Die neuen EBEL-Regeln unter der Lupe

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Von der EBEL kaum oder gar nicht publiziert – allerdings auf gamebook.at nachzulesen - gelten seit Saisonbeginn einige neue Regeln.

Von revolutionären Änderungen bis zu kosmetischen. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller mit der Analyse:

„Aggressive“ Fouls mit Mindeststrafe 2&2 Minuten

Bandencheck, Unerlaubter Körperangriff, Check von hinten, Check zum Kopf, Ellbogencheck sowie Treten, Kniecheck und „Slew-Footing“ (= „Die Bock wegziehen“) ziehen alle mindestens eine Vier-Minuten-Strafe mit sich.

Die Gründe dafür: Wurden unterschiedlich angeführt. Einerseits, um Spieler mit „Skills and Speed“ zu schützen, andererseits klammerten sich die Refs zu sehr an Verletzungen (tatsächlich oder vorgetäuscht), um zwischen kleinen oder großen Strafen zu unterscheiden.

Die Konsequenzen: Auch wenn es die Ligaoffiziellen dementierten – diese Änderungen sind revolutionär. Harte Attacken gegen den Körper stehen damit noch mehr auf dem Index, schon über die Jahre wurde (von der NHL bis nach Europa) das Fertigfahren von früher tolerierten Checks immer härter bestraft. In den ersten zehn EBEL-Spielen führte diese Änderung zu sechs Vier-Minuten-Strafen. Ein 08/15-Check wie von Znojmos Jiri Beroun im Auftaktspiel gegen Linz sorgte dann auch für vierminütigen Dauerdruck der Gäste und den zwischenzeitlichen Ausgleich. Werden Energiespieler wie Sascha Bauer, Patrick Spannring oder Jesse Mychan in Zukunft ganz auf Checks verzichten?

Es wird interessant sein, ob diese Strafverschärfung auch in anderen Ligen Einzug hält (neues IIHF-Regelbuch ab nächstem Sommer) – nur die CHL, wo allerdings auch EBEL-Director of Hockey Operations Lyle Seitz federführend ist, übernahm diese Regel heuer. Aber wäre es nicht genug gewesen, die Schiris dazu aufzufordern, bei „Wow“-Checks (unabhängig von Verletzungsfolgen) auf große Strafen zu entscheiden?

Kicktore

Noch genauer als zuvor festgehalten – eigentlich gilt jedes Tor mit dem Schlittschuh, außer wenn der Angreifer wirklich wie ein Fußballer Richtung Scheibe kickt. Das Hinstellen des Schlittschuhs bzw. das Drehen zum Ablenken ist dezidiert erlaubt.

Die Konsequenzen: Normalerweise sollten die Diskussionen über Schlittschuhtore weiter abnehmen, allerdings hängen immer noch zu viele Kommentatoren bzw. Fans längst veralteten Regeln nach. Es sollen mehr Tore an- als aberkannt werden.

Zwar in mehr Worte gefasst als anderswo, aber diese Auslegung gilt auch in der NHL und setzt sich auch mehr und mehr in Europa durch. Selbst die DEL, wo bis heuer eigene Kriterien galten, änderte ihre Denkweise und übernahm diese Auslegung.

Attacken gegen den Schiedsrichter

Die Refs müssen nun selbst entscheiden, in welche Kategorie Attacken gegen sie fallen. 1 – Ein Spieler reißt sich vom Ref in übermäßiger Form los. 2 – Eine Attacke ohne Verletzungsabsicht. 3 – Attacke mit Verletzungsabsicht. Das DOPS legt dann aufgrund dieser Beurteilung die Strafen fest: 1 – bis zu drei Spiele. 2 – Drei bis sechs Spiele. 3 – Sieben Spiele bis lebenslang.

Die Konsequenzen: Wird hoffentlich nicht oft benötigt, aber die Refs bilden hier eine Vorstufe zum DOPS-Urteil und müssen sich deklarieren, wie sie die Attacke gegen sich einschätzen. Zum Vergleich: In der Schweizer NL wurde gerade Defender Timo Helbling für sechs Spiele gesperrt, der einen Head von hinten über den Haufen rannte. Dabei zeigte sich aber auch das Hauptproblem dieser Regel: Gerade der Ref, der von hinten gecheckt wird, weiß natürlich ohne TV-Bilder nicht, wie ihm geschah.

Spieldauer- statt Matchstrafen

Mit wenigen Ausnahmen (z. B. Beißen, Spucken, Treten oder Kopfstoß) dürften die Refs nur mehr Fünf & Spieldauer statt Matchstrafen aussprechen.

Die Konsequenzen: So gut wie keine – beide Strafen ziehen eine fünfminütige Unterlegenheit und den Ausschluss den Spielers nach sich, den Rest übernimmt sowieso das DOPS.

Strafen nach Fights

Eigentlich eine Regulativ- statt einer Regeländerung, auf dem Eis bleibt alles gleich: In Zukunft zieht der zweite Fight eines Spielers (und jeder weitere) eine Sperre nach sich.

Die Konsequenzen: Etwas rätselhaft – die EBEL zeigte sich bei Fights seit Jahren in Europa (neben der britischen Liga) am liberalsten und ermutigte Spieler zu Faustkämpfen, indem sie wie in der NHL auf Spielausschlüsse verzichtete. Jetzt sollen häufige Fighter offenbar zur Räson gebracht werden.

Regeln zum Torhüter und dem Torraum

Die Grauzonen – Tore, bei denen Angreifer im Torraum stehen und den Torhüter behindern, berühren oder die Sicht nehmen – sollen mehr als Schwarz oder Weiß-Situationen festgehalten werden. Wie bei den Kicktoren: Treffer sind eher an- als abzuerkennen.

Die Konsequenzen: Schon über die letzten Jahre wurden Situationen um den Torraum im Regelbuch genauer festgehalten, die EBEL richtete sich hier immer nach der NHL-Auslegung. Selbst die eher konservative DEL dachte nun um und gesteht Angreifern mehr Rechte im Nahkampf ums Tor herum zu.

Eine Faustregel dazu: Ein Kommentator oder Experte, der noch vom „Torraumabseits“ spricht, hat die Entwicklung von mindestens einem Jahrzehnt verschlafen.

Weitere Änderungen – z. B. der Mittelpunkt wird nicht mehr für Faceoffs benutzt, welche Spieler dürfen bei Faceoff-Vergehen weggeschickt werden oder nicht – sind entweder rein kosmetisch oder werden niemandem auffallen.

Fazit

Die EBEL verpasst sich gerne ein eigenes Regelwerk bzw. sieht sich als Vorreiter in Europa. EBEL-Refs, die auch IIHF-Spielen, andere Seniorenligen bzw. im Nachwuchs pfeifen, sind aber gut beraten, sich für jedes Spiel das jeweilige Regelwerk ins Gedächtnis zu rufen.

Textquelle: © LAOLA1.at

Erster EBEL-Sieg für Vizemeister KAC, Linz-Erfolg in Graz

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