Hundstorfer: "Wir stehen zu Veränderung"

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Seit mittlerweile vier Monaten steht Rudolf Hundstorfer an der Spitze der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO).

"In diesen vier Monaten ist viel in Bewegung gekommen, weil wir dabei sind, eine neue gesetzliche Grundlage für das Förderwesen, eine neue Förderstruktur zu entwickeln", erzählt der ehemalige Sozialminister gegenüber der APA.

Der 65-Jährige erklärt: "Es gab einen Entwurf, zu dem wir gesagt haben 'so nicht'. Wir stehen aber zu Veränderung. Wir hatten dann eine Diskussionsgrundlage und die ist bis Ende März (Einbringen des Gesetzesvorschlags, Anm.) gemeinsam zu erarbeiten. Die Grundidee ist unbestritten."

Im Interview zieht Hundstorfer eine Zwischenbilanz und spricht über das kommende Sportfördergesetz, Infrastruktur und mehr Geld für den Sport.

Frage: Herr Hundstorfer, wie sieht Ihre erste Zwischenbilanz als BSO-Präsident aus?

Rudolf Hundstorfer: "In diesen vier Monaten ist viel in Bewegung gekommen, weil wir dabei sind, eine neue gesetzliche Grundlage für das Förderwesen, eine neue Förderstruktur zu entwickeln. Ich habe die Zeit auch genutzt, um diverse Sportverbände näher kennenzulernen. Es ist eine intensive Phase und macht an und für sich viel Spaß."

Frage: Sie waren als aktiver Handballer und als Präsident des Wiener Handball-Verbandes im Sport tätig. Können Sie davon für Ihre neue Funktion profitieren?

Hundstorfer: "Was man mitnehmen kann, ist, wie Sportverbände funktionieren. Sport ist immer Emotion. Auch in meiner Minister-Zeit ist Sport immer Thema gewesen, aber in Wahrheit habe ich viel aus meiner gewerkschaftlichen Tätigkeit mitgenommen. Da sind unterschiedlichste Standpunkte auf einen Nenner zu bringen, und das ist im Sport auch nicht anders. Denn Sommersportarten haben andere Gesichtspunkte als Wintersportarten und es ist ein Riesenunterschied zwischen Einzel- und Mannschaftsportarten, oder ob man einen regelmäßigen oder zugespitzten Meisterschaftsbetrieb hat. Mit Menschen zu arbeiten, war immer ein Grundsatz. Und ich profitiere natürlich auch von gewissen Kontaktmöglichkeiten, die ich habe."

Frage: Der "Teamgedanke" und "Gestalten statt Verwalten" sind zwei Ihrer Kernpunkte. Haben Sie das Gefühl, dass Sie damit neuen Schwung in die BSO gebracht haben?

Hundstorfer: "Naja, ich maße mir schon an zu sagen, dass wir da jetzt mehr Drive drinnenhaben. Das ist aber sicher auch situationsbedingt leichter. Mein Vorgänger (Herbert Kocher, Anm.) hat zwar damals auch ein neues Gesetz gehabt, das war bei seinem Amtsantritt aber schon fertig. Dadurch ist gleich ein anderer Schwung drinnen. Und dann ist noch, dass ich meine Lebensgeschichte habe, die mein Vorgänger nicht hat."

Frage: Wie stellt sich der Entwicklungsprozess des kommenden neuen Sportfördergesetzes für Sie dar?

Hundstorfer: "Ich habe mit dem Minister (Hans Peter Doskozil, Anm.) vereinbart: 'Gib uns als Sport Zeit, dass wir mit dem Entwurf umgehen können, bevor er in diesen Formalakt mit Ministerratsbeschluss hineinkommt. Es war klar, je besser er den Sport im Boot hat, desto einfacher ist es danach. In dieser Phase sind wir jetzt. Es gab einen Entwurf, zu dem wir gesagt haben 'so nicht'. Wir stehen aber zu Veränderung. Wir stehen dazu, dass man die Fördertöpfe zusammengibt, dass sich der administrative Aufwand erleichtern soll. Wir hatten dann eine Diskussionsgrundlage und die ist bis Ende März (Einbringen des Gesetzesvorschlags, Anm.) gemeinsam zu erarbeiten. Es war toll, dass der Sport die Möglichkeit hatte, von sich aus zu sagen, das und das wollen wir so nicht. Die Grundidee ist unbestritten. Die Frage ist nur, wie ist das Mitwirkungsrecht des Sports im Gesetz abgebildet. Wie soll das Geld verwendet werden, und da sind wir auf einem guten Weg."

Frage: Das Gesetz soll mit Beginn 2018 in Kraft treten. Ist dieser Plan einzuhalten?

Hundstorfer: "Ich bin im Moment wirklich überzeugt, dass das funktioniert, dass wir am 1. Jänner das Gesetz haben und dass wir 2018 mit den neuen Modalitäten zu leben beginnen."

Frage: Für die neue Bundessport GmbH soll es geschäftsführende Experten geben. Haben Sie da Wunschkandidaten?

Hundstorfer: "Die GmbH wird es geben, aber es wird sich ein bisschen anders darstellen. Es werden wahrscheinlich ein, zwei Gremien geschaffen, in denen hauptamtliche Mitarbeiter drinnensitzen, nicht ehrenamtlich. Da sollen hochqualifizierte Leute entscheiden. Es wird eine Vergabestelle sein, aber darin wird differenziert zwischen Spitze und Breite."

Frage: Wird die BSO im Aufsichtsrat der neuen Vergabestelle vertreten sein?

Hundstorfer: "Ja. Die BSO wird entsenden und dabei natürlich auf die diversen Ebenen Rücksicht nehmen. Im Wintersport ist es einfacher, denn da gibt es einen Jumbo-Verband, der fast alles zudeckt. Im Sommer ist es differenzierter."

Frage: Wie lassen sich bei der Förderreform die diversen Interessen der Fachverbände möglichst gut berücksichtigen?

Hundstorfer: "Es wird auch weiter eine Grundförderung geben, damit jeder sein Leben leben kann. Aber es wird gewisse Leistungsparameter geben, die viele Auswirkungen haben können. Und dann müssen wir ausgleichen zwischen nicht-olympisch und olympisch. Bei den nicht-olympischen gibt es viele, wo wir gar nicht so unerfolgreich sind. Und bei den olympischen gibt es auch einen Veränderungsprozess, der immer mehr greift. Das ist die Deckelung der Teilnehmerzahlen. Es gibt immer stärker international vorgegebene Kriterien. Da muss man die Balance finden, wo gibt es den zusätzlichen Leistungsanreiz, damit die Leute auch zur Qualifikation kommen. Die Debatte ist noch nicht ganz abgeschlossen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir auch da eine vernünftige Lösung finden werden. Dass man sagt, da ist die Breite, da der Leistungssport und dann gibt es noch die Spitze. Im wesentlichen soll man versuchen, so viel wie möglich Teilnahme zu ermöglichen. Und dort, wo die internationalen Rankings die Teilnahme vorgeben, die einigermaßen realisiert zu unterstützen. Das ist dann die Abschätzungsfrage, gibt es eine reale Chance. Worin wir uns auch einig sind, wir wollen auf vierjährige Planungsperioden gehen. Dass man eine Perspektive hat, vier Jahre lang habe ich diesen Betrag zur Verfügung stehen. Es wird zwar jährlich abgerechnet, aber es gibt eine vierjährige Zusage. Aber man muss es natürlich zwischendurch auch evaluieren. Also dass man sich sehr wohl jährlich hinsetzt und sagt, passt das noch alles. Ist es noch so, wie wir es damals besprochen haben."

Frage: In vielen Bereichen muss man aber doch noch länger als für vier Jahre planen.

Hundstorfer: "Sicher ist längerfristig zu denken. Was klar ist, wir müssen schon im Nachwuchs noch mehr tun. In Wahrheit fängt es im Kindergarten an. Das ist der Grund, warum ich diese tägliche Bewegungseinheit pushe. Da haben wir das Projekt 'Kinder gesund bewegen', das wirklich gut läuft. Dann haben wir die Volksschulphase und irgendwann sollen alle Volksschulen die tägliche Bewegungseinheit machen. Und dann haben wir die schwierige Phase des Umstiegs. Aber wichtig ist, dass wir einmal diesen Grundsockel zusammenbringen. Und da hoffe ich, dass wir heuer im Herbst den nächsten Schritt schaffen, dass mehr Bundesländer mitmachen. Und dann Spezialisierung und dann müsste mehr für den Leistungssport herauskommen. Das ist die langfristige Perspektive und das braucht natürlich seine sechs, sieben, acht, neun Jahre."

Frage: Sie wollen den Zulauf zu den Sportvereinen verstärken. Welche Pläne haben Sie da?

Hundstorfer: "Es gibt viele Leute, die bei Events mitmachen, aber nicht bei Vereinen - zum Beispiel beim Frauenlauf. Wir werden da versuchen, andere Kooperationen zu machen. Da ist einiges an Potenzial. Aber die Basis ist und bleibt, was man als Kind erlebt. Das ist die Grundvoraussetzung. Deswegen muss man versuchen, so gut wie möglich diese flächendeckende Bewegungseinheit einzuführen. Das ist der Schlüssel. Wir haben viele, die Sport betreiben. Da tut sich schon einiges, aber wie schaffe ich den Übergang. Da ist das Elternhaus auch wichtig."

Frage: Eines Ihrer Ziele ist die Verbesserung der sportlichen Infrastruktur. Was ist da zu tun?

Hundstorfer: "Wir müssen versuchen, ein bisschen mehr Koordination zwischen den Infrastruktureinrichtungen zu erreichen. Da oder dort mehr Koordination hineinzubringen, ist sicher ein Gebot der Stunde. Aber wir haben auch zum Beispiel im Westen kein einziges 50-m-Becken, wir haben im Burgenland keine einzige Leichtathletikanlage, die internationalen Standards entspricht. "

Frage: Mehr Geld für den Sport und die Gesundheit - wie sehen Sie die Chance darauf?

Hundstorfer: "Wir versuchen da und dort, dass wir mehr Mittel zur Verfügung bekommen, wobei klar ist, dass das leistungsbezogen, projektbezogen sein muss. Bei den Gesundheitskosten können wir 530 Millionen Euro im Jahr Einsparung vorweisen. Das können wir mit vernünftigen Studien belegen, das ist volkswirtschaftlich nachweisbar. Daher werden wir auch nicht müde, das überall zu erzählen. Alleine durch Bewegung ist da vieles möglich."

Frage: Es gibt immer wieder Stimmen für die Reformierung der Dachverbände. Wie stehen Sie dazu?

Hundstorfer: "Fachverbände und Dachverbände müssen sich noch mehr und besser koordinieren und sich besser abstimmen. Da sind wir aber gut unterwegs, und das ist keine Show-Partie."

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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