Was ist überhaupt Blutdoping?

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Es ist das bestimmende Thema der letzten Woche: Doping im österreichischen Spitzensport.

Neben den beiden Ski-Langläufern Dominik Baldauf und Max Hauke, die während der Nordischen Ski-WM in Seefeld verhaftet worden sind, haben auch zwei österreichische Spitzen-Radfahrer, Stefan Denifl und Georg Preidler, ihre Dopingsünden vor den Behörden gebeichtet.

Doch die Frage, die sich die meisten Sportfans stellen, ist: Was ist Blutdoping überhaupt? Wie kann es Leistungen im Spitzensport steigern? Und noch viele Fragen mehr.

Wir bieten einen Überblick über die brennendsten Fragen bezüglich der Praxis des Blutdopings:

Was ist Blutdoping grundsätzlich?

Blutdoping steht bereits seit 1988 auf der Liste der verbotenen Methoden des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Unter diesen Begriff fallen nur Transfusions-Methoden mit Eigen- (autologe) und Fremdblut (homologe Methode). Die autologe Methode dominiert, weil es für die Wissenschaft viel schwieriger ist, diese nachzuweisen.

Seit wann gibt es Blutdoping im Leistungssport?

Bereits seit den 1970er-Jahren ist diese Methode bekannt und wurde bis in die 1980er-Jahre angewandt, ehe sie in den 1990er-Jahren von Erythropoietin (EPO) vorübergehend verdrängt wurde. Erst die Entwicklung eines zuverlässigen Dopingtests für das seit 1988 gentechnisch hergestellte EPO zu Beginn des Jahrtausends führte zu einer "Rückbesinnung" auf Blutdoping.

Wie funktioniert Blutdoping?

Beim Blutdoping wird rund ein Liter Blut - entweder fremdes, das mit der Blutgruppe und dem Rhesusfaktor des Dopers übereinstimmen muss, oder eben vorher abgenommenes eigenes - dem Körper zugeführt. Da ein Sportler normalerweise über nur maximal acht Liter Blut im Körper verfügen kann, beginnt sich das Volumen sofort zu regulieren. Das heißt, der überflüssige Liter, respektive die Plasma-Flüssigkeit, wird vom Körper abgebaut. In der Regel geschieht dies bereits eineinhalb Stunden nach der Transfusion durch Urinausscheidung. Die roten Blutkörperchen des zugeführten Liters verbleiben dagegen im Blut, womit der vor allem im Ausdauersport förderliche Effekt einer besseren Sauerstoffversorgung der Muskeln erreicht wird.

Welche Leistungssteigerungen sind durch Blutdoping erzielbar?

Je mehr rote Blutkörperchen im Blut vorhanden sind, umso mehr Sauerstoff kann im Körper transportiert werden. Wissenschaftliche Untersuchungen sprechen von Leistungssteigerungen durch Blutdoping von bis zu 15 Prozent.

Was ist neu an der aktuellen, nun entdeckten Vorgehensweise?

Durch das immer engmaschigere Netz von Blutkontrollen geht der Trend nun dahin, Blutdoping wenige Stunden unmittelbar vor dem Wettkampf anzuwenden. Denn je kürzer der Zeitpunkt bis zum Start, desto geringer ist das Risiko, kurz vor dem Antreten kontrolliert zu werden. Außerdem kann es dadurch auch andere medizinische Erklärungen geben, warum es nach dem Wettkampf einen erhöhten Anteil an roten Blutkörperchen in Blutproben gibt, als die physiologischen Effekte unmittelbar nach Bluttransfusionen.

Wem nutzt Blutdoping am meisten?

Ausdauersportlern, also vor allem Langläufern, Biathleten, Radprofis, Läufern, Gehern, Schwimmern, Triathleten oder Ruderern. Der leistungssteigernde Effekt hält wie im Falle von EPO zwei bis drei Wochen an.

Wo liegen die Risiken?

Es können sich Thrombosen bilden oder Embolien entstehen, auch besteht eine erhöhte Infektionsgefahr, vor allem bei homologen Verfahren. Bei infizierten Blutkonserven kann sogar ein septischer Schock die Folge sein.

Was sind die "Vorteile" von Blutdoping gegenüber der Einnahme verbotener Substanzen und wie ist es nachweisbar?

Es ist schwerer nachweisbar. In erster Linie lassen Auffälligkeiten bei Blutparametern wie Hämatokrit-, Hämoglobin- oder Erythrozyten-Wert im biologischen Pass der Athleten Rückschlüsse auf Eigenblut-Doping zu. Aus diesem Grund werden Spitzensportler weltweit regelmäßig getestet und ihre Werte in die sogenannte ADAMS-Datenbank (Anti-Doping Administration and Management System) der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) eingetragen. Bis zu drei Wochen nach einer Infusion kann man in positiven Proben vor allem Spuren von Glykol finden, das in der Medizin verwendet wird, um Blut zu konservieren. Auch eine auffällig hohe Konzentration von Weichmachern, die von der Tiefkühllagerung des Blutes in Plastikbeuteln herrühren, im Harn von Sportlern kann ein Hinweis auf Blutdoping sein.

Sind Einstichstellen in der Armbeuge schon ein Hinweis auf Blutdoping?

Sie können ein Anfangsverdacht sein und werden von Kontrolloren gemeldet. Da eine Einstichstellen auch eine andere Ursachen haben kann - sie könnte vom Blutspenden oder einer anderen Kontrolle zuvor etwa durch den internationalen Verband oder eine Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) herrühren, gilt es dies abzuklären. Sollte das nicht der Fall sein und die Blutwerte Auffälligkeiten ergeben, dann wird der betreffende Sportler zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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