Die Final-These des EBEL-Scouts

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Das Final-Faceoff des LAOLA1-Scouts

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Red Bull Salzburg gegen Orli Znojmo.

Eine Finalpaarung (Freitag, 19:30 Uhr im LIVE-Stream), die aufgrund des Grunddurchgangs (Erster gegen Zweiter) nicht überraschend ist, aber beide Teams hatten Probleme bzw. Zweifel zu überwinden.

Der Ausblick von LAOLA1-Scout Bernd Freimüller:
 

Red Bull Salzburg
 

  • Schlüsseltransfer

Der Zuzug von Juuso Riksman spülte zwar mit Fabian Weinhandl und Marco Brucker zwei Österreicher über Bord, war aber ein Schlüssel zum Erfolg. Mit dem äußerst nervösen Luca Gracnar im Tor wäre wohl schon im Viertelfinale gegen den KAC Schluss gewesen, agierte dieser doch um nichts besser als sein Gegenüber Rene Swette. Riksman steigerte sich von Spiel zu Spiel und hielt vor allem seine Konzentration in den knappen Partien gegen den VSV stets aufrecht. Der 38-jährige Finne ist ein ruhiger Vertreter seine Zunft, füllt das Tor gut aus und neigt nicht zu „Desperation Saves“.

  • Taktikfeinheiten

Nach den ersten Spielen gegen den KAC zeigte sich Coach Dan Ratushny lernfähig. Das Erfolgsrezept des letzten Jahres – da allerdings noch mit einer besseren Mannschaft – wurde vorläufig ad acta gelegt: Wo noch drei Stürmer stets rotierten und ein Verteidiger sich in den Rücken der Abwehr schlich, bleibt jetzt der Center zurück und auch die Defender pinchen weit weniger. Das Resultat waren Low-Scoring Games gegen den VSV, in welchen die Roten Bullen aufgrund ihrer größeren individuellen Klasse die notwendigen Tore fanden. Spannend: Finden die Salzburger in der Finalserie einen Mix zwischen diesen beiden Systemen oder bleiben sie bei ihrer konservativen Variante?

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Bernd Freimüller

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  • Personalstand

Ein weiteres Problem, das zu Niederlagen gegen den KAC und VSV führte: Selbst ein eigentlich tiefer Kader wie der der Roten Bullen kann nicht fünf Stürmerausfälle wegstecken, das Resultat war eine Überbeanspruchung der Toplinie Sterling-Duncan-Hughes.  Seit Manuel Latusa, Alexander Kristler und Daniel Welser  wieder zurück sind, sieht das ganze wieder weit ausgeglichener aus. Im Finale könnte als Joker und zusätzliche Offensivwaffe sogar wieder Point-Per-Game-Scorer Luciano Aquino zur Verfügung stehen.

  • Key Player

Matthias Trattnig läuft in den Playoffs zur Hochform auf
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Neben Riksman und der Toplinie natürlich die üblichen Verdächtigen: Playoff-Löwe Matthias Trattnig sowie die beiden Offensivbringer von der blauen Linie Brian Fahey und Dominique Heinrich. Im Angriff blüht Ben Walter in den letzten Wochen wieder auf, nachdem man zur Trading Deadline sogar über seine Abmeldung nachdachte. In der Hierarchie nach oben geklettert: Peter Hochkofler. Zu Beginn der Saison von Ratushny nicht berücksichtigt, killt er jetzt sogar Strafen und steht bei knappen Partien in der letzten Minute auf dem Eis.

  • Wege zum Erfolg

Verkehr vor dem Tor und physisches Spiel. Brett Sterling hat zwar seinen Kredit bei den Refs verspielt, wirft sich dessen ungeachtet weiter kopfüber ins Getümmel. Dort müssen sich auch Per Ledin und Daniel Welser gegen die Znaimer einbringen, beide Goalies der Tschechen kommen bei Verkehr noch mehr in Nöte als ohnehin schon. Und ohne dumme Strafen zu nehmen, müssen die Salzburger ihre Gegenspieler auch weit härter bearbeiten als es Dornbirn oder Linz taten.

 

HC Orli Znojmo
 

  • Schlüsseltransfer

Andre Lakos ist derzeit in aller Munde. Bei der Suche nach einem großgewachsenen Defender wurde Sport Manager Rostislav Docekal beim arbeitslosen Wiener fündig und machte einen Volltreffer: Vom ersten Spiel an fügte sich Lakos nahtlos ein, nutzt seine Reichweite und agierte auch cleverer und konservativer als in Wien. Wenn er Lücken findet, schaltet er sich in den Angriff ein, ansonsten begnügt er sich mit einem ersten Pass oder gar mit einfachen Zone Clearings. Der 36-jährige verträgt viel Eiszeit und verteilt die Scheibe im Powerplay gut. Sein wichtigster Faktor: Er macht seine Mitspieler größer - seine Präsenz scheint dem oft hasenfüßigen Team mehr Mut einzuhauchen, ohne dass er übermäßig physisch agieren muss.

  • Taktikfeinheiten

Nach den Auftaktniederlagen gegen Dornbirn setzte auch ein kollektives Umdenken ein, vor allem die Center agieren weit defensiver als zuvor, die Flügel setzten sich auch nicht mehr so vorzeitig ins Mitteldrittel ab wie auch schon. Allerdings lassen sich die Verteidiger weiter gerne hinters eigene Tor locken, was zu großen Löchern im Slot führt.

Wer wird EBEL-Champ?

Angriff ist weiter die beste Verteidigung für die Tschechen, viele ihrer Tore resultieren aus Odd-Man-Breaks. Eine weitere Variante: Abgefälschte Flachschüsse von der blauen Linie, wobei die Stürmer nicht wie Sterling oder Ledin im Slot verharren, sondern im Drive-By-Modus scoren. Hier gilt es die Stöcke der Angreifer zu blockieren.

  • Personalstand

Die Adler sind bis auf die langzeitverletzten Martin Baca und Jan Seda ziemlich verletzungsfrei. Der Fingerbruch von Defender Jan Senkerik spielt keine große Rolle. Bestes Beispiel für die gute Personalsituation: Der langjährige Einserdefender Lubomir Stach fiel zuletzt krankheitsbedingt aus und ging trotzdem nicht ab. Der Kader der Tschechen ist breit und ausgeglichen, Jan Lattner springt dazu noch zwischen Verteidigung und Angriff hin und her.

  • Key Player

Die Linie mit Colton Yellow Horn, Corey Trivino und Ondrej Sedivy war zuletzt die 1A-Reihe, knapp gefolgt vom Oldie-Pärchen Peter Pucher und Roman Tomas. Tomas, mit einem der härtesten Schüsse der Liga ausgestattet, hat einen Riecher um den Slot herum, lässt sich heuer aber auch etwas weniger einschüchtern als letzte Saison. Yellow Horn nimmt sich mit der Scheibe alle Zeit der Welt, seine Hände sind – im Gegensatz zu seiner barocken Figur – fast NHL-würdig. Der schussstarke Defender Antonin Boruta schießt derzeit wie eine Haubitze, Center Martin Podesva veredelte sein dynamisches Spiel zuletzt mit wichtigen Toren. Das Lateral Skating von Defender Martin Sulak ist einer besseren Liga würdig.

Gilt als Znojmos stabilerer Torhüter: Jan Lukas
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Meine These deshalb: Wenn Jan Lukas die ganze Serie im Tor durchspielt, sind die Znaimer Meister. Denn Coach Jiri Reznar wechselt nach Niederlagen gerne seine Goalies, die sicher nicht zu den besseren der Liga gehören. Lukas agiert dabei aber noch etwas stilsicherer als Patrick Nechvatal. Beide sind immer für ein oder zwei gute Spiele in Serie gut, Znojmo benötigt kein überragendes, aber brauchbares Torhüterspiel.

  • Wege zum Erfolg

Run-and-Gun wäre vielleicht etwas zu krass formuliert, aber die meisten Spiele gewinnen die Tschechen, wenn ihre Offensive die des Gegners übertrumpft. Aber heuer agieren sie etwas konservativer und mutiger als in den Playoffs der Vorsaisonen, wurden allerdings in den 12 bisherigen Spielen nur beim 5:7 in Linz physisch gefordert. Salzburg liegt den Tschechen schon seit Jahren, vor allem weil sie Feuer (=Offensive) mit Feuer bekämpfen können.  Sollten die Adler ihr Spiel wie bisher in den Playoffs weiter gut an den Gegner anpassen  und ihre Kaderbreite nutzen, haben sie sehr gute Chancen.

 

Bernd Freimüller


>>> 1. Finalspiel Salzburg - Znojmo am Freitag, 19:30 Uhr im LIVE-Stream <<<

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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