HCB-Manager Knoll: "Ein schwieriger Sommer"

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Die letzten Ausläufer der Cinderella-Story des HC Bozen aus der letzten Saison verflüchtigen sich schön langsam, der Zeiger wird wieder auf Null gestellt.

Für den Geschäftsführer und Sportdirektor der "Foxes", Dieter Knoll, brachte der zweite EBEL-Titel einige positive Nebeneffekte mit sich. Was sich jedoch nicht änderte: In Bozen stand einmal mehr ein größerer Umbruch an, viele Meistercracks schlossen sich anderen EBEL-Teams an.

"Die Planungen haben für uns eigentlich schon am Tag nach dem Finale wieder begonnen. Nicht alle Spieler, die wir halten wollten, sind geblieben", konstatiert Knoll im Gespräch mit LAOLA1-Scout Bernd Freimüller.

Im Interview spricht der HCB-Sportdirektor außerdem noch über das Karriere-Ende von Gallionsfigur Alexander Egger, den Status des HCB in Südtirol und die Ziele für die kommende Spielzeit:

LAOLA1: Welche Auswirkungen hat der Titel für den HCB Südtirol gehabt?

Knoll: Sicherlich Euphorie und neue Fans, wir waren natürlich eine gewisse Zeit lang das Tagesthema in Südtirol. Bei den Sponsoren tun wir uns auch leichter, vor allem, da unglaubliche 31 Spiele live im TV zu sehen waren. Im Aboverkauf, der natürlich noch lange nicht beendet ist, dürften wir zwischen 30 und 40 Prozent zulegen. Allerdings haben die Punkte-Prämien die Playoff-Einnahmen aufgefressen, das war letzten Endes ein Nullsummenspiel. Aber die positiven Seiten haben die negativen bei weitem überwogen, wir sind mittlerweile ohne Frage die Nummer eins unter den Südtiroler Sportteams. Auch toll, dass wir immer mehr Fans von weit außerhalb Bozens in die Eiswelle bekommen und die Zusammenarbeit mit den anderen Südtiroler Eishockeyteams mittlerweile wunderbar funktioniert.

LAOLA1: Wie hat sich der Sommer für Sie gestaltet? Bei 13 Neuverpflichtungen wird Ihnen ja nicht fad geworden sein?

Knoll: Die Planungen haben für uns eigentlich schon am Tag nach dem Finale wieder begonnen. Nicht alle Spieler, die wir halten wollten, sind geblieben. Bei Mat Clark, Robin Gartner und Chris DeSousa waren wir von Anfang an finanziell weit auseinander. Bei Travis Oleksuk war nicht das Finanzielle ausschlaggebend, sondern ein Arbeitsplatz für seine Frau, die auch einen Tapetenwechsel wollte. Mike Halmo wiederum hat sogar eine Südtiroler Freundin gefunden und war auch fast den ganzen Sommer hier, er hat aber von Anfang an den Wechsel in eine höhere Liga wie die finnische Liiga angestrebt. Mit Alex Petan und Angelo Miceli konnten wir zwei Italo-Kanadier halten, was für uns schon aus Punktegründen eine gute Sache war. Auch sehr wichtig für uns war die Rückkehr von Marco Insam, der auch noch einige andere Angebote wie etwa ein KHL-Tryout hatte.

LAOLA1: Wie hat sich der Markt für Sie dargestellt?

Knoll: Es war heuer ein schwieriger Sommer – es waren sehr viele ECHLer auf dem Markt, aber weniger AHLer und vor allem die Centerposition hat mir lange Bauchweh bereitet. Wir waren heuer noch verstärkter als sonst in Übersee aktiv, meine Vorliebe für Kanadier ist ja bekannt, da ich der Meinung bin, dass die in den Playoffs immer noch zulegen können. Bei unserer Recherche, die bei allen Spielern von den einzelnen Kriterien am Eis bis zu den Fragen über ihren Charakter gehen, hat es ziemlich lange gedauert, bis der Kader fixiert war.

LAOLA1: Wie sehr hat sich Ihr Meistercoach, Kai Suikkanen, dabei eingebracht?

Meistertrainer Kai Suikkanen
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Knoll: „Eigentlich gar nicht, ich war heuer eigentlich erstmals ganz alleine in der Verantwortung. Er ist es aus Finnland gewohnt, dass die Coaches für das Coachen zuständig sind, der Sportmanager für die Zusammenstellung des Kaders. Natürlich hat er die Finnen Matti Kuparinen und Marcus Nordlund gekannt und für gut befunden, aber bei Kuparinen etwa hat mir Marco Insam, der mit ihm in Pori in einer Linie gespielt hat, weit mehr geholfen. Kai steht auf dem Standpunkt, dass es für ihn leichter ist, alle Spieler gleich zu behandeln, wenn er nicht in die Verpflichtungen involviert ist.“

LAOLA1: Steht der Kader jetzt endgültig fest?

Knoll: „Bis auf weiteres ja, vorläufig sind keine Neuzugänge mehr geplant. Wir haben aber noch Punkte offen, sodass wir noch reagieren könnten. Ich möchte mir aber die Vorbereitungs- und vielleicht auch die ersten Meisterschaftsspiele ansehen, damit ich weiß, wo eventuell der Schuh drückt.

Auch wenn wir schon den ersten Verletzten haben (Luca Frigo zog sich beim Teambuilding eine Knöchelverletzung zu und fällt etwa zwei Monate aus, Anm.), möchte ich jetzt noch nicht aktiv werden. Wir haben mit Ivan DeLuca und Viktor Schweitzer ja zwei weitere gute junge Italiener, die seine Rolle ausfüllen können.“

Wie immer die Playoff-Teilnahme, das wäre dann die sechste im sechsten Jahr. Schön wäre es, wenn wir gleich unter die ersten sechs Teams kämen.

Dieter Knoll über das Saisonziel

LAOLA1: Mit Kapitän Alexander Egger, der seine Karriere beendet hat, fehlt eine Konstante der letzten Jahre. Wie sehr wird er Ihnen auf und vor allem neben dem Eis abgehen?

Knoll: „Alex ist über die Jahre in die Kapitänsrolle hineingewachsen und seine letzte Saison war vielleicht sogar seine beste für uns. Mit Anton Bernard haben wir aber den Kapitän des Nationalteams in unserem Team, Marco Insam bringt sich auch immer stark bei der Integration der Legionäre ein. Dazu kommen noch Spieler wie Matti Kuparinen und Mike Blunden, die auch Erfahrung als Kapitän haben. Ich glaube nicht, dass wir ein Führungsvakuum haben werden.“

LAOLA1: Wie gestaltet sich die Vorbereitung heuer für Sie?

Knoll: „Wir haben heuer so schwere Gegner wie noch nie, nicht nur aufgrund der Champions-League-Teilnahme. Augsburg, Köln oder Ingolstadt sind auch harte Brocken, aber das passt auch dazu, wie wir uns über die Jahre entwickelt haben. Wir waren zuletzt auf Trainingslager in Corvara, was für die neuen Spieler ganz toll war. Vor allem die niedrigeren Temperaturen als in Bozen waren angenehm. Jetzt steht noch ein weiteres Camp in Neumarkt an. Wir können unsere Halle erst am 22. August beziehen, da wir einen sehr schönen Videowürfel bekommen haben.“

LAOLA1: Ihr Ziel für die kommende Saison?

Knoll: „Wie immer die Playoff-Teilnahme, das wäre dann die sechste im sechsten Jahr. Schön wäre es, wenn wir gleich unter die ersten sechs Teams kämen. Das erspart uns viel Nerven, denn eines dürfen wir nicht vergessen: Wir sind zwar Meister geworden, waren aber ein Tor von einem Nicht-Playoff-Platz entfernt. Es war ein Märchen mit perfektem Ausgang, aber ich habe auch nicht vergessen, wir knapp es war.“

Textquelle: © LAOLA1.at

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