Black Wings Linz: Locke und Dowell im LAOLA1-Check

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Ein neuer Coach, aber fast das gleiche Team: Die Black Wings Linz gingen unter Troy Ward fast unverändert in die EBEL-Saison 2017/18.

Die Ausnahmen: Die beiden Center Corey Locke und Jake Dowell.

"Wir haben keine zwei Zwei-Weg-Center geholt, sondern jeweils einen offensiven und defensiven Mittelstürmer", sagt der Trainer über seine neuen Schützlinge. Zwei völlig unterschiedliche Typen also, die den Stahlstädtern endlich wieder einen Anlauf auf den Titel ermöglichen sollen.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller hat den Beiden auf die Schläger geschaut.

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Portrait Corey Locke Corey Locke (Kanada, 33 Jahre, 175cm, 75kg)

Es ist bereits sein zweites Jahr in der Liga, nachdem er in der letzten Saison in Villach Liga-Topscorer wurde. Davor war er in Finnland, der DEL und der NLB tätig, seine Stärken und Schwächen sollten daher hinlänglich bekannt sein.

Aber sind sie das wirklich? Wie aus VSV-Kreisen in der letzten Saison zu hören war: "Er fällt dir kaum auf, dann schaust du nach dem Spiel auf den Spielbericht und siehst, dass er drei Punkte gemacht hat."

Locke ist definitiv ein Playmaker, und so viele dieser Spezies gibt es ja nicht mehr. Grundsätzlich ist er ein Center, er wurde allerdings in Deutschland auch schon auf den Flügel verfrachtet. Der Grund dafür: Seine defensiven Schwächen, vor allem das Coverage in der eigenen Zone. Öfters befindet er sich zwischen Baum und Borke, hat den Puck zu sehr im Auge.

Aber nicht nur im eigenen Drittel agiert er ab und an wenig zupackend: Nach Puckverlusten seines Teams in der offensiven Zone verweilt er noch gerne dort, selbst wenn das Spielgeschehen sich Richtung Mitteldrittel verlagert. Er hofft dann noch auf einen Turnover, sodass er eventuell hinter der gegnerischen Abwehr vergessen bleibt und so nochmals an den Puck kommt. Den endgültigen Weg nach hinten tritt er oft erst mit Verzögerung und nicht im höchsten Speed an, sodass sein Team sich einer numerischen Unterlegenheit gegenübersieht.

In Zweikämpfen ist Locke sicher kein Meister, aber auch nicht kategorisch unterlegen. Um den Puck zu erobern, verwendet er Sweep Checks und Stick Lifts, bei roher Kraft ist er sicher unterlegen. In der offensiven Zone sucht er nicht unbedingt die Bereiche mit großem Verkehrsaufkommen, ist aber umgekehrt auch nicht soft. Den Slot kennt er eher als Drive-By-Spieler, seine Rolle ist es auch nicht, dort länger zu verharren, sondern die Spieler dort mit Pässen zu managen.

Eisläuferisch ist er für die EBEL okay, in der DEL war das neben seinem Mangel an Körperspiel (und Conditioning) ein großer Kritikpunkt und in Finnland kam er deshalb überhaupt nicht zurecht. Er macht kleine Schritte, hat anständige Quickness, aber wird keine großen Eislaufduelle gewinnen. Er muss ganze Spielzüge voraus denken, um so Duelle zu gewinnen.

Seine gute Hand-Auge-Koordination kommt ihm bei Faceoffs zugute. Im Gegensatz zu Dowell, der hier mit Kraft agiert, verlässt sich Locke auf seine flinken Hände. Er ist in Linz auch hier als Nummer 1 gereiht, selbst wenn Dowell mit ihm am Eis steht.

Das kommt vor allem im Powerplay vor, Lockes Spezialdisziplin. Nach gewonnenen Anspielen zieht es ihn über kurz oder lang zur rechten Halfwall, wo er ungefähr von den Hashmarks bis zur Torlinie und ab und zu darüber hinaus agiert. In dieser Rolle ist er wohl der beste in der EBEL: Von dort managt er seine Kollegen und es gibt keinen Pass, den er nicht anbringen kann, selbst wenn sich vor ihm ein Wald an Stöcken und Schlittschuhen auftut.

Vor allem gefragt: Pässe vom rechten Bullykreis in den Rücken der Abwehr, sogenannte Back-Door-Plays auf Joel Broda oder Sebastien Piche, die sich dann von der blauen Linie lösen. Teams erwarten aber mittlerweile diese Pässe, versuchen diese wegzunehmen und lassen Locke gewähren.

Dieser war immer ein Pass-first-Player, sein Tor-Assist-Verhältnis lag zwar nicht im Fruchtsirup-Verhältnis von 1:7, aber doch ungefähr bei 1:3 bis 1:4. Seine letztjährigen "offiziellen" Zahlen (12 Tore, 64 Assists) waren sicher auch der üblichen EBEL-Unschärfe bei Vorlagen gestundet. Doch Locke sollte den ihm gewährten Raum zumindest für ab und an zu einem Move zum Tor nutzen, sein Schuss ist sicher nicht überwältigend, aber doch genau. Derzeit agiert er etwas zu viel vom Perimeter und ist daher zu leicht auszurechnen.

Nicht nur im Powerplay definiert sich Locke über sein Passspiel: Er kann einerseits gut Zeit für sich kaufen und dann im rechten Moment den punktgenauen Pass spielen, in anderen Momenten agiert er schneller und der Puck verlässt seinen Stock in einer schnellen Bewegung. Hier fehlt es aber noch an der Abstimmung mit seinen Linemates Fabio Hofer und Joel Broda. Ward stellte zuletzt gegen Dornbirn auch um, mit den neuen Linemates Lebler und Gaffal bildete er aber eine Linie mit sehr wenig Footspeed.

Ein Problem auch, dass Locke immer widerfährt: Nachdem er im Penaltykilling nicht eingesetzt wird, kann sich seine Eiszeit von Drittel zu Drittel stark ändern. Bei den jetzt häufiger ausgesprochenen Vier-Minuten-Strafen steht er entweder sehr viel (im Powerplay) oder eben gar nicht auf dem Eis.


VIDEO - Wir haben ein gutes Omen für die Black Wings Linz!


Portrait Jake Dowell Jake Dowell (USA, 32 Jahre, 183cm, 91kg)

Im Gegensatz zu Locke, der im Linzer System noch Luft nach oben haben sollte, zeigt Dowell genau das, was man sich von ihm erwarten durfte – ein Spieler, zu dem Scouts "what you see is what you get" notieren.

Er war schon seit geraumer Zeit in der AHL vor allem für seine "Intangibles" beliebt, sprich für das, was er abseits vom Eis bringt. Er trug über die letzten Jahre stets ein "A" oder "C" auf seinem Sweater – ein sicheres Zeichen für seinen Status bei Coaches und Mitspielern.

Das kann man auch auf dem Eis mitbekommen – gibt es Stunk, ist er sofort dabei, allerdings nicht als Provokateur, mehr als Beschützer. Es hat seine Emotionen unter Kontrolle, nimmt eigentlich keine dummen Strafen und die strengere Bestrafung von mehrmaligen Fights wird sich auch zu ihm durchgesprochen haben. Doch wenn er gerufen wird, ist er sicher da. Auch, dass er zuletzt trotz einer Verletzung auflief, überrascht nicht.

In der AHL war er zuletzt ein Viertlinien-Center, der aber im Penalty Killing regelmäßig eingesetzt wurde. Auch in Linz ist er erste Wahl im Penaltykilling, meistens an der Seite von Kevin Moderer, wo er sogar während einer Strafe zum Einsatz kommen kann.

Er kommt aber auch im Powerplay zum Zug – im Block mit Corey Locke geht er vors Tor, verdeckt dem Goalie die Sicht bzw. soll Defender auf sich ziehen, um Locke so Platz für seine Cross-Ice-Passes zu geben. Seine Tore wird er da durch Deflections ober Rebounds machen, sicher nicht durch Finesse Plays.

Ähnliches gilt auch für das Spiel bei 5-gegen-5. Dowell kann die Pässe machen, die man erwartet, "High Percentage Plays", die sicher sind, aber keinerlei Überraschungsmomente anbieten. Das Problem in seiner Linie: Weder Moderer noch Patrick Spannring sind Puck Carrier, daher kann es passieren, dass die Linie bei allem Kampfeseifer im eigenen Drittel festgenagelt wird.

Die Routine ist Dowell bei der Abwehrarbeit anzumerken: Selbst in Druckphasen läuft er nicht blind herum, er driftet immer zur Mitte des Eises ins "House", versucht dieses für Pässe durch den Slot zu blockieren, Schüsse zu blocken oder den gegnerischen Center zumindest zu neutralisieren. Auch beim Backcheck nimmt er im Gegensatz zu Locke die Augen vom Puck ("does not get mesmerized by the puck") und versucht, etwaige Trailer zu eliminieren.

Dowell bekommt natürlich mehr "Defense Zone Starts" als Locke, vor allem, wenn es darum geht, einen Vorsprung zu verteidigen. Er ist ein Mann für "LMD" ("Last Minute Defense"), aber auch "LMO", etwa als Alternative zu Locke, wenn dieser vom Faceoffs weggeschickt wird bzw. als Rammbock vor dem Tor. Durch seine Einsätze in beiden Special Teams ist seine Eiszeit natürlich konstanter als die von Locke.

Wer sich große offensive Beiträge von Dowell erwartet hat, ist von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Seine Rolle in der AHL in den letzten Jahren war klar definiert und wurde mit leichten Abänderungen auch von Troy Ward in Linz übernommen. Angesichts der vielen Black-Wings-Torjäger stellt er einen völlig anderen Spielertyp da. Allerdings: Die Bottom-6 werden auch mit ihm wohl nicht torgefährlicher, eine zweistellige Saisonausbeute läge für mich aber schon über den Erwartungen.

Auch ein weiteres Linzer Manko kann Dowell nicht beheben: Den Teamspeed erhöht er sicher nicht, für mich sind nur Fabio Hofer und Rick Schofield überdurchschnittliche Skater unter den Linzer Angreifern. Dowell steht zwar stabil auf den Eisen, sein Topspeed ist aber überschaubar, genauso seine Agilität. Verglichen mit Bozens Mike Angelidis, dessen Rolle in der AHL (Kapitän, Mann für den Verkehr und fürs Grobe) eine ähnliche war, kommt er aber schneller auf Touren...

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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