Das steckt hinter der American Hockey League

Das steckt hinter der American Hockey League Foto: © GEPA
 

Nach mehreren Wochen des Wartens ist es Gewissheit: Minnesota-Wild-Angreifer Marco Rossi beginnt die neue Saison in der AHL. Der 20-jährige ÖEHV-Legionär muss sich also über den Minor-League-Umweg seine ersten NHL-Minuten erarbeiten.

Grund genug, um die American Hockey League einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Was ist der Zweck der AHL? Wie funktioniert diese? Und wie haben sich andere Österreicher in der AHL geschlagen?

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller klärt vollumfänglich auf:

"Die AHL ist die zweithöchste Liga hinter der NHL"

Ja und nein. Sie ist einfach eine Ausbildungsliga für die NHL, daher natürlich unter ihr angesiedelt. Die ECHL käme dann darunter. Allerdings gibt es ja in Nordamerika kein Auf- und Abstiegsszenario, daher kann das nicht etwa mit DEL/DEL2 oder SHL/Allsvenskan gleichgesetzt werden. Spieler, die für die NHL (noch) nicht gut genug oder zu jung sind, finden sich in deren Farmteams wieder.

Alle Teams sind also NHL-Farmteams?

Grundsätzlich ja. Die 31 Teams sind mit den 32 NHL-Teams verbunden oder "affiliated", wie es hier heißt. Rechnerisch geht sich das noch nicht ganz aus, die Florida Panthers und NHL-Neuling Seattle Kraken teilen sich heuer das Team der Charlotte Checkers bezüglich ihrer Prospects. Ab der Saison 22/23 haben die Kraken dann mit Palm Springs ein eigenes Farmteam.

Aber aufgepasst: Nur 20 NHL-Organisationen sind auch Eigentümer ihrer Farmteams, das heißt sie kommen für alle Kosten auf und können dann natürlich ihre Personalentscheidungen dementsprechend im Alleingang ausrichten. Bei den anderen elf Teams werden die Personalkosten verschieden aufgeteilt.

Die Hershey Bears (Washington Capitals, seit 1936 mit dabei) und die Chicago Wolves (Carolina Hurricanes) sind bekannt dafür, jedes Jahr um dem Calder Cup (Äquivalent zum Stanley Cup) mitspielen zu wollen und ihr Veteranenkontingent voll auszuschöpfen. Die Ausbildung der NHL-Talente steht hier nicht immer im Vordergrund.

Die Wolves haben über die Jahre auch schon mit Nashville, Vegas, Vancouver, St. Louis und den Atlanta Thrashers zusammengearbeitet, zeigten sich damals auch großzügig: Zwei maßangefertigte Championship-Ringe von ihren Calder-Cup-Gewinnen 2002 und 2008 liegen bei mir noch im Safe.

Das Team von Marco Rossi, die Iowa Wild, werden vollinhaltlich von den Minnesota Wild betrieben.

Veteranenkontingent – was ist das?

Grundsätzlich dürfen in der AHL nur Spieler auflaufen, die 18 Jahre oder älter sind. Spieler, die eigentlich in der Major Junior League spielen müssten, dürfen ebenfalls nicht verwendet werden. Allerdings: Das gilt nicht für Overage-Spieler wie Rossi, der zwar theoretisch heuer noch in der OHL spielen könnte, aber dem Juniorenalter schon entwachsen ist.

Von den 18 Skatern müssen 12 sogenannte "Development Players" auflaufen, der Rest können sogenannte "Veterans" sein, die schon eine gewisse Anzahl (260 bzw. 320) an Profi-Spielen (NHL, AHL oder Europa) überschritten haben.

Grundsätzlich werden die Gehälter der Development Players von den NHL-Teams übernommen, bei den Veterans kann das auch so sein, muss aber nicht. Vor allem die reicheren Teams wie die Wolves leisten sich gerne Routiniers auf reinen AHL-Verträgen, die gute sechsstellige Summen kassieren. Spieler mit reinen AHL-Verträgen können von den NHL-Teams nicht angefordert werden.

Apropos Geld – wie funktioniert das mit den NHL- und AHL-Gehältern?

Am Beispiel von Marco Rossi: Sein NHL-Gehalt macht 925.000 Dollar aus, das AHL-Gehalt seines Entry-Level-Vertrags ist in seinem Entry-Level-Deal mit 80.000 Dollar vorgegeben. Das NHL-Jahr wird dabei in Tage untergegliedert (heuer 200 von erstem bis zum letzten Spieltag der Regular Season). Für jeden Tag, an dem er auf dem NHL-Roster steht (ganz egal ob er spielt oder nicht), bekommt er den aliquoten Teil seines NHL-Gehalts, allerdings verringert um den bereits ausgezahlten Signing Bonus von 92.500 Dollar. Für den Rest seiner Spielzeit wird sein AHL-Gehalt aufgesplittet. Sollte er die ganze Saison in der AHL verbringen, bekommt er eben 80.000 Dollar geradeaus.

Wie sieht der AHL-Modus aus?

Es gibt zwei Conferences (Western/Eastern), die wiederum in jeweils zwei Divisionen aufgeteilt sind.

Mit sehr vereinfachter Geografie:

Atlantic Division – 8 Teams (Ostküste)

North Division – 7 (Upstate New York & Kanada)

Central Division – 7 (Midwest)

Pacific Division – 9 (Westküste)

Zwischen vielen Teams reichen kurze Busreisen, aber es müssen auch geografische Außenseiter eingebaut werden. So spielen die Charlotte Checkers gegen die Teams von der Ostküste, Manitoba (Winnipeg) und Texas in der Division mit Iowa und den Teams um Chicago, die Colorado Eagles gegen die Pacific-Teams.

Die NHL-Teams haben in den letzten Saisonen versucht, ihre Farmteams in der Nähe zu halten – in Toronto etwa in der gleichen Stadt, in Winnipeg und San Jose sogar in der gleichen Halle. Bei Calgary (Stockton), Edmonton (Bakersfield) und Vancouver (Abbotsford) können die Spieler im Falle der Fälle aber eher nicht mit dem Fahrrad anreisen. 26 Teams sind in den USA angesiedelt, fünf in Kanada.

Die Teams spielen grundsätzlich innerhalb der Divisions, zu einem geringeren Maße innerhalb der Conferences. So spielt Iowa heuer gegen einige Teams der Pacific Division nicht, gegen andere dort viermal. Innerhalb der Central Division treffen sie zwölfmal auf Rockford, nur achtmal auf Texas, Manitoba und Grand Rapids.

Damit nicht genug: Früher war es einfach, jedes Team spielte 76 Spiele. Seit der Einführung der Pacific Division 2015 ist alles anders – einige Teams dort wollten weniger Spiele bestreiten, um so mehr Zeit zum Trainieren zu haben, die Wertung musste daher auf Prozentpunkte umgestellt werden.

Heuer wird das ganze geradezu tollkühn – selbst innerhalb der Division gibt es unterschiedliche Spielanzahlen. So spielen die Iowa Wild 72 Spiele, Milwaukee oder Chicago 76. Ab der Saison 22/23 sollen endlich wieder einheitlich 72 Spiele für alle 32 Teams gelten.

Auf die ICE umgelegt: Das wäre so, als ob die Vienna Capitals am Saisonende 52 Spiele, die Graz99ers nur 48 Spiele bestritten hätten und die Tabellenplatzierung zwischen diesen beiden Teams per Prozentpunkten ermitteln werden müsste. In Europa (ohne Corona) unvorstellbar!

Und wer qualifiziert sich für die Playoffs?

Auch das ist heuer anders und kompliziert. Nicht mehr die üblichen 16, sondern 23 Teams dürfen mitmischen. In jeder Division sind Teams (z. B. Pacific eines, Central drei) für die Division-Semifinale bereits qualifiziert, weitere spielen Pre-Playoffs im Modus "Best-of-three". Lediglich acht Teams gehen direkt in den Golfurlaub.

Österreicher in der AHL

Sechs rot-weiß-rote Cracks liefen in den letzten knapp 15 Jahren in der AHL auf. Am wenigsten bekannt dabei die elf Spiele von Brian Lebler für die Syracuse Crunch (2010/11). Bei Michi Grabner (2007-10, Manitoba Moose) war es wie für Marco Rossi die übliche Vorarbeit vor der NHL. Thomas Raffl (15/16) kam bei den Manitoba Moose nie in NHL-Nähe.

Thomas Pöck wechselte von 2004 bis 2008 zwischen den Hartford Wolf Pack und den New York Rangers hin und her, versuchte 2012/13 nochmals sein Glück bei der Colorado Avalanche, wo er aber die ganze Saison bei den Lake Erie Monsters verbrachte.

Auch Andreas Nödl hatte zwei Stints in der AHL: 2007 bis 2009 mit den Philadelphia Phantoms (zwei Jahre davon gekoppelt mit den Flyers), 2012/13 bei den Charlotte Checkers zum Abschluss seiner Übersee-Karriere. Die wenigsten AHL-Spiele bestritt Michi Raffl: Zwei für die Adirondack Phantoms im Herbst 2013, seitdem ist er fixer Bestandteil der NHL.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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