Thiem: "Habe viel über mein Spiel nachgedacht"

Thiem: Foto: © GEPA
 

Vor einer Woche konnte Dominic Thiem nach seiner Handgelenksverletzung wieder mit dem leichten Tennis-Training beginnen. Auch wenn es bislang nur zu wenigen Minuten mit Softbällen reichte, ist es immerhin ein erster Schritt zurück auf die ATP-Tour.

Auf dieser verletzte sich der 28-jährige Niederösterreicher im Juni auf Mallorca. Seitdem bestritt der US-Open-Gewinner des Vorjahres kein Turnier mehr.

Läuft alles nach Plan, will Thiem im Dezember bei einem Exhibition-Event in Dubai wieder seine ersten Matches bestreiten und den Schlusspunkt hinter einer langen Leidensphase setzen.

"Die erste Phase meiner Verletzung war richtig schwierig, weil ich da immer noch auf die US Open gehofft habe", blickt Thiem auf die vergangenen Monate zurück.

Nachdem er zu früh wieder mit dem Training einstieg, um doch noch in New York antreten zu können, trat dieselbe Verletzung beim Handgelenk erneut auf. "Ich hatte da immer noch Schmerzen, das ging einfach nie in die richtige Richtung. Danach war es einfacher, als ich wusste, dass ich in dieser Saison nicht mehr spielen kann. Da habe ich den Schalter einfach umgelegt."

"Alles geht in die richtige Richtung"

Mittlerweile scheint die Blessur endlich ausgeheilt zu sein. "Ich kann die Bälle endlich ohne Schmerzen spielen. Jetzt geht wieder alles in die richtige Richtung."

Die erste längere Verletzungspause seiner Karriere wirft allerdings auch einige Fragezeichen auf. Schließlich hatte Österreichs Tennis-Ass noch nie zuvor so eine lange Auszeit vom Tennissport.

"Ich war zum ersten Mal lange Zeit zuhause und hatte zum ersten Mal einen normalen Alltag", schmunzelte Thiem. "Das war auch im Hinblick auf die Zeit nach der Karriere interessant zu sehen, wenn man wieder ein normales Leben führt."

"Adrenalin und Anspannung" fehlen Thiem

Die ungewohnte Pause vom Tour-Alltag hinterließ bei Thiem gemischte Gefühle. "Das Adrenalin, die Anspannung, die Glücksgefühle nach dem Match – diese Dinge haben mir natürlich gefehlt. Auch wenn es natürlich angenehm war, wenn man einige Sachen nicht mehr machen muss."

Thiem sieht sich in seiner Karriere auf jeden Fall erst in der Halbzeit-Pause angekommen. "Und die erste Halbzeit war ja wirklich top. Ich hätte ich mir nie erträumen lassen, dass ich so tolle sieben Jahre habe. Ich war in dieser Zeit auch nie schwer verletzt", was für Thiem eh einem kleinen Wunder gleichkomme.

"Ich habe elf, zwölf Jahre lang immer voll auf die Kugel draufgehaut und es war klar, dass irgendwann einmal was passieren musste. Deshalb habe ich das auch ganz gut akzeptieren können. Ich hoffe, dass ich jetzt eine gute zweite Halbzeit haben werde", so Thiem.

Wie viele Fußball-Trainer nützte auch Thiem die Möglichkeit, in der Halbzeitpause einige Veränderungen innerhalb des Teams vorzunehmen.

Stober-Ersatz wird noch gesucht

Nach dem etwas unschönen Abgang des langjährigen Physiotherapeuten Alexander Stober ist das Team um Neo-Manager Galo Blanco noch auf der Suche nach einem passenden Ersatz. Im August wurde Jez Green als Fitness-Coach verpflichtet, mit dem er auch schon "sehr viele Tests" gemacht habe. Der langjährige Betreuer von Andy Murray coachte zuletzt unter anderem Alexander Zverev und gilt als absoluter Top-Mann.

Als Coach fungiert weiterhin der Chilene Nicolas Massu. Blanco soll Thiem in Zukunft auch auf der Tour begleiten. Der Spanier arbeitete vor drei Jahren schon als Touring-Coach von Thiem, als Manager hat er nun aber freilich andere Aufgaben.

"Er wird mir helfen, mich internationaler zu positionieren. Galo ist ja kein Neuer mehr für mich. Zuerst muss ich international bekannter werden und dann muss man das besser ausnützen. Das ist die Aufgabe des Managements", beschreibt Thiem seine Erwartungen an die neue Management-Firma Kosmos, für die Blanco arbeitet.

Thiem machte sich Gedanken über sein Tennis

In der Pause hatte Thiem allerdings auch Zeit, sich Gedanken über sein Tennis zu machen.

"Vor allem bei den US Open habe ich richtig viel an mein Spiel gedacht", so Thiem, der beim Grand-Slam-Turnier, das er selbst im Vorjahr gewinnen konnte, als TV-Experte für Eurosport agierte.

"Ich habe überlegt, wie ich manche Situationen im Match spielen würde. Tennis entwickelt sich ja immer weiter. Ich habe das Gefühl, es wird viel mehr nachgegangen als früher. Es werden heutzutage mehr Punkte am Netz beendet. Vor drei, vier Jahren war ich da schon auf einem guten Weg – das muss ich weiter verbessern. Das kürzt die Punkte ab und spart auch Kräfte."

Gerade der letzte Punkt sei Thiem wichtig: "Mein ganzes Spiel ist mit einem Riesenaufwand verbunden. Sowohl körperlich als auch mental. Im Vergleich zu anderen Spielern brauche ich dann immer relativ lange, um wieder in die Gänge zu kommen. Deshalb komme ich selten in einen richtigen Lauf rein."

Thiem mit Freundin Lili
Foto: © GEPA

"Medvedev gewinnt beispielsweise die US Open und ist eine Woche später beim Laver Cup wieder voll bereit – da muss man schauen, wie ich das auch schaffen könnte", will der Niederösterreicher mit seinen Kräften künftig besser haushalten.

Entschlackter Turnierplan?

Auch der Turnierplan könnte deshalb in Zukunft etwas entschlackt werden. Superstars wie Roger Federer oder Rafael Nadal bestreiten schon seit vielen Jahren nur mehr die Grand-Slam-Events und einige auserwählte größere Turniere. Teilweise konzentrieren sie sich sogar ausschließlich auf die Majors.

"Federer ist diesbezüglich ein Riesenvorbild. Der war damals schon viel älter als ich jetzt, als er in Wimbledon die Saison beendet hat und dann in Australien mit dem Titel zurückgekommen ist. Da ist er als völlig anderer Spieler zurückgekommen. Ich denke schon, dass ich ein paar gute Jahre in mir drin habe", so Thiem, der vor der Leistung des mittlerweile 40-jährigen Schweizers nur den Hut ziehen kann.

Einen genauen Turnierplan habe Thiem bislang aber noch nicht im Kopf. Schließlich gehe es in den kommenden Monaten in erster Linie darum, wieder genug Matchpraxis zu bekommen und sich wieder zurück in die Top 10 zu spielen. "Mein Turnierplan hat sich durch die Verletzung völlig geändert. Ich bin heiß auf‘s Spielen und muss schauen, dass ich wieder raufkomme.“

Mit Freundin Lili auf Tour?

Ob auch Freundin Lili in Zukunft mit von der Partie sein werde? Das wolle er nicht ausschließen. "Sicher wäre es schön, jemanden dabei zu haben", so Thiem, der auch nichts gegen gemeinsame geschossene Fotos in der Öffentlichkeit wie zuletzt beim Formel-1-Grand-Prix in Österreich hat.

"Wenn wir wollen würden, dass es keine Fotos gibt, dann dürften wir zu keinem Grand Prix gehen. Wenn wir zu einem solchen Event gehen, dürfen wir uns aber auch nicht darüber beschweren", sieht es Thiem entspannt.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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