Scouting Report

Gregor Biber in Übersee: So lief der Einstand, das ist die Lage

Wie hat sich der ÖEHV-Defender bei den Tucson Roadrunners eingelebt und wie sehen seine Perspektiven aus? LAOLA1-Scout Bernd Freimüller mit einem Lagebericht:

Gregor Biber in Übersee: So lief der Einstand, das ist die Lage Foto: © GEPA

Kein guter Saisonstart für Österreichs NHL-Legionäre: Marco Kasper mit einer Gehirnerschütterung out, Marco Rossi in einem Scoring Slump und David Reinbacher nach einem kurzen Gastspiel wieder in der AHL.

Für den vierten Österreicher in Übersee, Gregor Biber, dagegen verlief die Saison bisher wie erwartet - mit einem AHL-Stammplatz in Tucson.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller hat sich seinen Einstand angesehen und auch mit Biber selbst gesprochen:

Der lange Weg zum Handy-Vertrag

Nach drei Jahren bei Rögle mit insgesamt 105 SHL-Spielen war für den 20-jährigen Defender heuer der Sprung nach Übersee nur logisch, der Entry-Level-Deal mit den Utah Mammoth wurde Ende Mai bekanntgegeben.

Wie gestaltete sich die Übersiedlung für ihn? Irgendwelche größeren bürokratischen Probleme? "Nein, eigentlich nicht. Ein Handy-Vertrag kann dauern, aber mit einem Pre-Paid-Phone habe ich das umgangen", so Biber. Sozialversicherung und Bankonto sind auch eingerichtet, ein Auto gekauft, dazu eine Wohnung außerhalb von Tucson gemietet. Im Gegensatz zu Europa ist man hier eher auf sich alleine gestellt, Bibers Agentur "4Sports" half hier jedoch aus.

In Bibers Apartment-Komplex sind drei weitere Spieler angesiedelt, darunter auch der deutsche Winger Julian Lutz. Biber: "Es tut gut, ab und zu deutsch zu sprechen."

Vormittags stehen Kraftkammer und Trainings an, die Spiele finden größtenteils am Wochenende statt, Auswärtsspiele sind meist mit Flügen verbunden. Feedback aus Utah kommt vor allem von General Manager Bill Armstrong, der bei Heimspielen ab und zu vorbeischaut.

Wenig Bewegung im Defender-Aufgebot bei Utah und Tucson

Die Defender-Plätze bei Utah bzw. Tucson sind ziemlich eingefroren, große Rochaden wie bei anderen Teams finden weniger statt. Allerdings verletzte sich der auf der Kippe zwischen NHL und AHL stehende Zwei-Meter-Mann Maveric Lamoureux in der Pre-Season an der Schulter, seine Rückkehr ist noch Monate entfernt.

Bei den Mammoth fällt der bis dahin gut spielende John Marino seit zwei Wochen aus, seinen Platz nehmen derzeit der siebte Defender Nick DeSimone bzw. der hochgezogene Artyom Duda (letzte Saison lange verletzt) ein.

Durch die Verletzung von Lamoureux ergab sich das Lineup bei den Roadrunners fast von selbst: Fünf Defender mit Utah-Verträgen, dazu der 33-jährige Veteran Robbie Russo. Brandon Holt und Cal Thomas (beide mit AHL-Verträgen) sind die beiden Nachrücker unter den insgesamt acht Defendern (inklusive Duda).

Daran muss er noch arbeiten

Wie sieht die Lage für Biber genau aus? Meist läuft er an der Seite des gleichaltrigen Tomas Lavoie auf – ein Righty also neben dem Lefty Biber.

"Der Coach rotiert eigentlich bei 5-5 alle drei Paare durch, im Penaltykilling bin ich einer von vier Spielern", so Biber, dessen Zukunft in Übersee noch mehr als in Europa die eines Defensiv-Defenders sein wird.

Woran er noch am meisten arbeiten muss? "Vielleicht schnellere Pässe unter Druck, die Breakouts sollen schneller kommen als in Schweden."

Wie gelang ihm sonst die Umstellung aufs kleinere Eis? "Kein Problem, ich glaube, es kommt mir sogar zugute", so der körperlich robuste (90 kg bei 1,90 Meter) Verteidiger.

Seine Bilanz bisher: 11 Spiele mit 3 Assists, 10 Strafminuten und einer +2. Seine Eiszeit beträgt zwischen 17 und zuletzt sogar einmal 23 Minuten.

Bis auf zwei Niederlagen zum Saisonauftakt punkteten die Roadrunners in jedem der darauffolgenden neun Spiele, führen mit 16 Punkten aus elf Partien die Pacific Division (10 Teams) an.

Vorerst läuft alles nach Plan

Österreich wurde in den letzten Jahren eben mit Rossi, Kasper und Reinbacher mit hohen Picks verwöhnt. Spieler, die in der Mitte oder am Ende des Drafts zum Zuge kamen, erhielten keine Verträge (Thimo Nickl, Benjamin Baumgartner), sehen ihre Zukunft eher in Europa (Vinzenz Rohrer) oder befinden sich noch im College (Vasily Zelenov).

Eine Mischung wie in größeren Eishockey-Ländern, Bibers Karriere verlief bis jetzt linear: Nach einer soliden Europa-Laufbahn folgt die erste Saison eines Entry-Level-Deals, die natürlich in der AHL beginnt. Ein Assignment in die ECHL – kommt durchaus auch vor – war kein Thema, ein Stammplatz in der AHL schon ein schöner Erfolg.

Ob und wann es für ein NHL-Gastspiel reicht, werden die nächsten Monate und Jahre zeigen, an Scorerpunkten wird seine Entwicklung nicht abzulesen sein. Doch auch nach der Übersiedlung nach Übersee, die schon manchen Europäer aus der Bahn warf, verläuft Bibers Weg plangemäß...

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