So läuft die ICE Hockey League unter Corona ab

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Die bet-at-home ICE Hockey League steht im ersten Jahr nach der Namensänderung gleich vor einer riesigen Bewährungsprobe: Covid-19 lässt den Gedanken an einen regulären Spielbetrieb fast nicht zu, doch die Liga tut ihr Bestes und gibt den Puck zum geplanten Saisonstart am 25. September frei (alle Spiele bei LAOLA1 im LIVE-Ticker).

Viele Konzepte wurden ausgearbeitet, neben dem Schutz der Spieler steht auch jener der Fans im Vordergrund. Viele Eventualitäten mussten eingerechnet werden, denn es ist nicht davon auszugehen, dass die Eishockey-Liga von Corona-Fällen verschont bleibt.

Ein Blick von LAOLA1-Experte Bernd Freimüller auf die Rahmenbedingungen, basierend auf dem 31-seitigen Covid-Appendix zum Gamebook:

Der Umgang mit Covid-19

Händewaschen und -desinfizieren, Maskentragen (auch im Bus bzw. für Refs im Auto), keine Handshakes – alles klar und erwartbar. Angenehmer Nebeneffekt: Die unsäglichen Flash-Interviews auf dem Eis bei TV-Spielen ("Wir müssen einfach spielen" bzw. "Können Sie den Fünf-Tore-Rückstand in den letzten zehn Minuten noch aufholen?") sind verboten.

Was passiert, wenn's einmal passiert?

Spieler mit Covid-ähnlichen Symptomen müssen isoliert und natürlich getestet werden. Bei einem positiven Test müssen sie in eine Zehn-Tages-Quarantäne, aus der sie erst nach 48 Stunden ohne Symptome und einem negativen Test zurückkehren dürfen.

Der Rest des Teams muss dagegen keineswegs in automatische Quarantäne: Kontaktpersonen der Gruppe 1 (also die Mitspieler) können nach negativem Test weiter trainieren oder spielen, dürfen aber sonst ihre Wohnung nicht verlassen und müssen vor jedem Spiel einen negativen Test ablegen – das Ganze für eine Dauer von maximal zehn Tagen.

Solange Teams die Mindestanzahl (ein Goalie und zehn Skater) aufbieten können, müssen sie antreten. In kritischen Fällen kann sogar der Spielermarkt entscheidend aufgeweicht und Leihspieler geholt werden. Für diese Maßnahmen wie für alle anderen auch zuständig: Ein dreiköpfiges Covid-Board, das aber an Mehrheitsentscheidungen der elf Teams gebunden ist. Das entscheidet auch im Bedarfsfall über den:

Modus der Liga

Natürlich wird der Normalzustand angestrebt (40 Spiele pro Team in der ersten Phase des Grunddurchgangs, danach Platzierungs- und Hoffnungsrunde, gefolgt von "best-of-seven"-Playoffs).

Was aber, wenn das nicht geht? Das Covid-Board kann völlig frei entscheiden, sollte das aber bis zum 15. Dezember tun (nicht klar, wenn es erst danach rund geht). Es werden zwar einige Szenarien angeführt, aber an diese sind sie keineswegs gebunden. Nur einige Alternativ-Szenarien:

Die Platzierungs- und Hoffnungsrunde fällt völlig unter den Tisch.

Diese Runden werden in verkürzter Form (vier Spiele pro Team) oder "Best-of-three (oder -five)" Serien (nur Hoffnungsrunde) durchgeführt.

Sollten auch diese Szenarien nicht durchführbar sein, muss das Covid-Board über den Endstand der Liga bzw. über die Playoffs (können auch auf "Best-of-three (oder -five")-Serien heruntergebrochen werden) entscheiden.

Alles natürlich sehr situationselastisch, für einmal aber durch die Pandemie erklärbar. Klar auch: Bundes- oder Landesverordnungen, die auch über die Details für Zuschauer wie etwa die Maskenpflicht entscheiden, können alle diese Regeln overrulen und bei vier teilnehmenden Ländern wird das natürlich noch haariger als in anderen Ligen. In der Öffentlichkeit diskutierte Maßnahmen (Ausschluss der internationalen Teilnehmer, Punkte-Prozente statt aktuell erspielter Punkte bei ungleicher Spielanzahl) werden nicht erwähnt, können aber wie gesagt kurzfristig festgelegt werden.

Schiedsrichter

Personell gibts einiges Neues: Mit den Brüdern Nikolic und Miroslav Stolc wanderten gleich drei Top-Referees in die Schweiz ab. Stolc bleibt auch die ganze Saison drüben, die Nikolic-Bros könnten bei Bedarf auch in der ICE wieder zu sehen sein, müssen dazu aber die Freigabe vom Schweizer Verband bekommen.

Profi ist keiner von ihnen und ihr Grenzübertritt hatte vor allem für Manuel Nikolic eine unangenehme und wohl nicht bedachte Nebenwirkung, die auch mit einer IIHF-Regeländerung zusammenhängt: Der ehemalige A-WM-Referee muss sich in Zukunft mit einer C-Lizenz zufriedengeben, fällt damit für internationale Turniere flach. Sein Bruder Kristijan bekam noch mit IIHF-Hilfe eine zusätzliche A-Lizenz. Neuer österreichischer Top-Referee im IIHF-Ranking ist nun der Villacher Christoph Sternat. Einzige übriggebliebene Profis in der Liga: Ladislav Smetana und Trpimir Piragic.

Neue Heads in der Liga: Die beiden Tiroler Matthias Ruetz und Andreas Huber, der Slowake Tomas Hronsky sowie die früheren ungarischen Linesmen Daniel Soos (einst das Opfer von Jamie Frasers Hose) und Attila Nagy. Liga-Neuling Daniel Rencz kommt auch noch dazu, Ungarn verfügt damit über vier(!) ICE-Heads. Bis zum DEL-Start wird auch der Deutsche Marian Rohatsch im Westen aushelfen.

Matthias Ruetz pfeift jetzt auch in der ICE
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Die Teams können sich in den nächsten Wochen auf ihre Heimatrefs (nicht unbedingt Heimrefs) einstellen. Aus Covid-Gründen wird noch mehr als ohnehin schon auf Regionalisierung gesetzt. So pfeifen in der Slowakei und in Ungarn vorläufig die heimischen Heads und Linesmen – wie lange das aufrechtzuerhalten ist?

Das Gamebook bleibt größtenteils unverändert, eine Änderung geht aber still und heimlich über die Bühne: Jetzt können sich die Refs sogar Fouls per Videobeweis anschauen! Natürlich nicht jedes, aber nach Vorbild der NHL große Strafen (inklusive 2+2 für Hohen Stock). Große Strafen können nach Betrachten der Bilder downgegradet, umgekehrt allerdings nicht upgegradet werden. Eine Strafe muss auf jeden Fall ausgesprochen werden, mit leeren Händen darf der Ref nicht vom Bildschirm zurückkommen. Das soll vor allem die oft pathologische Angst der einheimischen Refs (griffen gerne zur Krücke 2+2 oder bogen das Regelbuch) vor großen Strafen abschwächen. Ebenfalls review-würdig: "Friendly fire" (Stock eines Mitspielers) bei Hohem Stock. Da können die 2+2 bestehen bleiben, völlig wegfallen oder reduziert werden.

Das DOPS (Department of Player Safety) soll trotz wirtschaftlicher Zwänge weiter unverändert bleiben, auch Greg Kimmerly gibt weiter den "Director of Officiating" – allerdings in absentia und aus seiner Heimat. Spielbeobachter sind vorläufig in den Hallen nicht zugelassen, müssen ihren Job via Gamecenter ausüben.

Allerdings: Das DOPS kann jetzt ohne Absprache mit dem Player Safety Comittee nach Fights oder Faustschlägen Strafen für ein Spiel aussprechen, bei Covid-heiklen Sachen wie Spucken oder sogar Face-Washs sogar fünf Spiele. Auch das Anschreien von Gegenspielern oder Refs steht auf dem Index. Wird aber eher ein Papier-Paragraph bleiben...

Punkteregel

Die größere der beiden Änderungen: Zwar bleibt die Gesamtpunkteanzahl für den Kader bei 60 Punkten stehen, allerdings wurde das mögliche Legionärskontingent von 44 auf 46 Punkte ausgedehnt. Darunter fallen zehn "normale" Ausländer sowie maximal drei U22-Legionäre (Jahrgänge 2000/1999, je zwei Punkte) oder zwei U24-Legionäre (1998/1997, je drei Punkte). Eine Mischlösung 1+1 ist natürlich auch möglich. Dornbirn und Innsbruck (wie eigentlich immer) werden das Maximum an Legionären ausschöpfen, Salzburg kommen die drei U22-Legionäre für die deutschen Akademie-Produkte Justin Schütz, J.J. Peterka und Filip Varejcka zugute.

Lediglich Kosmetik: Statt 0,50 sind heute auch 0,25-Punktewerte möglich. Das macht das Lesen der Listen und Kader nur unübersichtlicher, in der Realität hielten sich durch Rundungsdifferenzen auf- und abgewertete Spieler (der Großteil blieb unverändert) aber die Waage. Das Team, das diese Änderung anregte, schleppt aber heuer dadurch mehr Punkte mit. Dumm gelaufen…


Textquelle: © LAOLA1.at

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