Es gibt viele Coaches, die auf die Kombination L-R großen Wert legen, Mike Babcock etwa gilt als eine große "Side Whore" (mit "Size Whores", also Coaches, die auf Größe im Lineup pochen, nicht zu verwechseln).
Nur: Bei Nationalteams, aber auch in der NHL hast du da halt eine größere Auswahl als etwa bei Klubmannschaften in schwächeren Ligen, wo du oft nehmen musst, was am Markt ist.
Der "rechtsschießende PP-Defender", den alle Teams suchen (Linz immer noch), ist mittlerweile schon zu einer belächelten Phrase verkommen.
Diese Vorteile haben sie
Warum soll eine solche Aufteilung aber eine Rolle spielen? Es geht dabei etwa um folgende Situationen (immer aus der Sicht des rareren Righty Defenders):
Faceoff im eigenen Drittel kurz vor Schluss, rechte Seite: Der Coach schickt einen RC aufs Eis, um das Anspiel in die rechte Ecke zu gewinnen. Der Defender kann dann die Scheibe mittels der Seitenbande oder des Plexis aus der Zone befördern, wenn sich eine Lücke auftut. Als Linksschütze ist das ungleich schwieriger, da stimmt der Winkel nicht und es droht ein Puckverlust oder ein Klärungsversuch in der Mitte des Eises.
Scheibe im Mitteldrittel - der Righty D kann den Puck mittels Rim entlang der Seiten- und Hintertorbande in die linke Ecke befördern, wohin seine Mitspieler pressen, der Goalie muss in Sekundenbruchteilen entscheiden, ob er hinter das Tor geht oder nicht.
Scheibe im Angriffsdrittel - auf der richtigen Seite ist dein Stock immer näher bei der Bande, Clearing Attempts können daher gestoppt, Pässe von hinter dem Tor besser kontrolliert werden. Als Linksschütze bekommt du dort die Scheibe auf die Backhand, die damit verlorenen Sekundenbruchteile können von Stürmern genutzt werden. Solche Situationen kommen in jedem Spiel dutzendfach vor.
Doch natürlich auch kein Nachteil ohne Vorteil: Auf der "falschen" Seite spielend zeigt dein Schläger zur Mitte. Du hast bei Schüssen dadurch einen besseren Winkel als von der Seite, noch dazu wenn du schnell zur Mitte pushen kannst. Das ist auch der Grund, warum bei Offensiv-Faceoffs die beiden Defender (so sie L-R sind) oft die Seite tauschen.
Oft auf der falschen Seite
Viele Defender haben wenig Probleme damit, auf ihrer "Off-Side" zu spielen, machen ganze Karrieren daraus. Das werden dann fast immer Linksschützen sein, da diese im Verhältnis 2:1 (mindestens) verfügbar sind.
Andere Cracks haben auf ihrer falschen Seite mehr Probleme, müssen sich aber fügen. Ich kann mich aber auch erinnern, als ich einmal Thimo Nickl darauf angesprochen habe, dass er im Nachwuchs mit seinem Stammpartner Alexander Moser immer seitenverkehrt aufgestellt war.
Er hatte das kaum registriert, die lapidare Antwort: "War vielleicht wegen der One-Timer". Im Nachwuchs dominierten Nickl und der KAC oft nach Belieben, jetzt bespielt er als Rechtsschütze aber seine natürliche Seite.
Bei Rotationen von sieben Ds ist die Aufteilung ohnehin schwer aufrechtzuerhalten, bei nur drei Paaren geht es dann etwas leichter.
Wie sieht es denn in der ICE mit dem Verhältnis L-R aus? Einige Auffälligkeiten, als Grundlage dienen die Kader vom Mittwoch-Spieltag. Von 96 Defendern waren 33 Rightys – also knapp 34 Prozent. Das ist etwas mehr, als ich erwartet hätte.
Das ausgewogenste Team: Vienna Capitals
Mit Nick Bailen, Lorenz Lindner, Devin Steffler und Nelson Nogier sind vier der ersten sieben Ds Rechtsschützen, selbst wenn Nogier wieder rausfällt, kann Coach Mike Stewart – was er auch tut – ausgeglichene Pärchen bilden.
Der Righty-Überhang: Milano HC
Beim Liga-Neuling sind gleich fünf der sieben Defender Rechtsschützen. Das Paar mit Tony Dello und Wyatte Wylie ist das einzige stete Rechts-Paar der Liga, wo der mit besseren Händen ausgestattete Wylie auf seiner natürlichen Seite bleiben darf.
Gut bestückt: Graz99ers
In Graz ist schon seit Jahren ein Überhang an Righty Ds zu vermerken – auch wenn Korbinian Holzer und Kilian Zündel wegfielen, kamen mit David Maier und Maximilian Kirchebner zwei Österreicher dieser Spezies dazu. Mit ihnen, dem unverwüstlichen Frank Hora und Paul Reiner sind die Hälfte der acht Ds Rechtsschützen.
Rightys gesucht - Olimpija Ljubljana
Durch die langfristige Verletzung von Clayton Kirichenko kann Coach Ben Cooper derzeit keinen einzigen Rechtsschützen in der Defensive aufbieten.
Das gerüchtete Engagement von Tyler Lewington ergibt aus zwei Gründen Sinn: Er ist a) ein Righty und b) wie T.J. Brennan und der im letzten Jahr nachgeholte Andrew MacWilliam ein Mann, den Cooper aus Salzburg kennt.
Ein Einzelexemplar - HC Bozen
Enrico Larcher ist der einzige Rechtsschütze in der Bozen-Defensive. Diese ist mit gerade sechs Mann (ohne den 19-jährigen Noah Frick) dünn aufgestellt, natürlich wird im Laufe der Saison noch ein Defender dazukommen.
Doch mit Larcher, der sich von Spiel zu Spiel steigert, würde dann nicht nur der einzige Righty, sondern auch wieder einmal ein jüngerer Crack nach hinten gepusht werden. Ein Dilemma für Sportmanager Dieter Knoll.
Besser als kolportiert – Black Wings Linz und der VSV
Das Experiment mit Vojtech Mozik endete in Linz wie erwartet – nach einer langen Spielpause macht sein Knie nicht mehr mit.
Die Suche nach einem Righty-D mit Puckskills geht damit weiter, doch der Druck ist längst nicht so groß wie erwartet. Das Team spielt auch nur mit einem Import-D sehr stark und dieser ist mit Greg Moro neben Niklas Würschl und Christoph Tialler einer von drei Rechtsschützen.
Auch in Villach stehen mit Ryan Sproul, Sean Larochelle und dem wiedergenesenen Thomas Vallant drei Rightys zur Verfügung.
Zwei sind die Norm
Der Rest der Liga verfügt meist über zwei rechtsschießende Ds, wenn auch verschiedener Güte.
Pustertal holte mit Josh Wesley gerade einen solchen Mann, bei den Pioneers ist die Tatsache, dass der limitierte Antony Costantini der einzige Righty unter den Top-4 ist, ein untergeordnetes Problem.
Innsbruck (Joel Messner, Winston Frimmel), der KAC (Nickl, Maxi Preiml), Fehervar (Tim Campbell, Viktor Persson bzw. Einspringer Donat Horvath und Ferencvaros (Jesper Lindgren, Tamas Ortenszky) liegen in diesem Normbereich.
Auch die krisengeschüttelten Roten Bullen gehören zu dieser Gruppe: Lukas Hörl spielt jetzt fix unter den Top-6, Jayden Lee hätte der pucktragende Rechtsschütze für das Powerplay werden sollen, konnte diese Rolle aufgrund von großen physischen Mängeln aber nicht ausfüllen.