Analyse der EBEL-"Urlauber"

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Die Analyse der EBEL-"Urlauber"

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Fünf österreichische EBEL-Teams befinden schon auf Urlaub. Ein Blick auf ihre Stärken und Schwächen sowie ihre Einkaufszettel für die Off-Season:

Dornbirner EC

Was lief schief?

Eigentlich alles, einzig die Leistungen in der Hoffnungsrunde ließen die Saison noch halbwegs versöhnlich enden. Doch ohne dieses Waldorf-Prinzip der EBEL hätte die Saison schon vorzeitig im Desaster geendet, die Bulldogs standen vom ersten Spieltag an mit dem Rücken zur Wand und hatten nie Anschluss an die Top 6.

Was gibt es zu tun?

Weiß Gott, Coach Dave MacQueen wird eher nicht als großer Förderer von jungen Österreichern durchgehen. Nur: Die einheimischen Cracks, die ihm Manager Alex Kutzer im letzten Sommer kredenzt hatte, waren fast durchwegs unbrauchbar. Bestes Beispiel: Mit ihnen im Lineup sackte Farmteam Bregenzerwald vom INL-Meister zum AHL-Nachzügler ab.

Scout Rick Nasheim muss beweisen, dass er den österreichischen Markt kennt und so den Kader auf breitere Beine stellen kann. Spiele mit nur fünf Defender im Lineup gehen nicht einmal mehr als Retro-Ereignis durch...

Gründe zum Optimismus?

Die Bulldogs haben in ihrer EBEL-Gesichte immer eine gute auf eine schlechte Saison folgen lassen. Mit einem breiteren Kader bzw. besseren Legionären sollten die ersten 44 Runden wieder mehr Genussaroma verströmen.

Gründe zum Pessimismus?

Dass Spieler wie Goalie Florian Hardy oder Defender Mike Caruso immer noch diskutiert werden, ist unverständlich. Vor allem auf der Torhüterposition ist ein Upgrade unausweichlich, Hardy ließ zu oft ein oder zwei weiche Tore pro Spiel zu.

Villacher SV

Was lief schief?

Die erste Saisonhälfte war noch absolut in Ordnung, vor allem wenn man die Verletzungsmisere betrachtete. Doch spätestens im neuen Jahr zerfiel das Team in alle Einzelteile, Coach Greg Holst stand dem Abwärtstrend fast aller Spieler wehrlos gegenüber.

Was gibt es zu tun?

Auf den Legionärspositionen wird wieder fleißig durchgewechselt werden. Die Tendenz, wieder körperlich stärker zu werden, ist richtig, zu oft wurden die Adler vor dem eigenen Tor übermannt. Mehr Größe sowie breiteres Scoring muss angestrebt werden. Gut, dass hier keine langfristigen Verträge im Wege stehen.

Gründe zum Optimismus?

Der VSV verfügt über eine Reihe von soliden einheimischen Tiefenspielern, dazu kommt jetzt noch offenbar Heimkehrer Niki Petrik. Mit den Jahrgängen 99 und 2000 stehen noch dazu einige hoffnungsvolle Talente vor dem Sprung in die Kampfmannschaft. Für genügend Tiefe im Kader ist also gesorgt, bei einem glücklicheren Händchen am Legionärsmarkt sollte der Trend wieder nach oben gehen.

Gründe zum Pessimismus?

Coach Greg Holst rettete nur sein Vertrag vor dem Rausschmiss – findet er wieder zu seiner Philosophie seiner ersten Saison, als er ein Vier-Linien-Spiel forcierte?

Die einheimischen Cracks sind zwar brave Soldaten, bis auf Christian Jennes und Benjamin Petrik aber nur mit überschaubarem Scoring-Talent ausgestattet. Legionäre nur mit dem Metermaß auszusuchen, hieße das Kind mit dem Bade auszuschütten – Rollenspieler gibt es im Kader genug, man braucht Talent und die EBEL ist für körperlich starke Defensivverteidiger nur selten ein gutes Pflaster.

Will man ernsthaft mit Goalie Olivier Roy wieder in die neue Saison gehen? Er meldete sich in der letzten Saison viermal verletzt vom Spielbetrieb ab. Ein neuerliches Engagement wäre ein Tanz auf der Rasierklinge.

Graz 99ers

Was lief schief?

In der ersten Saisonhälfte setzte Coach Ivo Jan zu sehr auf seine Spitzenkräfte. Nachfolger Doug Mason brachte wieder mehr Tiefe und Ordnung ins Team. Salzburg war in den Playoffs einfach ein zu übermächtiger Gegner.

Was gibt es zu tun?

Sowohl auf dem in- und ausländischen Markt ist noch genug Platz zur Verbesserung, auch wenn finanziell sicher keine großen Sprünge gemacht werden können. Einzig das zweite Vertragsjahr des äußerst durchschnittlichen Ken Ograjensek muss schmerzen, sonst hat Mason freie Hand.

Gründe zum Optimismus?

In Graz hat wirklich ein Umdenken stattgefunden, der Österreicher-Stamm wächst sowohl qualitativ als auch quantitativ an. Die Rückkehr von Daniel Oberkofler beweist, dass die 99ers von heimischen Cracks nicht mehr als letzte Tankstelle vor der Wüste angesehen werden. Mit Oberkofler, Oliver Setzinger, Daniel Woger oder Clemens Unterweger (so gesund) stehen Mason einige überdurchschnittliche Österreicher zu Verfügung, dazu kommen noch einige Rollenspieler. Bei der richtigen Legionärsauswahl ist eine weitere Playoff-Qualifikation möglich.

Gründe zum Pessimismus?

Doug Mason gilt mittlerweile als sehr guter Feuerwehrmann, der aus einem vorgegebenen Personalstamm das Maximum herausholen kann. Doch als großer Kenner des Legionärsmarktes gilt er nicht. Sollte sich das beweisen, droht ihm ein Schicksal wie Jim Boni oder Greg Holst in ihren zweiten Vertragsjahren.

Ohne den überragenden Goalie Sebastian Dahm (tendiert in die DEL) wäre das Playoff wieder außer Reichweite geblieben. Kann ein ähnlich starker Torhüter im Sommer gefunden werden?

Innsbrucker Haie

Was lief schief?

Eigentlich nicht sehr viel, allerdings schien mit dem Einzug in die Playoffs die Luft etwas draußen gewesen zu sein. Die Vienna Capitals wären auch gegen jeden anderen Gegner ohne Probleme weitergekommen.

Was gibt es zu tun?

Der Kader muss auf breitere Beine gestellt werden, schon jetzt haben sich aus dem ohnehin sehr knappen Inländerstamm Mario Huber und Kapitän Patrick Mössmer verabschiedet. Ein zusätzlicher Legionär würde nicht überraschen, doch der Tiroler Weg könnte zu einem noch größeren Problem als sonst werden.

Gründe zum Optimismus?

Der (Legionärs)-stamm des Teams bleibt bestehen, damit ist ein guter Kerncharakter garantiert. Coach Rob Pallin bewies im letzten Sommer ein gutes Händchen, daher kann man hoffen, dass die Topblöcke wieder stark besetzt sind.

Gründe zum Pessimismus?

Noch eine Saison fast ohne Verletzte wäre ein Wunder und groß wird der Kader wieder nicht sein. Woher Qualitätsösterreicher nehmen?

Bei aller (berechtigter) Kritik an Goalie Andy Chiodo: Immerhin bewies er sich über die Jahre als Marathonmann der Liga. Wenn in Zukunft ein Torhüter Patrik Nechvatal heißt, muss der zweite (Legionärs)-Torhüter schon eine richtige Alternative sein.

Auch bei Fehervar konnte Pallin auf eine Playoff-Qualifikation in der ersten Saison verweisen – gelingt ihm in Tirol im Gegensatz zu Ungarn eine Wiederholung dieses Coups?

Black Wings Linz

Was lief schief?

Auch nach dem Abgang von Langzeit-Coach Rob Daum gilt aufzuarbeiten, warum das Team nach der Februar-Pause völlig in sich zusammenbrach. Die Scorer scorten nicht mehr, Goalie Ouzas flatterte, dazu kamen noch Verletzungen und (dumme) Sperren. Die Qualität im Kader war sicher über die der Bozner zu stellen. Allerdings: Mit Rob Hisey den einzigen schnellen Center wegzuschicken, kann im Nachhinein durchaus kontrovers diskutiert werden...

Was gibt es zu tun?

Einen Coach zu finden natürlich – nach dem sechsjährigen Daum-Regime muss Manager Christian Perthaler zeigen, dass er in diesem Metier nicht eingerostet ist. Wichtigste Frage: Sucht man einen Systemerhalter, der versucht, aus der Mannschaft das Letzte herauszupressen oder jemanden, der vielleicht doch mehr als Bindeglied zwischen Legionären und einheimischen Kräften auftritt? An Bewerbern aller Couleurs mangelt es natürlich nicht.

Am Spielermarkt sollte Perthalter unabhängig von der Coachsuche aber vor allem am Österreichermarkt tätig sein. Mit Daniel Oberkofler verabschiedete sich schon einer der besseren (wenn auch keineswegs überragenden) einheimischen Cracks.

Gründe zum Optimismus?

Das Scheitern im Viertelfinale war eigentlich der erste große Rückschritt seit Jahren. Die Organisation ist finanziell weiter gut aufgestellt, frischer Wind hinter der Bande sollte durchaus auch gut tun. Mit Brian Lebler und Fabio Hofer stehen immer noch zwei Top-Österreicher unter Vertrag.

Gründe zum Pessimismus?

Trainerkandidaten gibt es wie Sand am Meer, wenn es um die Qualität geht, dünnt sich das Angebot aber immer schnell aus. Bei allen Macken, die auch ein Rob Daum hatte: Einen fähigen Nachfolger zu finden wird nicht leicht.

Auf den Legionärspositionen gilt es für Brett McLean und Rob Potulny Nachfolger zu finden, beide erwiesen sich spätestens in den Playoffs als zu fußlahm. Selbst bei gutem Geld ist die Centerposition nie leicht zu füllen.

Bis auf Erik Kirchschläger und vielleicht Gerd Kragl rückt aus dem Nachwuchs niemand nach, am anderen Ende des Altersspektrums sind die Lukas-Brüder natürlich auch nicht mehr in der Blüte ihrer Jahre angesiedelt.

Glaubt nach den Playoffs der letzten Jahre noch jemand daran, dass Mike Ouzas ein Money-Goalie in der EBEL ist? Sein noch laufender Vertrag verhindert Handlungsspielraum auf dieser wichtigen Position...

VIDEO - Die CHL ist beendet:

Textquelle: © LAOLA1.at

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