Bresnik: "Kein kompletter Depp"

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"Ich bin kein Lehrer und kein Missionar"

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Mit der „Dominic-Thiem-Methode“ hat Star-Coach Günter Bresnik am Freitag in der Wr. Stadthalle sein erstes Buch präsentiert.

Darin schreibt er über seine Anfänge im Tennis-Sport („Ich griff erst mit 16 Jahren erstmals zum Schläger“), seinen Werdegang und vor allem wie er den jungen Dominic Thiem als Achtjährigen kennenlernte und alsbald unter seine Fittiche nahm.

Im LAOLA1-Interview spricht der 55-Jährige über seine Beweggründe für sein Autoren-Debüt, warum es fast schon therapeutische Züge hatte und warum er Angst davor hatte, von seiner Familie als „kompletter Depp“ abgestempelt zu werden.

LAOLA1: Dein erstes Buch beginnt bei deinen Anfängen im Tennissport und endet mit dem Aufstieg von Dominic Thiem in die Weltklasse. Hast du damit die Vergangenheit abgearbeitet und fehlt etwas?

Günter Bresnik: Der Rückblick ist mit diesem Buch relativ rund abgeklärt. Mit Spannung blicke ich allerdings den nächsten zehn Jahren entgegen. Solange wird die Karriere von Dominic in etwa dauern und nach der diesjährigen Saison bin ich zuversichtlich, dass es noch ein Stückchen nach oben gehen wird.

LAOLA1: Du bezeichnest Dominic Thiem im Buch als deinen „letzten großen Schützling“. Was machst du, wenn sein Bruder Moritz bei dir anklopft?

Bresnik: Ich habe geschrieben, dass ich nicht mehr den Weg vom achten Lebensjahr weg machen werde. Etwas ältere Spieler werde ich aber sicher noch coachen, ich habe ja schließlich auch aktuell einige Spieler, die eine internationale Karriere anstreben. Diese Sache wird mich auch in Zukunft noch weiter beschäftigen. Außerdem habe ich in den letzten 20 Jahren einige gute Trainer ausgebildet. Ich bin mir sicher, dass diese Leute meine Arbeit gut fortsetzen werden können. Auch Moritz ist mit Herz und Seele dem Tennis-Sport verschrieben und hat auch die volle Unterstützung von der Familie und mir – wie es schon Dominic hatte. Ich glaube schon, dass er sich in den nächsten fünf Jahren zu einem seriösen Kandidaten für die Weltrangliste entwickelt, wenn er weiter bei der Sache bleibt.

LAOLA1: War es für dich wichtig, dieses Buch geschrieben zu haben?

Bresnik: Ich stelle mich nicht gerne selbst ins Rampenlicht. Meine Verlegerin hat mich vielleicht ein bisschen bei meiner Eitelkeit gepackt. Ausschlaggebend war eigentlich meine Tochter, die mir zum Vatertag ein Buch mit dem Title „Papa, erzähl mal!“ geschenkt hat. Dieses Buch liest man nicht, sondern man schreibt selbst rein. Das habe ich immer bei mir und da habe ich mir gedacht, dass kann man auch noch anders verarbeiten.

LAOLA1: Gibt es irgendeine Grundaussage, die du unbedingt transportieren wolltest?

Bresnik: Mir liegt es nicht als Lehrer oder Missionar dazustehen. Mir war es wichtig, meine Erlebnisse von der Seele geschrieben zu haben. Das hatte natürlich auch damit zu tun, dass es heuer für mich privat so ein Seuchenjahr war (Anm.: Vater und Neffe sind verstorben). Es war vielleicht nicht therapeutisch, aber es war doch eine willkommene Ablenkung. Wenn ich gewusst hätte, dass es soviel Arbeit ist, hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht.

LAOLA1: Es wird in Zukunft wahrscheinlich noch viel über Dominic zu erzählen geben. Sind also schon Fortsetzungen geplant?

Bresnik: Es wäre schön. Das überlege ich mir aber erst dann, wenn es etwas gibt, was es wert ist, zu erzählen. Beschränkt macht es ja auch Spaß.

LAOLA1: Was hat dir daran besonders Spaß gemacht?

"Ich komme aus einer recht gescheiten Familie und bin dort der einzige Nicht-Akademiker. Da ist es für mich eine Notwendigkeit für mein Selbstvertrauen, dass ich nicht als kompletter Depp abgestempelt werde."

Bresnik über sein "schweres" Familien-Los

Bresnik: Ich komme aus einer recht gescheiten Familie und bin dort der einzige Nicht-Akademiker. Da ist es für mich eine Notwendigkeit für mein Selbstvertrauen, dass ich nicht als kompletter Depp abgestempelt werde. Deshalb ist es für mich eine gute intellektuelle Herausforderung.

LAOLA1: Wie viele Arbeitsstunden hast du circa in das Buch investiert?

Bresnik: Das ist schwierig zu sagen. Das Buch von meiner Tochter habe ich schon vor vier, fünf Jahren bekommen. Es sind darin endlos viele Gespräche mit meinen Schwestern, meiner Frau oder meinen Kindern enthalten. Viel wurde davon im Buch verwendet. Die Stunden kann ich da nicht mehr zusammenzählen.

LAOLA1: Hast du während des Schreibens auch selbst etwas über dich gelernt?

Bresnik: Definitiv. Ein geschriebenes Wort ist etwas anderes, als ein gesprochenes Wort. Man denkt sehr viel über sich und seine Familie nach. Alles wird einem viel bewusster.

LAOLA1: Was ist das für ein Gefühl, sich selbst auf einem Buch-Cover zu sehen?

Bresnik: In erster Linie sieht man Dominic auf dem Cover. Und das hat einen guten Grund. Wäre ein Günter Bresnik auf dem Cover würde es vielleicht nur 200 Mal verkauft werden, so werden es vielleicht 5000. Mein Bekanntheitswert ist mir ja nicht wichtig. Ich habe es nicht geschrieben, um bekannt und akzeptiert zu werden. Ich habe es für mich selbst geschrieben, habe aber gegenüber dem Verlag eine gewisse Verantwortung. Die haben schließlich Geld in mich investiert und ich will nicht, dass die wegen mir Pleite gehen.

Das Gespräch führte Christian Frühwald


Dominic Thiem - Entweder-oder?

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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