"Decima" in Paris als Krönung der Karriere?

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Rafael Nadal hat bei den am Sonntag beginnenden und mit insgesamt 36 Mio. Euro dotierten French Open Großes vor.

Nach Monte Carlo und Barcelona will der Spanier auch in Paris am Ende des Turniers zum 10. Mal den Pokal in die Höhe stemmen. Im Vorjahr war Nadal auf Kurs, musste aber verletzt noch vor dem Achtelfinale, das er gegen Thiem bestritten hätte, absagen.

Für Nadal, der am 3. Juni 31 Jahre alt wird, wäre die "Decima" freilich die Krönung nach seinem Comeback, aber wohl auch seiner Karriere.

Wer zählt zum Favoritenkreis?

Nadals Aufgabe bei den French Open 2016 erleichterte freilich für Thiem die Möglichkeit beträchtlich, als dritter Österreicher nach Thomas Muster und Jürgen Melzer in das Einzel-Halbfinale eines Majors einzuziehen.

Thiem hat mit dem Halbfinale im Vorjahr (Niederlage gegen den späteren Champion Novak Djokovic) sein bisher bestes Grand-Slam-Resultat abgeliefert. Seither steht Thiem felsenfest im Kreis der Top Ten. Und der 23-jährige Niederösterreicher hat sich seither dermaßen gesteigert, dass er neben Nadal und Djokovic auch international im engsten Favoritenkreis für das größte Sandplatz-Turnier der Welt gesehen wird. Das sehen mittlerweile auch viele Wettanbieter so.

Thiem hatte vergangenen Freitag mit einer Glanzleistung im Viertelfinale von Rom den Asche-Lauf von Nadal nach 17:0-Siegen mit einem 6:4,6:3-Sieg beendet, seinerseits dann aber auch schon müde und ausgelaugt im Halbfinale gegen Djokovic nur ein Game gemacht.



Dass es dann nicht Djokovic, sondern Deutschlands Jungstar Alexander Zverev war, der das Masters-1000-Turnier in der Ewigen Stadt gewann, hat für Roland Garros noch einen Geheimfavoriten gebracht. Auch wenn man es dem 20-Jährigen vielleicht (noch) nicht zutraut, dass er bei einem Major sieben Spiele lang, im "best of five"-Modus, Topleistungen bringt.

Und auch für den "Sand-Prinzen" Thiem könnte der Anspruch, dem großen Rafael Nadal in Paris schon heuer die Show zu verderben, noch zu früh kommen. Die glatte Niederlage Thiems im Rom-Halbfinale war für den Lichtenwörther zurecht schnell weggesteckt, aber vielleicht auch eine gewisse Entlastung im Hinblick auf die großen Erwartungen von außen.

Startet der Weltranglisten-Siebente gut ins Turnier und passt die Auslosung, ist zumindest eine Wiederholung des Vorjahres-Halbfinales aber weit wahrscheinlicher, als es noch vor Jahresfrist war.

Djokovic hofft, Murray bangt um Start

Der Vorteil eines Grand Slams gegenüber beispielsweise den auch sehr stark besetzten ATP-Masters-1000-Turnieren: Es geht zwar auf drei Gewinnsätze, gespielt wird aber im Zwei-Tages-Rhythmus. Sofern der Regen nicht wie im Vorjahr sintflutartig über die Stadt der Liebe hereinbricht und die Seine über die Ufer steigen lässt.

Für Nadal wäre die "Decima" freilich die Krönung nach seinem Comeback, aber wohl auch seiner Karriere. Ähnlich wie es der diesmal auf den Paris-Trip verzichtende Roger Federer bei den Australian Open geschafft hat. Der 35-jährige Schweizer konzentriert sich ganz auf die Rasen-Saison mit dem Höhepunkt Wimbledon.

Der Titelverteidiger aus Serbien hofft hingegen auf einen Trainer-Effekt. Unmittelbar nach seiner Finalniederlage in Rom ließ Djokovic die Katze aus dem Sack: Der zwölffache Grand-Slam-Champ hat sich Superstar Andre Agassi als Trainer oder Mentor geholt.

Der achtfache Major-Sieger aus den USA, der mit Steffi Graf zwei Söhne hat und mit der Familie in Las Vegas lebt, wird Djokovic aber nur bei den French Open betreuen. Doch auch das täuscht nicht darüber hinweg, dass Djokovic 2017 bisher nur einen Titel (Doha) und ein Finale zu Buche stehen hat. Agassi darf aber zugetraut werden, dass er den nötigen mentalen Schub für den strauchelnden "Djoker" bringt.

Ein Fragezeichen steht hinter dem Weltranglisten-Ersten Andy Murray, der zudem im Paris-Vorfeld auch noch erkrankt ist: Ein Titel in Dubai, Doha-Finale gegen Djokovic, nur Achtelfinale in Melbourne und nur eine 5:4-Bilanz auf Sand. Murray, der im Vorjahr im Endspiel von Paris stand, unterlag u.a. im Barcelona-Semifinale auch Thiem. Der Schotte muss in aktueller Form überhaupt erst einmal die zweite Turnierwoche erreichen.

Auch Juan Martin del Potro ist nicht fit. Der Argentinier kämpft mit Problemen in Schulter und Rücken.

Alles offen bei den Damen

Bei den Damen ist in Abwesenheit der schwangeren Serena Williams, die zuletzt 2015 an der Seine triumphiert hatte, das Feld enorm offen. Titelverteidigerin Garbine Muguruza hat ihre Form zwar etwas gesteigert, ist aber alles andere als die Top-Favoritin. Die deutsche Weltranglisten-Erste Angelique Kerber steckt in einer hartnäckigen Formkrise, noch schlimmer als Murray bei den Herren. Kerber kommt ohne 2017-Titel nach Paris.

Für Simona Halep, aktuelle Nummer vier der Welt und 2014 im Paris-Finale, gibt es über ein Dutzend Kandidatinnen. Die Rumänin zog sich einen Anriss eines Bandes im Knöchel zu und ist selbst fraglich. Ein gar nicht mehr so geheimer Tipp ist Newcomerin Elina Switolina. Die 22-jährige Ukrainerin ist nach ihrem Titel in Rom Nummer 6 der Welt und zudem aktuell Führende im Race. Vielleicht schlägt aber auch ein Altstar zu: Venus Williams wird am 17. Juni schon 37, gehört aber keinesfalls zum alten Eisen. Sie musste sich bei den Australian Open erst im Finale ihrer Schwester beugen. In Paris hat Venus aber auch zu ihrer besten Zeit nie triumphiert, 2002 stand sie an der Porte d'Auteuil im Endspiel - und verlor gegen Serena.

Emotional von besonderem Wert ist das bevorstehende Comeback von Petra Kvitova. Die Tschechin war im Dezember in ihrer Wohnung überfallen worden und es wurden ihr mehrere Sehnen der linken Schlaghand durchtrennt. Für sie steht wohl Fitness und Vorbereitung auf Wimbledon im Vordergrund. Das Damen-Turnier geht übrigens einmal mehr ohne ÖTV-Beteiligung in Szene.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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