Straka: "Wir hatten das richtige Gespür"

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Zum zweiten Mal tragen die Erste Bank Open den Status eines ATP-500-Turniers. Wie schon bei der Premiere im letzten Jahr dürfen sich die Veranstalter über einen ausgezeichneten Besuch freuen.

"Vielleicht durchbrechen wir sogar die Schallmauer von 60.000 Fans", ist Turnierdirektor Herwig Straka zuversichtlich.

Was es noch zu verbessern gibt, wie die Chancen auf Djokovic und Nadal stehen und warum er die Regeln des Tennis-Sports ändern will, verrät der 50-jährige Steirer im großen LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Verlauf der Erste Bank Open?

Herwig Straka: Die Stimmung in der Halle war in den letzten Tagen wirklich unglaublich gut. Die Ticketverkäufe liegen etwas über dem Vorjahr. Vielleicht durchbrechen wir sogar die Schallmauer von 60.000 Besuchern in diesem Jahr. Es ist auf jeden Fall eine Bestätigung dafür, dass wir mit der Entscheidung ein 500er Turnier zu machen, richtig gelegen sind.

LAOLA1: Hilfreich war sicherlich auch das „Tie Break Tens“ am Sonntag. Dadurch hatte man schließlich einen zusätzlichen Verkaufstag mit fast 4.000 Fans. Wie zufrieden seid ihr mit der Premiere dieses Formats?

Straka: Wir haben lange überlegt, deshalb wurde es erst sehr spät angekündigt. Auf die Zuschauerzahlen hatte es gar keine so großen Auswirkungen, da wir im vergangenen Jahr – ohne Eintritt – 2.500 Zuseher hatten. Summasummarum war es aber die richtige Entscheidung, so etwas zu machen. Es war ein gewisses Risiko, wir hatten aber das richtige Gespür und auch eine perfekte Mischung beim Starterfeld. Superstar Andy Murray, Lokalmatador Dominic Thiem und prominente Altstars wie Goran Ivanisevic.

LAOLA1: 250.000 Dollar als Siegprämie sind auch eine ganz schöne Summe. War das finanzielle Risiko hoch?

Straka: Wir hatten einen Partner aus England mit an Bord, der uns die Siegprämie zur Verfügung gestellt hat. Ohne diesen Partner wäre das nicht zu stemmen gewesen. Die zusätzlichen Kosten haben wir übernommen, dafür hatten wir auch eine sehr gute Promotion. In ganz Tennis-Europa hat man darüber gesprochen.

LAOLA1: Werden wir das „Tie Break Tens“ auch im nächsten Jahr sehen?

Straka: Wir wollen auf jeden Fall weiterhin am Sonntag etwas machen.

LAOLA1: Etwas leer wirkte die Halle am Kid’s Day am Montag. Gibt es da bereits Überlegungen, um diesen „Problemtag“ in Zukunft etwas zu entschärfen?

Straka: Es waren 1.800 Kinder in der Halle. Viele sitzen dann natürlich nicht immer im Stadion, deshalb schaut es da oft relativ leer aus. Es ist eigentlich immer schon so gewesen, dass am Montag traditionell weniger Leute in die Halle kommen. Daran müssen wir arbeiten, dass das besser wird.

Wenn man einen ganzen Tag lang nur Drei-Satz-Partien hat, verliert man die Aufmerksamkeit. Es schadet eigentlich nur allen Beteiligten.

Straka wünscht sich eine bessere Planbarkeit

LAOLA1: Zum zweiten Mal tragen die Erste Bank Open den ATP-500-Status. Wie schaut die aktuelle Zielsetzung aus?

Straka: In erster Linie steht eine finanzielle Konsolidierung im Vordergrund. Um langfristig auf sicheren Beinen zu stehen, benötigen wir weiterhin einen zweiten Hauptsponsor. Wir führen dafür laufend Gespräche. Ansonsten wollen wir weiterhin mit guten und neuen Ideen punkten und natürlich das bestmögliche Starterfeld bieten. So würden wir zum Bespiel gerne einmal Novak Djokovic nach Wien holen.

LAOLA1: Noch nie in Wien war Rafael Nadal. Wie stehen die Chancen bei ihm?

Straka: Nadal ist realistisch und auch ein Ziel. Wir kennen ihn mittlerweile sehr gut, weil wir auch das Turnier in Mallorca austragen. Ich kenne seinen Plan für das kommende Jahr nicht. Er hatte zudem einen Vertrag mit Basel über drei Jahre. Ich weiß nicht, ob es da eine Klausel gibt, dass er nun vielleicht im kommenden Jahr dort spielen muss, da er heuer aufgrund seiner Verletzung nicht spielen konnte. Das werden wir beim World Tour Finale in London herausfinden. Die Topspieler machen schon im Winter ihren Turnierkalender und dementsprechend früh führen wir deshalb die Gespräche.

LAOLA1: Welche Trends siehst du derzeit im internationalen Tennis bezüglich Regeländerungen oder neue Spielformate?

Straka: Ich glaube, dass das Spiel eine vorhersehbare Länge haben muss. Ein Fußball-Spiel hat zum Bespiel mit 90 Minuten eine gute Länge. Wenn man einen ganzen Tag lang nur Drei-Satz-Partien hat, verliert man die Aufmerksamkeit. Es schadet eigentlich nur allen Beteiligten. Keiner bleibt zehn Stunden in der Halle, um sich vier Matches anschauen. Wie man das anstellt, muss diskutiert werden. No-Ad, kürzere Sätze – es gibt viele Möglichkeiten.


Dominic Thiem und seine Beziehung zu den Erste Bank Open:


LAOLA1: Diskutiert wird darüber schon seit Jahren. Woran scheiterte bislang die Umsetzung?

Straka: Die Spieler wehren sich grundsätzlich dagegen. Bei signifikanten Veränderungen im Spiel selbst ist zudem die ITF noch schwerfälliger als die ATP. Ein Grand-Slam-Turnier würde sich da leichter tun. Vielleicht probieren es einmal die Australian Open mit einer eigenen Zählweise. In anderen Sportarten wie zum Beispiel Volleyball hat man die Sätze verkürzt und dadurch massiv an Attraktivität gewonnen.

LAOLA1: Wie wichtig ist ein Lokalmatador wie Dominic Thiem für das Turnier?

Straka: Ohne Thiem hätten wir den Schritt zum 500er Turnier sicher nicht gemacht. Wobei wir schon im Vorjahr gesehen haben, dass auch nach einem frühen Ausscheiden die Halle sehr gut besucht ist. Dominic ist wichtig und wir werden versuchen, weiter mit ihm gemeinsam in die Zukunft schauen. Das Turnier würde im Notfall aber sicherlich auch ohne ihn funktionieren.

LAOLA1: Viele Spieler haben schon lobend den Besuch in der Stadthalle erwähnt. Wie schlägt sich Wien im internationalen 500er Vergleich?

Straka: Ich war schon bei vielen 500er Turnieren. In dieser Woche war Richard Krajicek, der Turnierdirektor von Rotterdam, hier und der war ganz begeistertet, wie voll die Halle war. Wir sind im Schnitt sicher im oberen Drittel, was die Besucherzahlen betrifft.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

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