Schwimmer Auböck absolvierte "Olympia-Simulation"

Schwimmer Auböck absolvierte Foto: © GEPA
 

EM-Silber im Mai hat Schwimmer Felix Auböck Motivation und Selbstvertrauen gegeben, für die angestrebte Erfüllung seines Traums von einer Olympia-Medaille ging es aber erst danach richtig in die Detailarbeit.

Am Tag nach dem Budapester Finallauf hatte sich der 24-Jährige in Wien seine Corona-Impfung abgeholt, ehe er sich an seinem englischen Studienort in Loughborough auch schon wieder ins Training stürzte. Und wie es scheint, wurde da rein gar nichts dem Zufall überlassen.

Einmal pro Monat "Olympia-Simulation"

Da gilt es, sich einmal auf den ungewohnten Rhythmus mit den Vorläufen am Abend und den Finalsessions am Vormittag einzustellen. Bei den Spielen 2008 in Peking war das auch schon so der Fall. Der Grund dafür ist, dass so die Entscheidungen in den USA zur besten Hauptsendezeit über die Bildschirme flimmern. Für die Aktiven ist es freilich eine Umstellung, ab 19.00 Uhr Ortszeit die Ausscheidung und ab 10.30 Uhr am darauffolgenden oder übernächsten Tag Semifinali und Endläufe zu bestreiten.

"Wir haben einmal im Monat im Training eine Olympia-Simulation gemacht", erzählte Auböck vor der für diesen Sonntag geplanten Abreise zu den Sommerspielen nach Tokio in einer Online-Pressekonferenz über ein schon länger durchgeführtes Prozedere. "Wir haben am Vormittag ein eher ruhigeres Training gehabt und am Nachmittag ein Rennen simuliert. Dann nach Hause Abendessen und am nächsten Morgen wieder ein Rennen simuliert. Wir haben versucht, da eine Routine reinzubringen."

Auböcks Absprung-Winkel zu hoch

Diese Routine habe auch ein früheres Aufstehen, Spazierengehen und in der Früh die "Konsumation" von viel Sonnenlicht und Musik beinhaltet. "Damit der Körper dann wirklich wach ist, wenn es am Vormittag zum Finale kommt und dass nicht diese Morgenmüdigkeit vorhanden ist, wenn man im Endlauf schwimmt", erläuterte der Kraulspezialist, dessen erstes Tokio-Rennen das am Samstag nächster Woche (24. Juli) über seine favorisierten 400 m Kraul ist.

Wenn das dann passen sollte, muss es auch im Becken laufen. Und da beginnt das Rennen schon vor dem Startzeichen auf dem Startsockel. Messungen bei den Europameisterschaften hätten ergeben, dass Auböck da Aufholbedarf habe. "Wir haben festgestellt, dass der Winkel, den ich beim Absprung von der Hüfte zum Knöchel am Startsockel habe, um einiges höher ist als bei anderen Leuten, die im Finale waren." Daher habe man versucht das zu optimieren, also den Start abzuflachen.

Konkret sei Auböcks Winkel im EM-Finale bei 33 Grad gelegen, die meisten Rivalen seien bei 25 bis 28 Grad gewesen. Die Änderung dahin musste automatisiert werden. "Wir haben versucht, das in den Körper hineinzubringen, wie sich das anfühlt, um dann auch in einer Drucksituation nicht über 30 Grad zu kommen", meinte Auböck. "Das Ziel ist, bei 27, 28 Grad abzuspringen. Es hört sich verrückt an, aber ich gewinne dadurch eine Zehntel, und eine Zehntel kann am Ende den Unterschied machen."

"Habe ein bis zwei Sekunden gewonnen"

Im Wasser liegt der nächste Knackpunkt bei den Wenden. Hier hat Auböck mit seinem Betreuer-Team um Coach Andrew Manley seit seiner Ankunft an der Bildungsstätte nähe Leicester im vergangenen September gearbeitet. "Meine Wenden von damals und von heute kann man gar nicht vergleichen", verriet der OSV-Athlet. "Was da weitergegangen ist, ist wirklich unglaublich. Was für Kleinigkeiten da den Unterschied ausmachen können, es ist da sehr viel Detailarbeit hineingeflossen."

Im Vergleich zum Herbst habe er allein durch diese Verbesserungen viel wettgemacht. "Mit Startsprung und Wenden habe ich da über 400 m Kraul eineinhalb bis zwei Sekunden gewonnen, ohne da schneller schwimmen zu müssen", ließ er wissen. Gut sei gewesen, dass während der wettkampffreien Corona-Zeit mehr Zeit zur Analyse gewesen sei. Andererseits hätten sich erst durch die verringerte Anzahl von Startmöglichkeiten Fehler eingeschlichen.

Nur Nervosität lässt sich nicht simulieren

Generell würden Videos von Wettkämpfen aber viel mehr Aufschluss geben als solche vom Training. "In einer Drucksituation kommen die Fehler", sprach Auböck von den Bewerben. "Da sieht man, woran man noch arbeiten muss. Im Training ist die Technik einfacher zu halten, weil die Geschwindigkeit um einiges niedriger ist. Im Rennen aber hat man immer nur diesen einen Versuch. Und dadurch, dass es wenig Wettkämpfe gab, ist es auch ein bisschen schwieriger gewesen, die Fehler zu finden."

Renn-Simulationen im Training würden da nicht unbedingt Abhilfe schaffen. "Das haben wir gemacht, aber man kommt dann doch irgendwie nicht in das gleiche Gefühl hinein", betonte der Vize-Europameister. "Wir haben alles simuliert vom Einschwimmen über den Callroom, den Aufruf bis zur Mixed-Zone. Aber wenn du dann alleine oben stehst und neben dir fehlen die anderen sieben Leute, ist es dann doch ein anderes Gefühl. Die Nervosität kommt gar nicht so wie bei einem Rennen."

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