"Wochenende der Wahrheit" für Black Wings Linz

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Siebter Platz nach 42 Runden des EBEL-Grunddurchgangs, Zugzwang vor dem finalen Wochenende: Die Black Wings Linz haben sich ihre Ausgangslage vor der entscheidenden Saisonphase garantiert anders vorgestellt.

Seit 2012/13, als gerade noch der sechste Platz gerettet wurde, waren die Stahlstädter stets unter den ersten drei Teams nach der ersten Saisonphase zu finden. Ein Verpassen der Playoffs war seit 2005/06, als nur vier Teams in die K.o.-Phase aufstiegen, nie ein Thema.

Nun finden sich die Linzer zwei Spiele vor der Tabellenteilung zwei Zähler hinter Fehervar und dem "rettenden Ufer" der Top-6, welches schon vor der Qualifikationsrunde das fixe Playoff-Ticket mit sich bringt.

Damit müssen die Black Wings mindestens auf einen Ausrutscher von Fehervar AV19 hoffen.

Die Magyaren haben Heimspiele gegen den HC Bozen und Red Bull Salzburg vor der Brust, Linz muss - ebenfalls daheim - die Pflichtaufgabe gegen Medvescak Zagreb bestehen (Freitag, ab 19:15 Uhr im LIVE-Ticker), ehe mit dem KAC ein auswärts starker Kontrahent in die Keine-Sorgen-Eisarena kommt (Sonntag, ab 17:30 Uhr im LIVE-Ticker).

Bei Punktegleichheit haben die Black Wings (3:1 Siege in den direkten Saisonduellen mit Fehervar) die Nase vorn.

Eine Achterbahn-Saison

Soweit die Ausgangslage. Aber wie haben sich die Black Wings Linz überhaupt in diese Bredouille gebracht?

Aus Sicht von Christian Perthaler hing viel mit dem seltsamen Saisonverlauf zusammen, wie der Manager gegenüber LAOLA1 einschätzt. Fast nie konnte man langfristig auf einer Erfolgswelle reiten.

Manager Christian Perthaler
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"Wir haben nie konstant spielen können, es gab ständige Auf und Abs. Immer wieder gab es Spiele, wo man sich richtig Sorgen machen musste, dann ging es wieder - und im Anschluss auch schon wieder nicht", so der 50-Jährige.

Beispiele dafür: Einem Saisonstart mit drei Overtime-Niederlagen folgte ein 3:0 in Salzburg. Eine sechs Spiele andauernde Siegesserie Anfang Dezember wurde binnen zwei Tagen von einem 3:7 daheim gegen Salzburg jäh gestoppt, trotz einer Länderspielpause wurden aus sechs Spielen holte nur drei Punkte geholt.

Ein neuerlicher Negativlauf endete mit herben Pleiten in Graz (1:5) und einer weiteren gegen Salzburg (1:6), da war Coach Troy Ward nach eineinhalb Saisonen schon Geschichte. "Wir wollten zuerst ein bischen länger warten, aber mussten dann ankurbeln", bedauert der Manager.

Druck nicht das richtige Mittel

Konkrete Ansatzpunkte, das Ruder herumzureißen, waren schwierig auszumachen, eine Veränderung aber unumgänglich.

>>> EBEL-Runde 43 am Freitag ab 19:15 Uhr im LIVE-Ticker <<<

"Man macht sich Sorgen und weiß nicht, warum eine komplette Mannschaft unter ihrem Niveau spielt, dann doch wieder einige Partien gut, nur um erneut abzusacken. Spielerisch haut es auch nicht hin, die Spieler verzweifeln, bekommen noch mehr Druck und dann funktioniert es gar nicht mehr, weil sie verkrampft sind", beschreibt Perthaler die Gedankengänge in schwierigen Phasen.

Auch Ward habe den Druck gespürt - und diesen an die Spieler weitergegeben. "Das war bei ein paar Spielern vielleicht nicht das richtige", meint der Manager im Nachhinein. Wohl ein Mitgrund, warum die Entscheidung auf eine Änderung in diesem Sektor fiel.

Troy Ward musste den Trachtenhut nehmen
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Nach Medienberichten, die sich auf Ex-Spieler der Linzer berufen, sei Ward generell nicht zimperlich mit Cracks umgegangen, die er sich nicht ausgesucht habe und bei seiner Ankunft 2017 im Kader standen.

Die schwierigen Zeiten seien aber keineswegs ein Indiz für die mangelnden Fähigkeiten des 56-jährigen US-Amerikaners gewesen. "Trotzdem ist er ein großer und sehr guter Trainer. Es hat mit dem Druck der Spieler und den Niederlagen einfach nicht mehr hingehauen", hält sich Perthaler mit Kritik am Ex-Trainer zurück.

Die Stellschrauben gefunden

Es kam: Tom Rowe. Und mit dem 62-Jährigen Landsmann Wards auf einen Schlag die Ergebnisse zurück.

Schon am Tag nach der Bestellung des Ex-Verantwortlichen bei den Florida Panthers wurde der HC Innsbruck 4:2 geschlagen, es folgten 5:0- und 4:1-Heimsiege über den VSV und Dornbirner EC sowie zuletzt eine sehr knappe 3:4-Niederlage bei Bozen, bei der nur zweieinhalb Minuten das Spiel zugunsten des Meisters drehten.

Aus dutzenden Kandidaten sei Rowe besonders durch seinen Einsatz aufgefallen: Er hatte bei seinem Vorstellungsgespräch bereits Spiele der Black Wings gesehen und seine Vorstellungen, was zu ändern sei. "Tom ist sofort hergekommen, da hatten wir über einen Vertrag noch nicht einmal geredet. Er ist eine Respektsperson, wir wussten, dass wir so jemanden brauchen - aber eine, die den Spielern gegenüber nicht zu hart ist."

Tom Rowe ist der neue Mann an der Bande

Auch das positive Feedback eines Schweizer Top-Klubs, der den Neo-Coach in Linz bereits 2018 im Visier hatte, kam bei Perthaler positiv an.

Sofortige Ergebnisse hin oder her, die große Revolution am Eis blieb (vorerst) aus. Ein Indiz für die Bedeutung der mentalen Lockerheit. "Wir hatten zu viel Stillstand, laufen wieder mehr. Am Training wurden Dinge verändert und die Mannschaft hat wieder Freude am Eishockey, das hat er ihnen schnell vermittelt. Ohne Spaß und Lockerheit gewinnst du auch keine Spiele", freut sich Perthaler über die richtigen Stellschrauben.

"Dass wir gute Spieler haben, haben wir immer gewusst, aber es sind auch die Kleinigkeiten, die eben passen müssen."

Trainer-Zukunft noch nicht fixiert

Die Black Wings Linz sind also wieder im Hoch. Ob das nächste "Ab" nach dem aktuellen "Auf" wieder unweigerlich folgt, ist noch nicht abzusehen, das kommende Wochenende aber äußerst richtungsweisend.

Perthalers gutes Bauchgefühl ("ich glaube, dass wir mit zwei Siegen am sechsten Platz sind") muss aber von der Mannschaft durch Taten auf dem Eis umgesetzt werden. "Es sieht so aus, als ob die Mannschaft checkt, worum es geht, dass sie mental halbwegs fit ist und sich erfangen hat. Da müssen wir anknüpfen, die Kleinigkeiten besser machen, dann sind wir eigentlich sehr optimistisch", so der Manager.

"Wir haben eine sehr gute Mannschaft, wissen, was sie kann. Wenn sie die Lockerheit hat und das umsetzt, was der Trainer sagt, können wir heuer trotzdem sehr weit kommen."

Ob der Weg darüber hinaus mit Rowe fortgesetzt wird, ist möglich, aber nicht fixiert. Der Kader ist jedenfalls schon vor der aktuellen Saison im Wandel inbegriffen gewesen, etwa durch das Karriereende der Lukas-Brüder: Robert Lukas werkt nun im Nachwuchs der Stahlstädter, Philipp Lukas erledigt "Off-Ice-Angelegenheiten".

"Bei der Kaderplanung muss man ohnehin jedes Jahr nachschrauben. Fehler werden im Sport viele gemacht. Jetzt warten wir ab, wie die Saison ausgeht, dann ist es einfacher zu entscheiden, was besser und schlechter war", will Perthaler für die Einschätzung des zukünftigen Weges noch Zeit.

Nur eines verspricht Manager, als Spieler selbst mit den Black Wings Meister von 2002/03: "Wir werden wieder dahin kommen, wo wir hin gehören."

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Textquelle: © LAOLA1.at

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