Unter Wert geschlagen

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Unter Wert geschlagen

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Hin- und hergerissen fühlte sich Nicol Ruprecht nach ihren ersten Olympischen Spielen.

Auf der einen Seite ist die 23-Jährige froh über ihre Darbietung.

Ihre Programme mit dem tückischen Ball, dem Reifen, dem Band zu der Musik des unvergessenen Prince sowie zum Abschluss mit den Keulen - da war kein Hoppala oder gar Fallenlassen eines Geräts dabei. "Es freut mich riesig, weil besser kann ich es eigentlich nicht zeigen", schilderte die Tirolerin.

Das weniger Erfreuliche an der Sache: Die Bewertung von insgesamt 67,748 Punkte, die letztlich den 20. Endrang ergab.

Insbesondere in den ersten zwei Übungen, als Ruprecht nur 16,666 und 16,883 Punkte zugesprochen bekam. "Wenn ich es so hinkriege, bekomme ich für gewöhnlich mindestens 17. Bis zu 17,7", erklärte sie irritiert. Und mit anfangs höheren Punkten hätte sie möglicherweise sogar noch im Rennen um die Top-10, die sich für das Mehrkampf-Finale qualifizierten, mitmischen können.

Die Zehnte, Kseniya Moustafaeva (FRA), lag mit 69,982 Punkten rund 2,2 Zähler vor Ruprecht. Auf Österreichs bislang bestes Olympia-Ergebnis in der Rhythmischen Gymnastik, den 17. Platz von Caroline Weber in Peking, fehlten ohnehin nur knapp 0,7.

Es den Kampfrichtern bewiesen

Einerseits Trauer über die Bewertung, andererseits Erleichterung über die ansprechende Olympia-Darbietung - das spiegelte sich auch in Ruprechts Tränen unmittelbar nach der vierten Übung wieder.

"Ich bin sehr stolz, dass ich nicht an der schlechten Anfangs-Benotung zerbrochen bin, sondern gezeigt habe, dass ich mir mehr verdiene", meinte sie mit Verweis auf die vergangenen drei Wochen. Mit täglich sechs Stunden Training hätte sie sich die nötige Sicherheit geholt. Dabei sei sie kein einziges Mal aus dem Olympischen Dorf rausgekommen.

Ursachensuche

Wie die unterdurchschnittliche Bewertung zustandegekommen ist, darüber kann Ruprecht nur mutmaßen. Freilich ist es in der Rhythmischen Gymnastik ähnlich wie im Eiskunstlauf wichtig, sich erst einen Namen zu machen, doch den sollte die Zweite des Olympic Testevents schon haben.

Als eine mögliche Erklärung gilt, dass das Kampfgericht diesmal nicht wie im Weltcup sonst üblich zusammengesetzt war, sondern es versucht wurde, neutraler zusammenzusetzen. Sprich: Dass Judges nicht aus Nationalitäten der Starter stammen durften.

Für Ruprecht gilt es nun erstmal, Olympia sacken zu lassen. Ob sie bis zu Sommerspielen 2020 in Tokio weitermachen werde, darüber hat sie sich noch keine Gedanken gemacht. Mit 27 Jahren würde sie dann dem Altersplafond dieser Sportart bereits recht nahekommen.

"Das muss ich mir noch gut überlegen, vor allem, wenn man ohne Medaille gleich als Olympia-Tourist abgestempelt wird."


Aus Rio berichtet Reinhold Pühringer

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare