Fourcade feiert souveränen Favoriten-Sieg

Aufmacherbild Foto: © getty
 

Österreichs Biathleten müssen bei der Heim-Weltmeisterschaft in Hochfilzen weiter auf ihre erste Medaille warten.

Julian Eberhard landet im 12,5-km-Verfolgungsrennen nach drei Strafrunden als bester auf Rang acht. Auf Sieger Martin Fourcade fehlen dem Salzburger 48,1 Sekunden. Der Franzose wird seiner Favoritenrolle gerecht und feiert mit einer Strafrunde einen souveränen Sieg.

Die Norweger Johannes Thignes Bö (3/+22,8) und Rekord-Weltmeister Ole Einar Björndalen (1/+25,6) komplettieren das Podest.

Simon Eder verbessert sich trotz dreier Strafrunden um zehn Ränge und wird unmittelbar vor Sprint-Sieger Benedikt Doll (GER/3) Zwölfter. Dominik Landertinger kommt am Schießstand nicht zurecht, muss vier Mal in die Strafrunde und beendet das Rennen als 21.

Daniel Mesotitsch schießt gar fünf Mal daneben und muss sich mit Rang 50 zufrieden geben.

Fourcade eine Klasse für sich

Fourcade übernimmt vor fast 20.000 Zuschauern bereits nach einem fehlerfreien ersten Schießen die Führung, da Sprint-Sieger Benedikt Doll und Bö je einmal daneben schießen und in die Strafrunde müssen.

Fourcade baut seinen Vorsprung immer weiter aus, kann sich locker einen Fehler beim letzten Schuss leisten und läuft entspannt zu seiner ersten Gold-Medaille in Hochfilzen. Nach Bronze im Sprint und Silber in der Mixed-Staffel hat Fourcade seinen Medaillensatz in Tirol komplettiert.

""Es ist unglaublich, es war auch am Schießstand bis zum letzten Schuss ein perfekter Tag. Ich bin sehr glücklich. Ich habe schon einige Siege, aber heute ist es sehr, sehr schön. Die Zuschauer waren fantastisch. Ich bin einfach so glücklich", strahlt der 28-Jährige nach seinem 11. WM-Titel im Ziel.

Der Weltcupspitzenreiter hatte sich zuletzt eine öffentliche Kontroverse mit den aufgrund der Staatsdopingaffäre unter Beschuss stehenden Russen verstrickt. Der Sieg in seiner Lieblingsdisziplin sei aber keineswegs so etwas wie eine Revanche, bekräftigt Fourcade nach dem bereits elften Saisonsieg.

Er sei vielmehr stolz, bei seinem 60. Einzelsieg gemeinsam mit zwei der größten Talente des Sports auf dem Podium zu stehen, scherzte er über Bö und den 20 Jahre älteren Björndalen. Russlands Topmann Anton Shipulin landete übrigens zwölf Sekunden hinter Björndalen auf Rang vier.

Bronze für Björndalen wie ein Sieg

Rekord-Weltmeister Björndalen dürfte nach Silber seine Ehefrau Darya Domratcheva im Verfolgungsrennen der Damen besonders motiviert gewesen sein und jubelt mit 43 Jahren über seine 45.(!) WM-Medaille.

"Natürlich bin ich sehr glücklich, es ist wie in Sieg für mich, weil es mein erstes Podium in dieser Saison ist", betont Björndalen, der in Hochfilzen vor zwölf Jahren vier WM-Titel gesammelt hatte.

Seiner Gattin streut Björndalen Rosen: "Sie war so stark heute, ich habe mir daraus natürlich sehr viel Motivation geholt. Sie hat mich wirklich beeindruckt."

Dass sie so kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter schon wieder ganz vorne mitmische, sei doch etwas überraschend. "Ihr Comeback ist unglaublich. Ich wusste, dass sie gut in Form ist. Aber das hatte ich nicht unbedingt erwartet."

Im Gegensatz zum Altmeister gelang Eberhard 48,1 Sekunden hinter Fourcade wie schon im Sprint als Achter wieder nicht der ersehnte Sprung aufs WM-Podest.

Eberhard glaubt an Medaillen-Chance

"Die Medaille war das Ziel. Ich bin nicht ganz zufrieden, aber die Leistung war gut, es war wieder ein Fehler zu viel", meint der Salzburger. Er hatte mit je einem Fehlschuss in den Liegend-Einlagen begonnen, durch eine makellose erste Stehend-Serie schob sich der schnelle Läufer aber wieder ins Spitzenfeld. Eine weitere Strafrunde zum Abschluss verbaute ihm dann aber endgültig die Medaillenchance.

Der Sprintspezialist hält das aber im Einzel (Donnerstag) und Massenstart (Sonntag) noch für machbar. "Ich habe schon vor der WM gesagt, ich habe überall eine Chance und dabei bleibe ich."

Simon Eder betrieb mit Platz zwölf Schadensbegrenzung. "Mit drei Fehlern um zehn Plätze verbessern, das ist okay", sagte der Salzburger und tankte etwas Selbstvertrauen für die nächsten Rennen. Dominik Landertinger rutschte durch vier Strafrunden um vier Ränge an die 21. Stelle zurück. "Die zwei Fehler stehend waren eine Katastrophe, die dürfen nicht passieren", ärgerte sich der Lokalmatador.

Sein Fokus galt deswegen schon dem 20-km-Rennen am Donnerstag. "Ich darf mich nicht drausbringen lassen und werde im Einzel voll angreifen", so der Vizeweltmeister des Vorjahres. Daniel Mesotitsch (5 Strafrunden) behielt seinen enttäuschenden 50. Platz des Sprints bei, damit wackeln möglicherweise seine nächsten Einsätze.

ÖSV-Cheftrainer Reinhard Gösweiner hatte erneut zu schlechte Schießleistungen seines Teams zu beklagen. "Wenn man aufholen will, darf man keine Fehler machen", stellte er klar. Das Top-Ten-Resultat von Eberhard sei zwar respektabel, aber "bei einer WM kann man mit dem achten Platz nicht gut leben".

Platz

Athlet Nation Zeit Fehler
Martin Fourcade FRA 30:16,9 Min. 1 Strafrunde
Johannes Thingnes Bö NOR +22,8 Sek. 3
Ole Einar Björndalen NOR 25,6 1
Anton Schipulin RUS 33,6 1
Ondrej Moravec CZE 34,0 2
Lowell Bailey USA 34,7 1
Krasimir Anew BUL 38,3 1
Julian Eberhard AUT 48,1 3
Tarjei Bö NOR 52,3 2
Simon Schempp GER 52,4 3
Benedikt Doll GER 1:05,1 Min. 3
Simon Eder AUT 1:33,7 3
Weiter:
Dominik Landertinger AUT 1:49,3 4
50. Daniel Mesotitsch AUT 4:11,7 5
Textquelle: © LAOLA1.at/APA

Julian Eberhard: Warum die Waffe sein Feind war

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare