnahmen – etwa Anna Meixner und Theresa Schafzahl – kann keine Aktive vom Eishockey leben. Sie ist deshalb gezwungen, neben dem Sport einem Beruf nachzugehen.
Das bedeutet: Von frühmorgens bis zum Nachmittag stehen die Spielerinnen im Berufsleben, abends geht es zum Training und anschließend wieder nach Hause. Und das mehrmals pro Woche. 18-Stunden-Tage sind dabei keine Seltenheit.
Hinzu kommen erhebliche finanzielle Belastungen. Neben den eigenen Lebenshaltungskosten müssen die Spielerinnen in vielen Fällen auch ihre Ausrüstung selbst bezahlen.
Eigene Umkleidekabinen sind eine absolute Seltenheit. Von den weiterhin bestehenden Klischees ganz zu schweigen.
Wertschätzung darf kein Ausnahmefall sein
All das nehmen die Spielerinnen auf sich, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Wertgeschätzt wird das kaum bis gar nicht.
Wie viele von ihnen betonen, nehmen sie diese Belastungen auch auf sich, um es den nächsten Generationen einfacher zu machen. Sie sind dazu gezwungen, den Finger in die Wunde zu legen und Missstände, die über Jahrzehnte herrschen, aufzuzeigen. Ansonsten würde sich nie etwas ändern.
Doch nicht nur die Spielerinnen können einen wichtigen Beitrag zu einer besseren Zukunft leisten. Verbandsverantwortliche, Sponsoren, Fans und Medien stehen in der Verantwortung.
Ihre Erfolge, Geschichten und Opfer gehören gewürdigt. Nicht nur, wenn Boykotts angedroht werden oder eine historische Weltmeisterschaft ansteht, sondern regelmäßig.
Das ist das Mindeste, was wir für Frauen-Eishockey in Österreich leisten können.