Felix Gall: "Gesamtsieg ist ein extrem schwerer Schritt"
Mit zwei Podestplätzen auf Grand Tours machte er sich zum zweiten Mal zum Sportler des Jahres. Wie groß ist der Druck, einmal ganz oben zu stehen?
von Johannes Bauer
Zweiter beim Giro d'Italia, Dritter bei der Vuelta a Espana - das war Österreichs Sportjournalisten den zweiten NIKI für den Sportler des Jahres wert.
Der heißt wie schon 2023 Felix Gall.
Ein NIKI "für den gesamten österreichischen Radsport", wie der 28-Jährige betont. Eine Sportart, die sich hierzulande immer gegen größere Kontrahenten behaupten muss - und das im abgelaufenen Jahr dank Gall auch tat.
Nicht alles in eigener Hand
Ohne maßlos sein zu wollen, lautet die LAOLA1-Nachfrage nach zwei Podestplätzen: Spornt das an, sich in absehbarer Zeit auch einen Schritt nach ganz oben zuzutrauen?
"Das ist der nächste, aber ein extrem schwerer Schritt. Letztes Jahr war ich Fünfter bei der Tour de France, daher war ein Podium das nächste logische Ziel. Dass mir das sogar zweimal gelingt, hätte ich mir nie gedacht", blickt Gall zurück.
"Für einen Sieg auf der Grand Tour muss extrem viel zusammenpassen. Dinge, die man auch nicht mehr alleine unter Kontrolle hat: Den Rennverlauf oder was die Konkurrenz macht."
Zeitfahren wird angegangen
Die Messlatte sei durch das Jahr 2026 nach oben gewandert, da sei es auch nicht förderlich, sich selbst zu sehr unter Druck zu setzen. Ein solches Ziel nicht zu formulieren, wäre aber zu bescheiden.
Kurz wird der NIKI gefeiert, dann geht es schnell in die Vorbereitungen auf 2027. Da wird viel neu: Zusammen mit Gregor Mühlberger geht es zum Team Lidl-Trek.
Die Vorgespräche stehen jetzt an: Ideen und Vorstellungen werden geteilt, wo das größte Verbesserungspotenzial wartet.
"Ich würde sagen, dass das Zeitfahren noch etwas ist, wo ich mich weiter verbessern kann. Ich habe mich schon stark verbessert, aber es ist noch so, dass ich zu den meisten Konkurrenten Zeit verliere. Daher ist das eine gute Baustelle für den Winter", bleibt Gall ehrgeizig.
Tour de France 2027? Mal sehen
Im neuen Team viele prominente Kollegen zu haben und sich behaupten zu müssen, sieht Österreichs Sportler des Jahres eher als Vorteil.
"Es gibt viele Rennen und da hat jeder seinen Platz. Ich glaube, dass man sich gegenseitig pusht, das war für mich ein Grund für den Wechsel: Dass ich wieder eine Herausforderung habe."
Ob das 2027 auch wieder bei der Tour de France der Fall sein darf, ist jetzt noch nicht abzuschätzen.
"Wir müssen abwarten, bis die Strecken veröffentlicht werden. Davor macht es keinen Sinn, darüber zu spekulieren. Ich werde bei der Grand Tour am Start stehen, bei der ich mich am besten präsentieren und meine Stärken ausspielen kann."
"Felix Gall: Giro-Sieger" klänge schließlich auch ganz passabel. Irgendwann einmal.