Die 25 Biathletinnen mit den meisten Weltcupsiegen
LAOLA1: Servus Anna und vielen Dank für die Zeit. Wie fühlst du dich aktuell?
Anna Andexer: Die letzten Vorbereitungen für den Winter laufen. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn es losgeht. Bisher bin ich zum Glück auch gesund geblieben.
LAOLA1: Der letzte Winter war für dich ein Auf und Ab, mit Olympia als Highlight. Du warst in Antholz zweimal in den Top 10 (9. im Sprint und Massenstart). Wie blickst du mit ein paar Monaten Abstand darauf zurück?
Andexer: Wenn ich Videos oder Fotos sehe und daran zurückdenke, finde ich es immer noch genial, dass mir das so gelungen ist. Es motiviert mich auch, weil es mich daran erinnert, was in mir steckt. Es löst wirklich viel in mir aus.
Ich bin ein Mensch, der mit Druck gut umgehen kann. Wenn es darauf ankommt, bin ich da.
LAOLA1: Du hast gesagt, dass Olympia bei dir starken Druck erzeugt hat. Es war sicher nicht einfach, damit umzugehen. Was konntest du aus dieser Situation, die du zum ersten Mal so durchlebt hast, mitnehmen?
Andexer: Olympia ist nur alle vier Jahre und jeder möchte dabei sein. Wir sind eine starke Mannschaft und man pusht sich dann innerlich, baut sich ein wenig Druck auf. Es ist schwierig, das nicht zu tun, denn man hat das stets im Kopf. Man will dabei sein und abliefern. Und das wird in vier Jahren wieder so sein.
LAOLA1: Dann aber schon mit der Erfahrung von heuer.
Andexer: Exakt. Ich bin auch ein Mensch, der mit Druck ziemlich gut umgehen kann. Das habe ich bei den Großveranstaltungen der Junioren schon öfters bewiesen. Wenn es darauf ankommt, bin ich da.
LAOLA1: Im Frühjahr wurde beim ÖSV ja einiges umstrukturiert. Mit Markus Fischer hat das Frauen-Team einen neuen alten Cheftrainer. Wie hast du diese Entscheidung aufgenommen?
Andexer: Es ist von der sportlichen Leitung so entschieden worden. Ich bin mit der aktuellen Situation sehr zufrieden. Auch unter seinem Vorgänger Reini Gösweiner habe ich immer gute Schritte vorwärts gemacht. Die Pläne schreibt seit heuer Wolfgang Pichler und die Trainer setzen sie um. Mit ihm spreche ich sehr viel.
LAOLA1: Wie blickst du auf die Zeit unter Reinhard Gösweiner zurück? Er ist ja auch ein sehr erfahrener Trainer. Was hast du von ihm mitnehmen können?
Andexer: Ich habe mich auch mit ihm sehr gut verstanden, die letzten Jahre habe ich unter ihm trainiert und eine super Entwicklung gemacht - im Schießen und im Laufen. Er ist ein guter Mann, von dem man viel lernen kann.
LAOLA1: Die Entscheidung für den Trainerwechsel ging mit der Bestellung von Wolfgang Pichler einher, der ja, wie du bereits angesprochen hast, seit rund einem halben Jahr für die Trainingsplanung und -steuerung zuständig ist. Du hast gesagt, ihr sprecht viel miteinander. Wie hast du ihn bisher erlebt?
Andexer: Für mich ist es sehr wichtig, dass man mit einem Trainer gut reden kann. Ich habe viel Vertrauen in ihn. Er achtet darauf, dass es im Team gut passt und arbeitet wirklich professionell. Er sieht sich auch immer wieder die Trainings an, ist auch bei den Trainingskursen in Ruhpolding dabei und steuert dann, wenn er merkt, dass etwas zu viel oder zu wenig passiert.
Er hat natürlich seine eigene Art, mit der muss man umgehen können.
LAOLA1: Ist er intern wirklich so hart, wie er sich nach außen gibt?
Andexer: Er hat natürlich seine eigene Art, mit der muss man umgehen können. Er ist einfach ein wenig härter und ich denke, das war er immer schon. Was das Training betrifft, bin ich von ihm überzeugt, er weiß, was es braucht, um vorne mitmischen zu können. Das hat er auch zuletzt in Bulgarien gezeigt (Bronze für Lora Hristova im Einzel bei Olympia 2026, Anm.). Es ist nicht selbstverständlich, mit einem kleinen Team so etwas Großes zu schaffen.
LAOLA1: Wolfgang Pichler bezeichnet sich selbst als “Schleifer”. Wie zeigt sich das im täglichen Trainingsbetrieb?
Andexer: Der Umfang und die Intensität sind mehr geworden. Wir trainieren deutlich härter. Man hat auch ein bisschen weniger Freizeit. Wolfgang gibt das genau vor. Wir trainieren immer drei Wochen, danach haben wir einige Tage frei. Die Regeneration ist dann umso wichtiger. Man freut sich dann auch schon immer sehr auf die freien Tage (lacht).
LAOLA1: Worin liegen die größten Unterschiede, verglichen mit früher?
Andexer: Wir machen viel längere Intervalle und auch die Ausdauerstunden sind mehr geworden. Da hatten wir früher beispielsweise drei Stunden, nun sitzen wir auch mal fünf Stunden auf dem Rad.
LAOLA1: Du bist eine sehr laufstarke Athletin. Ist das etwas, das dir entgegenkommt?
Andexer: Ich bin jemand, der sehr viel aushalten kann. Wolfgang setzt viel mehr auf Krafttraining, speziell für den Oberkörper. Das taugt mir total, weil ich das auf den Skirollern gut umsetzen kann. So, wie er es macht, ist es eine richtig gute Kombination.
LAOLA1: Du hast gemeint, du möchtest deine Schießleistung über den Sommer verbessern. Wie weit bist du damit schon?
Andexer: Ich habe mir vorgenommen, in jedem Training konsequent zu sein und zu einhundert Prozent hinter dem zu stehen, was ich mache. Ich denke, dass ich da heuer durchaus einen Schritt nach vorne machen konnte. Simon Eder steht uns ja, was das Schießen betrifft, auch zur Seite. Das hilft uns sehr. Wir hatten bereits interne Testwettkämpfe, bei denen ich viermal Null schießen konnte. Ich bin mit meinen Sommer-Rennen wirklich zufrieden. Natürlich habe ich am Schießstand noch ein paar Schwankungen, aber es wird immer besser. Ich blicke positiv in die Zukunft.
Lisa war unser Zugpferd, aber aus meiner Sicht sind wir als Team stark.
LAOLA1: Bei den Sommer-Wettkämpfen hast du dich schon ordentlich mit Anna Gandler gematcht. Sehen wir da schon das Duell um die künftige Nummer eins im Frauen-Team? Diese ist nach dem Rücktritt von Lisa Hauser ja vakant. Oder siehst du es eher so, dass es gar keine klare Nummer eins braucht?
Andexer: Natürlich sind wir als Biathletinnen Einzelsportlerinnen, aber ich sehe uns als Team. Wir sind eine super Mannschaft und trainieren sehr viel zusammen. Wolfgang Pichler möchte das auch so. Ich sehe, wie wir uns gegenseitig pushen. Deswegen freue ich mich auch schon auf die Staffel-Rennen, weil wir da sehr viel Potenzial haben. Lisa war unser Zugpferd, aber aus meiner Sicht sind wir als Team stark.
LAOLA1: Mit welchen Zielen gehst du persönlich in die kommende Saison?
Andexer: Ich bin mir natürlich bewusst, welches Potenzial ich habe. Durch die Umstrukturierungen hat sich vieles geändert, deswegen ist es schwer zu sagen, wo man wirklich steht. Nach den Sommer-Rennen blicke ich durchaus positiv voraus. Aber wo man wirklich steht, wird man erst im Winter sehen. Ein Top-10-Platz bei einem Großereignis ist für mich heuer schon ein Ziel, das ich anstrebe.
LAOLA1: Im Dezember steht der letzte Heimweltcup in Hochfilzen vor der WM 2028 an. Die letzten Jahre war das aber leider kein gutes Pflaster für euch. Warum wird es heuer besser?
Andexer: Vor zwei Jahren durfte ich dort mein Weltcupdebüt feiern und es war ein perfektes Rennen: zweimal Null und ein Top-30-Platz. Ich wohne ja in der Nähe und weiß, dass sehr viele Leute aus meiner Heimat zuschauen kommen. Das pusht mich total. Deswegen ist es für mich kein so schlechtes Pflaster. Ich freue mich, wenn ich dort laufen darf.
Eine "Flower" zuhause wäre natürlich ein Traum.
LAOLA1: Wenn ich dir heute sagen würde: Du schaffst es heuer in Hochfilzen zu einer Flower Ceremony - was würdest du mir antworten?
Andexer: (lacht) Das würde ich sofort mitnehmen. Aber ich bin natürlich realistisch und setze mir auch entsprechende Ziele. Eine "Flower" zuhause wäre natürlich ein Traum.
LAOLA1: Unbestritten ist jedenfalls, dass du großes Potenzial hast - so wie einst auch Lisa Hauser, die du als dein großes Vorbild bezeichnest. Wie sehr fehlt sie euch im Team?
Andexer: Grundsätzlich muss ich mich auf mich selbst konzentrieren, denn ich möchte den nächsten Schritt machen und weiterkommen. Lisa wird uns natürlich fehlen, sie war unser Zugpferd. Ich persönlich hätte mich gefreut, wenn sie noch bis 2028 weitergemacht hätte. Wir hätten sie auch in der Staffel gut gebrauchen können. Aber für sie ist es die richtige Entscheidung und sie ist total happy damit.
LAOLA1: Was ist die beste Eigenschaft, die du dir von ihr abschauen konntest?
Andexer: Ihre Hilfsbereitschaft. Sie war immer da, wenn wir Anliegen oder Fragen hatten. Sie hat die Dinge stets locker genommen. In dieser Hinsicht war sie immer ein Vorbild und wird es auch bleiben.
LAOLA1: Das heißt, wenn ihr Tipps oder Anregungen braucht, steht sie weiterhin zur Verfügung?
Andexer: Sie ist zwar nicht mehr dabei, wird uns aber weiterhin verfolgen. Wenn wir Fragen haben, können wir also auch in Zukunft auf sie zukommen. Da ist sie die Letzte, die das nicht machen würde. Das Gleiche gilt für Simon Eder.
LAOLA1: Lass uns abschließend noch deine perfekte Biathletin bauen.
Andexer: Sehr gerne.
LAOLA1: Das Schießen von?
Andexer: Simon Eder.
LAOLA1: Die Laufstärke von?
Andexer: Johannes Thingnes Boe.
LAOLA1: Die mentale Stärke von?
Andexer: Dorothea Wierer oder Franziska Preuß, sie haben mir beide in dieser Hinsicht immer gut gefallen.
LAOLA1: Die Detailverliebtheit von?
Andexer: Eigentlich auch Simon Eder.
LAOLA1: Die Leidenschaft von?
Andexer: Auch Simon Eder.
LAOLA1: Den Schmäh von?
Andexer: Lisa Hauser.
LAOLA1: Danke für das Gespräch.