Giro: Slowenisches Leichtgewicht fährt in Rosa

Giro: Slowenisches Leichtgewicht fährt in Rosa Foto: © getty
 

Es ist eine ungewöhnliche Karriere, die Primoz Roglic hinlegt.

Im Juniorenbereich gewann der Slowene als Skispringer WM-Gold im Teambewerb, ehe er auf das Rad umstieg. Inzwischen ist er ein exzellenter Rundfahrer und fährt beim Giro d'Italia nach seinem Auftakt-Erfolg in Rosa und ist gar der Topfavorit.

Nach einer bisher beeindruckenden Saison ist der 29-Jährige für den Kampf gegen die Ex-Sieger Tom Dumoulin oder Vincenzo Nibali gerüstet.

"Der Sieg beim Giro ist möglich", so der ehrgeizige Roglic.

"Ich bin bereit für die drei schweren Wochen", meint der Gipfelstürmer aus Zagorje.

Nach seinem beeindruckenden Erfolg beim Zeitfahren in Bologna weiß die Konkurrenz, was es geschlagen hat.

Roglic: Rang vier bei der Tour de France

Im vergangenen Jahr hatte der Ex-Skispringer sein Potenzial mit Rang vier bei der Tour de France bereits angedeutet. Seither hat sich der Kapitän des niederländischen Rennstalls Jumbo-Visma aber noch einem weiterentwickelt.

Drei Rundfahrten hat er in diesem Jahr bereits gewonnen. Die anspruchsvolle Tour de Romandie dominierte er in der Vorwoche mit drei Etappen-Siegen nach Belieben.

Dabei hatte die Karriere von Roglic im Profibereich erst 2016 begonnen. Der Slowene ist ein Quereinsteiger. Bis 2011 war er noch als Skispringer unterwegs, doch irgendwann packte ihn die Leidenschaft für den Radsport. Roglic lieh sich ein Rennrad aus und fuhr bei einem Rennen in Slowenien aufs Podest. Von da an war der Traum von der zweiten Karriere geboren.

Schwerer Sturz von Roglic 2007 in Planica
Foto: © GEPA

Dass schwere Stürze - seinen ersten hatte er bereits 2007 beim Skifliegen in Planica - für den Sinneswandel sorgten, verneint Roglic: "Mann muss die Stürze im Skispringen akzeptieren wie im Radsport."

Ab 2013 fuhr der Mann aus Trbovlje in Zentral-Slowenien nahe der Hauptstadt Ljubljana drei Jahre lang für das drittklassige Team Adria Mobil.

Roglic auch in der österreichischen Top.Rad.Liga unterwegs

Dabei war Roglic mitunter auch hierzulande in der österreichischen Top.Rad.Liga unterwegs. Anschließend erhielt er vom Jumbo-Team die Chance auf die Eliteliga im Radsport.

"Ich bekam einen Anruf von seinem slowenischen Trainer. Ein Skispringer aus Slowenien, das war merkwürdig. Ich war skeptisch, aber dann hat er einen Test bei uns gemacht und es war verrückt. Er hatte außergewöhnliche Wattwerte", sagte Jumbo-Sportdirektor Frans Maassen der französischen Sportzeitung "L'Equipe".

Roglic löst Radsport-Boom in Slowenien aus

Von da an ging die Karriere des Leichtgewichts (65 Kilogramm) erst richtig los: 2016 der Zeitfahrsieg beim Giro in Chianti, 2017 der erste Tour-Etappen-Erfolg in Serre-Chevalier und WM-Silber im Zeitfahren von Bergen, 2018 Gesamtrang vier bei der Tour de France - in seiner Heimat hat Roglic längst einen kleinen Radsport-Boom ausgelöst.

Entsprechend ist auch die Konkurrenz gewarnt. "Ich erwarte viel von ihm. Er hat mich bei der Tour gefordert, und das war das erste Mal, dass er auf Gesamtwertung gefahren ist", sagte Dumoulin, der niederländische Giro-Sieger von 2017. Auch Lokalmatador Nibali hat die "starke Saison" des Slowenen registriert.

Der Gesamtsieger von 2013 und 2016 sieht bei seinem Rivalen aber Schwächen in der dritten Woche, wenn die schweren Bergetappen anstehen.

Fehlt "Primoche" die Erfahrung für den ganz großen Coup?

Damit er dann nicht einbricht, hat Roglic extra noch ein Höhentrainingslager in der Sierra Nevada absolviert. Die mangelnde Erfahrung könnte bei "Primoche", wie er in seiner Heimat gerufen wird, das größte Problem sein.

Der Giro ist erst die vierte dreiwöchige Rundfahrt für den Slowenen, während etwa Nibali seine 21. Grand Tour in Angriff nimmt. Er habe alles im Eilzugsverfahren lernen müssen und sei damit noch nicht fertig, erklärte Roglic.

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