Wer ist Znojmo überhaupt?

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EBEL-Scout: Das ist Znojmo!

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Spätestens nach dem 7:3 in Salzburg ist ein EBEL-Meister Znojmo durchaus denkbar, die Adler befinden sich zwei (Heim)siege vom großen Coup entfernt. Was ist der Unterschied zwischen dem Team, das jahrelang in den Playoffs wie die Primeln einging und der heurigen Edition? EBEL-Scout Bernd Freimüller klärt auf:


Finale 4: Znojmo - Salzburg am Fr., 19:40 Uhr im LIVE-Stream


  • Erfahrung: Spieler wie Lubomir Stach, Antonin Boruta, Jiri Beroun, Jan Lattner und Peter Pucher sind seit Ligaeintritt dabei, haben ihre Spielweise der Liga angepasst. Vor allem Pucher, der in seinem ersten EBEL-Jahr dem Karriereende schon nahe schien, hat seinen Körper danach besser in Schuss gebracht und ist in seinem 41. Lebensjahr so wertvoll wie nie zuvor. Bezeichnend auch: In den ersten Jahren grundelten die Znojmer in der Liga-Bewertung zwischen 30 und 40 Punkten herum, heuer kamen sie erstmals über die 60-Punkte-Grenze, sodass sie das Regulativ erstmals zur Hand nehmen mussten.

  • Gute Einkaufspolitik: Präsident Pavel Ohera hat zwar das letzte Wort bei allen Entscheidungen und einige Cracks gelten auch als seine ausgesuchten Lieblinge. Aber Sport Manager Rostislav Docekal hat im zweiten Jahr seiner Tätigkeit auf dem Transfermarkt alles richtig gemacht: Mit Marek Biro, Jakub Stehlik und Libor Sulak fand er im Sommer die gesuchten großgewachsenen Defender, der aus Asien in die Liga zurückgekehrte Colton Yellow Horn wurde zum absoluten Star. Entscheidend aber die Nachverpflichtungen: Ohne Jan Lukas, Andre Lakos und Corey Trivino wäre dieser Playoff-Run nicht möglich gewesen. Alle drei waren ohne Engagement (Trivino, Lakos) oder unter ferner liefen (Lukas) angesiedelt.

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Bernd Freimüller

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  • Spielglück: In den ersten beiden Partien gegen Dornbirn zeigten sich die Adler in gewohnter Playoff-(Un)form. Entscheidend dann der späte Ausgleichstreffer in Spiel vier, als Florian Hardy einen Tomas-Weitschuss verschlief. Nach dem glücklichen Overtime-Treffer von Yellow Horn wuchsen den Adlern Flügeln und sie ließen sich auch von Auftaktniederlagen gegen Linz und Salzburg nicht vom rechten Weg abbringen.

  • Playoff-gerechtes Auftreten: In den letzten Jahren konnten die Tschechen nie den Schalter nach der Regular Season umdrehen und schieden sang- und klanglos aus. Wirre Anklagen gegen die Liga und die Gegner gingen ins Leere, erst heuer realisierten die Adler, worum es in den Playoffs geht. Die Mannschaft bewegt sich weit mehr als zuletzt, die Cracks werden dadurch zu „Moving Targets“, die wesentlicher schwerer zu checken sind als zuvor. Eisläuferisch konnten weder Dornbirn noch Linz mithalten, ein etwaiges physisches Spiel kam so nie zustande. Die Adler stecken aber harte Attacken auch wesentlich besser weg als zuvor und kommen  ohne übermäßiges Diving zu Powerplays, die sie gnadenlos verwerten. Dass die EBEL-Refs nicht per se gegen die Tschechen eingestellt sind, bewiesen dann auch einige Calls in den Finalspielen.


In der Wahrnehmung angekommen

Salzburg ist natürlich jederzeit eine Rückkehr in die Serie zuzutrauen, doch Znojmo ist im besten Jahr der Vereinsgeschichte dem großen Coup nahe. Ganz sind die Tschechen, deren Spielträger allerdings Kanadier, Slowaken und ein Österreicher sind, den Medien noch kein absoluter Begriff. Doch die Zeiten, als Servus-TV auf die Einblendung des Znaimer Lineups verzichtete (Originalkommentar: „Mir sagen diese Spieler nichts und ihnen sicher auch nicht“) sind vorbei, auch wenn die einzelnen Stärken und Schwächen für die Öffentlichkeit immer noch geheime Kommandosache sind. Wer sind also die Cracks des möglichen EBEL-Champions?

  • Jan Lukas (T, 22): Späte Leihgabe von Sparta Prag, dort allerdings ohne Anschlussvertrag fürs nächste Jahr. Immenser Upgrade zu Tomas Fucik, allerdings auch mit Löchern im Spiel: Nicht sehr gut im Pucktracking, hat Probleme, die Scheibe zu fixieren.

  • Patrik Nechvatal (T, 23): Lange Zeit unbestrittene Nr. 1. Groß, wirft sich gerne in Schüsse, kommt aus Butterfly schwer wieder in Ausgangsposition. Hält die aussterbende Spezies der „Split Saves“ als einziger EBEL-Goalie am Leben.

  • Andre Lakos (V, 36, AUT): Brachte Größe und Reichweite ins Lineup, machte Brust seiner Nebenleute breiter. Hält das Spiel einfacher als früher, weit weniger Turnovers nach Rushes.

  • Lubomir Stach (V, 29): Jahrelanger Einserverteidiger, verlor diesen Status durch Krankheit und Lakos-Zuzug. Mobil, harter Schuss, Probleme gegen körperlich starke Spieler.

  • Antonin Boruta (V, 27): Immer schon harter Schuss, agiert derzeit mit so viel Selbstvertrauen wie noch nie. Aufgrund von Giveaways aber auch schon im Doghouse von Coach Jiri Reznar.

  • Libor Sulak (V, 23): Schaffte Sprung in Extraliga mit Chomutov nicht. Brillanter Eisläufer mit guter Größe, sehr gutem Antritt und kann sich von Bande schnell zur Mitte befördern („Can explode off the wall“). Gute Offensive, hat im Zweikampf Verlass auf Stickchecks vom Saisonbeginn reduziert.

Wer wird EBEL-Champ?

  • Jakub Stehlik (V, 25): Gute Größe, aber nicht übermäßig physisch. Defensiv unter Druck mit Problemen. Sehr harter Schuss, aus dem allerdings nur zu Saisonbeginn Tore resultierten.

  • Marek Biro (V, 27, SVK): „Clutch-and-grab-D“, trotz Größe nicht physisch, verwendet lange Arme in Zweikämpfen. Schwache Hände. Derzeit siebter Defender.

  • Petr Senkerik (V, 25): Nach Oberkofler-Stockschlag mit gebrochenem Finger out. Mobil, schnell, brachte sich öfters im Rücken der gegnerischen Abwehr ein.

  • David Roupec (V, 23): Kam als Powerplay-Experte während der Saison, harter Rechtsschütze. Aufgrund von Defensivproblemen aber in der Hierarchie hinten angesiedelt.

  • Roman Tomas (LF, 35, SVK): Im Gegensatz zur letzten Saison, als er in den Playoffs völlig abtauchte, diesmal mit weit mehr Mut und Fußarbeit. Erzielt Tore mit hartem und genauem Schuss im Powerplay oder wartet auf „loose pucks“ knapp außerhalb des Torraums.

 

Das Hirn von Znojmos Mannschaft: Oldie Peter Pucher
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  • Peter Pucher (C, 41, SVK): Geistiger Lenker des Spiels, denkt immer einen Spielzug voraus und hält sich dadurch aus Zweikämpfen fern. Top-Playmaker. Entscheidet alleine über Fortsetzung seiner Karriere.

  • Colton Yellow Horn (RF, 28, CAN): Königstransfer der heurigen Saison. Riesen-Geduld mit Puck, sowohl Vorbereiter als auch Torschütze, Hände fast NHL-Niveau. Sehr stabil auf den Eisen. Früh in Saison kurz mit Eiszeit unzufrieden, jetzt sogar im Penalty-Killing dabei. Nächste Saison bei tschechischem Spitzenklub unter Vertrag. Wird körperliche Verfassung dort zum Hindernis?

  • Corey Trivino (C, 25, CAN): Kam im Dezember in schwachem körperlichen Zustand, jetzt aber Spielträger. Sehr gute Hände im Verkehr, ansatzloser Schuss. Meidet eher Zweikämpfe. Off-ice issues verhinderten bessere Karriere, in Znojmo drückt man das eine oder andere Auge zu.

  • Jan Lattner (F/V, 26): Springt zwischen Verteidigung und Flügel, heuer aber auch schon als Center aktiv. Schnell, sehr harter Schuss, etwas weniger emotional als zuvor.

  • Martin Podesva (C/RF, 27): Bringt meiste Offensive von „Bottom-6“-Spielern ein. Explosiver Eisläufer, schnelle Reaktionen ums Tor herum. Verkauft Attacken an ihm gut als Strafen.

Sedivy (im Bild mit Yellow Horn) jubelt über seinen Treffer zum 6:3 in Salzburg
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  • Ondrej Sedivy (LF, 26): Schaffte Sprung in Extraliga aufgrund seiner Größe nie, in Znaim aber ein Offensivbringer. Schnell und geschickt, kann aber mit Körperspiel eingeschüchtert werden.

  • Ondrej Fiala (LF, 28): Spiel Drei war bezeichnend für seine Karriere seit seinem Draftjahr: Muss verletzt vom Eis, fällt dann entweder lange aus oder kommt nach Wunderheilung schnell zurück. Der Nathan Lawson unter den Feldspielern. Wenn fit schnell, gute Hände und kann auch auf die Centerposition rücken. Zuletzt mit viel Eiszeit in Unterlegenheit.

  • Radek Cip (RF, 23): Explosiver Eisläufer, sehr schnell, guter Unterzahlspieler. Mangel an Übersicht, aber Spiel wird unaufgeregter.

  • Jiri Beroun (LF, 33): Seit Jahren schon mit Kampfgeist und PK-Know-how, nimmt Körperspiel gut an. Kaum Offensive, aber sehr guter Rollenspieler.

  • Patrik Novak (RF, 23): Guter Komplementärspieler, der im Lineup mit besseren Spielern gepaart werden kann. Limitierte Offensive, aber einer der physischeren Adler.

  • Branislav Rehus (RF/C, 27, SVK): Hat an Ansehen im Lineup verloren, zuletzt überzählig. Aber vielseitig einsetzbar, gut in Unterzahl und bei Face-Offs.

  • David Bartos (C, 24): Zuletzt mit limitierter Eiszeit als Viertliniencenter trotz guter Regular Season. Gute Beine, macht Linie schneller.
  • Marek Spacek (F, 22): Springer im Lineup, bringt physische Komponente ein, scheut auch vor Faustkämpfen nicht zurück.

  • Jan Seda (C, 30): Schon seit längerem verletzt, zuvor Viertliniencenter und PK-Spezialist.

  • Stepan Csamango (LF, 21): Kommt ins Lineup, wenn Physis gefragt ist, der einzig designierte Fighter im Kader.

 

Bernd Freimüller


Finale 4: Znojmo - Salzburg am Fr., 19:40 Uhr im LIVE-Stream



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