Starkbaum: "Bin schon immer Wiener gewesen!"

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Bernhard Starkbaum ist zurück in der EBEL – und zurück in Wien!

Der Stammkeeper im ÖEHV-Nationalteam wird ab sofort bei den spusu Vienna Capitals mit Jean-Philippe Lamoureux ein Torhütergespann bilden und mit dem bisherigen "Workhorse" zwischen den Pfosten der Hauptstädter ein Duell um die Nummer 1 austragen.

Trotz starker Leistungen bei der A-WM 2018 gab es beim EC Red Bull Salzburg kein neues Vertragsangebot mehr – und sehr zur Überraschung Starkbaums waren auch Optionen in der restlichen EBEL sowie dem Ausland Mangelware.

So wurde der EHC Kloten in der zweiten Schweizer Liga NLB die Lösung, die allerdings nur neun Spiele andauern sollte.

Im LAOLA1-Interview spricht der 32-Jährige über die letzten schwierigen Monate, warum er sich gerade bei den Capitals einem starken Konkurrenten stellt und was das in Blickrichtung der nächsten A-WM bedeuten könnte.

LAOLA1: Bei unserem letzten Gespräch kurz vor der A-WM 2018 (HIER nachlesen) waren die Hoffnungen noch auf einen Verbleib in Salzburg ausgerichtet. Warum hat es damit nicht geklappt?

Bernhard Starkbaum: Ich habe im Endeffekt einfach kein Vertragsangebot mehr bekommen. Ich wäre sehr gerne geblieben, es war eine schöne Zeit, aber es ist Vergangenheit.

LAOLA1: Neben Lukas Herzog wurde mit dem US-Amerikaner Steve Michalek auch ein Legionär dir vorgezogen, der das rein statistisch gesehen im Vergleich noch nicht rechtfertigen kann. Ist das bezeichnend für die EBEL?

Starkbaum: Statistiken sagen nicht immer das richtige aus. Der Goalie kann viel beeinflussen, aber hin und wieder trüben die Zahlen den Eindruck. Wenn man die ersten zwei Saves macht, aber der dritte Schuss immer noch drin ist… Wir haben auch neben mir genug österreichische Goalies, die auf jeden Fall EBEL-Tauglichkeit haben. In der ganzen Liga sind sie es, die konstant gute Leistungen bringen. Für das österreichische Eishockey wäre mehr Eiszeit definitiv wichtig.

LAOLA1: Deine Performance bei der A-WM dürfte überzeugt haben, so manch internationale Schlagzeile hat dir gehört. Denkst du daran im Nachhinein noch?

Starkbaum: Ich sehe mich sowieso immer als Teil der Mannschaft und will meinen Teil zum Erfolg beitragen. Wenn mir gute Spiele und Key Saves oder glückliche Paraden gelingen, ist das schön, aber die Mannschaftsleistung ist mir wichtiger. Sicher war die Aufmerksamkeit schön, sie ändert aber nichts an meiner Sichtweise.

LAOLA1: Hättest du dir nach der starken A-WM eine stärkere Nachfrage nach deiner Person erwartet? Der Gang nach Kloten wurde letztlich fast zu einer "Not-Option".

Starkbaum: Es gab wirklich kaum Angebote. Sicher habe ich auf mehr gehofft, aber nun ist das Vergangenheit. Und Sachen in der Vergangenheit kann ich nicht beeinflussen. Ich schaue auf mich, der Rest passiert sowieso, wie es passieren soll.

LAOLA1: Kann das Alter mit 32 Jahren dann doch schon ein Faktor sein?

Starkbaum: Ich denke nicht. Ich bin noch nicht so alt, dass ich zum alten Eisen gehöre, sehe mich selbst nicht als "alten Mann". Bei einem Torhüter ist es ohnehin so, dass er mehr Erfahrung und Routine mit dem Alter bekommt.

LAOLA1: Nach einer starken A-WM in die NLB zu gehen, das dürfte nicht nur Beobachter überrascht haben. Wie hast du die Situation in Kloten wahrgenommen und warum hat es letztlich nur zu einem Kurzauftritt gereicht?

Starkbaum: Kloten ist nach rund 50 Jahren abgestiegen und peilte den sofortigen Wiederaufstieg an. Die Mannschaft war und ist gut, darauf lag also die Hoffnung. Die Vorbereitung war gut, auch die ersten drei Spiele haben wir gewonnen, dann kam ein Durchhänger mit sieben Niederlagen in Folge. In diesem Zeitraum haben wir auch nur sechs oder sieben Tore geschossen – daraufhin wurde der Entschluss gefasst, noch einen Legionär zu holen, um die Offensive zu stärken (in der Schweiz sind Legionäre stark beschränkt, Anm.). Dann kam noch die Torhütersituation beim HC Davos hinzu: Der Schwede Anders Lindbäck wurde neu verpflichtet, womit sich zwei Schweizer den Backup-Posten untereinander ausmachen mussten: Gilles Senn und Joren van Pottelberghe. Letzterer war dann frei und wurde geholt, während ich den Legionärsplatz freimachen musste. Alle haben beteuert, dass es nichts gegen mich war. Ich habe mich gut verhalten und gut trainiert, so läuft es eben im Sport.

LAOLA1: Mit deinen Leistungen warst du also grundsätzlich zufrieden?

Starkbaum: Im Großen und Ganzen ja. Eine Niederlage nehme ich auf meine Kappe, das Spiel habe ich verloren. Aber das ist eben das Los des Torhüters. Wenn du einen Fehler machst, ist es automatisch ein Gegentor.

LAOLA1: Der Wechsel nach Wien ist aus persönlicher Sicht naheliegend, du hast mit deiner Familie ein Haus in Wien gebaut.

Starkbaum: Ja, das ist schon drei Jahre her. Wir verbringen jeden Sommer hier. Ich bin immer schon Wiener gewesen, werde es immer sein. Mein Agent und ich haben geschaut, wo es möglich ist, mich schnell wieder unterzubringen. Zwei Teams aus Schweden waren auch dabei, aber ich bin froh, hier zu sein.

LAOLA1: Mit Jean-Philippe Lamoureux steht ein Torhüter bei den Vienna Capitals im Tor, der als einer der Besten der EBEL gilt. Gut, so einen starken Konkurrenten zu haben – oder zusätzlicher Druck?

Starkbaum: Wir sind zwei gute Goalies, die trotzdem noch einiges voneinander lernen können. "JP" spielt immer auf konstantem Top-Niveau. Wir werden uns gegenseitig pushen und sind Profis genug, uns hinter die Mannschaft zu stellen. Es kommt immer auf die Einstellung des Einzelnen und darauf, wie es um das Selbstvertrauen bestellt ist, an. Ich habe nichts gegen Konkurrenzkampf, das pusht. Man arbeitet noch mehr an Details. Das ist hilfreich für die eigene Entwicklung und für die Mannschaft.

LAOLA1: Du hast im letzten Interview kritisiert, dass man in Österreich sehr lange als junger Goalie gilt, und dass sie keine Spielzeit bekommen. Mit Matthias Tschrepitsch und Max Zimmermann hast du zwei Vertreter explizit erwähnt, die bislang eigentlich die Backup-Position bei den Capitals eingenommen haben – und deren Chance auf magere Spielzeit du selbst jetzt noch weiter kürzt. Wie betrachtest du diese Tatsache?

Starkbaum: Das sind Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Ich muss auf mich selbst schauen und mich weiterentwickeln. Sie müssen einfach weiter hart arbeiten, den Spaß und Mut nicht verlieren, und wenn sie konstant gute Leistungen bringen, werden sie den nächsten Schritt machen können. Nicht verzagen, einfach weiter hart arbeiten. Irgendwann geht immer eine neue Tür auf – nicht nur die Caps, auch andere Vereine setzen auf junge Spieler. Ich bin gerne ein Vorbild, bin auch sehr kommunikativ und ein Tormann, der beim Training über gewisse Spielsituationen spricht, die Vor- und Nachteile von verschiedenen Herangehensweisen.

LAOLA1: Wie wichtig wäre Spielpraxis im Hinblick auf das ÖEHV-Nationalteam? Mit David Kickert bei den Black Wings Linz und David Madlener beim KAC haben auch die anderen beiden Stammkeeper keinen leichten Stand im Moment.

Starkbaum: Für mich persönlich ändert sich nichts. Ich werde mich weiterhin von Training zu Training reinhängen. Das Tempo ist um einiges höher als in der Schweiz, das haben ich schon in den ersten Einheiten mitbekommen. Wenn die Chance kommt, muss ich da sein, dann bin ich zuversichtlich, dass es auch weiterhin im ÖEHV-Team gut klappt es mit mir einen guten Goalie hat. Natürlich hoffe ich, dass sich in Zukunft was in der Liga tut, aber das ist nichts, was ich beeinflussen kann. Wir hätten genug Potenzial da.

LAOLA1: Kommst du vielleicht auch in der Vorbereitung öfter zum Zug, dadurch, dass die Gegner wesentlich stärker als in früheren Jahren sind?

Starkbaum: Das entscheidet natürlich Roger Bader. Wir haben jetzt einmal das Turnier in der Schweiz, dann jenes im Februar in Klagenfurt – und dann hoffe ich, dass ich so gut wie keine Vorbereitung mehr habe, weil die Caps möglichst lange in der EBEL dabei sind. Mein Ziel ist es, dass wir in Wien ganz weit kommen, das wäre eine andere Art der Vorbereitung – eine, die mir lieber wäre.

LAOLA1: Wie gut sind deine Bünde zum VSV noch, bei dem du deine EBEL-Karriere begonnen und viele Jahre gespielt hast? Dort muss der von dir unterstützte österreichische Weg gegangen werden, aber ausgerechnet im Tor ist mit Dan Bakala ein Legionär die Stammkraft.

Starkbaum: Mit "Kersche" (Goalie-Coach Markus Kerschbaumer, der auch Starkbaum ausbildete, Anm.) habe ich noch Kontakt, ansonsten sind die Bünde sehr gering. Mit Lukas Herzog und David Kickert gab es letztes Jahr ein gutes, junges und österreichisches Duo, beide haben sich für einen Abgang entschieden – das muss man respektieren. Dass sie mit vielen spielen mit vielen Jungen, das merkt man auch. Ich habe in dieser Saison noch viel zu wenig vom VSV gesehen, aber ich finde den jungen Weg sehr förderlich. Für die Fans ist es momentan ein schwerer Stand, aber für das österreichische Eishockey allgemein sicher gut.

LAOLA1: Würde es dich reizen, später auch dort wieder einen Beitrag zu leisten, vielleicht nicht mehr als Aktiver?

Starkbaum: Ich fühle mich als Wiener und der Stadt sehr verbunden. Ich war jetzt 13 Jahre unterwegs und froh, wieder hier zu sein. Wenn es nach mir geht, hätte ich nichts dagegen, dass es jetzt für immer so bleibt.

LAOLA1: Die Organisation der Vienna Capitals ist trotzdem völlig neu für dich, dein voriger Verein in Wien war der WEV.

Starkbaum: Es gab damals schon kurz Gespräche mit dem damaligen Coach Jim Boni, aber das hat sich zerschlagen. Ich bin jetzt erst einige Tage da und merke schon die familiäre Atmosphäre in einer guten Organisation. Es fühlt sich an, als wäre ich ewig da gewesen. Ich werde am Freitag gegen Zagreb und Samstag gegen Dornbirn den ersten Einblick bekommen, wie es ist, in Wien für die Caps zu spielen, bislang habe ich ja nur gegen sie gespielt. Ich hoffe auf einen ersten Starteinsatz, ich fühle mich jedenfalls bereit und fit.

>>> Die EBEL im LAOLA1-LIVE-Ticker <<<

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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