Diese Firma führt Seisenbacher als CEO

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Während das Wiener Landesgericht am Montag erklärte, gegen Peter Seisenbacher einen Europäischen Haftbefehl erlassen zu haben, hat LAOLA1 neue Details zur jüngsten Vergangenheit des prozessabgängigen Doppel-Olympiasiegers gefunden.

Der Tipp eines Users "Jonasbrother" führte uns zur Firma Wayward, auf deren Homepage der 56-Jährige als Geschäftsführer geführt wird.

Im Unternehmen, das mit Lizenzen für den Abbau von Bodenschätzen – angeführt sind Gold, Öl, Gas – handelt, tauchen bekannte Namen auf.

Auch Seisenbachers Sohn sitzt im Unternehmens-Vorstand (Foto: Wayward)

Als Vizepräsident wird etwa Seisenbachers Sohn angeführt, der in San Francisco lebt. Also in jener Stadt, in welcher Wayward seinen Hauptsitz hat. Eine weitere Niederlassung befindet sich nach derzeitigem Informationsstand in Dubai, was sich mit Gerüchten decken würde, dass Seisenbacher über einen Resident-Status im Wüstenemirat verfügen soll.

Laut Angaben des Justizministeriums besteht zwischen Dubai und Österreich kein Auslieferungsabkommen.

Die Gefährten

Executive Director ist mit Giorgi Aleksidze ein Mann, mit dem der Flüchtige ebenfalls eine gemeinsame Vergangenheit besitzt. Während Seisenbacher von 2010 bis 2012 georgischer Nationaltrainer war, wurde Aleksidze Präsident des dortigen Judo-Verbandes.

Judo-Weltverbandspräsident Marius Vizer (re.) bei einem Vertragsabschluss mit Wayward im April 2015 (Foto: Wayward)

Apropos Judo: In Funktionärskreisen wurde beiden ein gutes Verhältnis zu Weltverbands-Präsident Marius Vizer nachgesagt.

Der mächtige Ex-Sportaccord-Boss und Freund von Vladimir Putin taucht überraschenderweise ebenfalls auf der Wayward-Homepage auf – und zwar als es um den Abschluss einer Lizenz-Verhandlung auf Madagaskar geht.

Sprich: Etliche handelnde Personen entstammen einem gemeinsamen Netzwerk.

Goldsuche auf Madagaskar

Mit von der Partie ist auch Harald Horschinegg. Der österreichische Sportwissenschaftler war während seiner Anstellung beim in Maria Enzersdorf ansässigen IMSB (Institut für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung) eine Zeit lang als Schröcksnadel-Berater im Projekt Rio tätig, wo ihm Clemens Trimmel folgte.

Was hat Peter Seisenbacher in den vergangenen Jahren gemacht. Ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

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Von 2010 bis 2012 war er Nationaltrainer des georgischen Judo-Nationalteams. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London holte sein Schützling Lasha Shavdatuashvili überraschend Gold bis 66 kg.

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Im Oktober 2012 begann Seisenbachers erste Amtszeit als Nationaltrainer Aserbaidschan. Diese dauerte bis Ende 2013.

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Mutmaßlich im Jahr 2014 begann der gebürtige Wiener als Geschäftsführer der Firma Wayward zu arbeiten. (Screenshot: Wayward)

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Laut Aussagen von Weggefährte Harald Horschinegg handelt Wayward mit Lizenzen für Bodenschätze. Hier Verhandlungen mit dem Petro Gas in Dubai. (Foto: Wayward)

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Wayward operiert an mehreren Standorten. Fotografisch dokumentiert wird etwa Seisenbachers Besichtigung der Gas-Förderung in South Kirbyhills (Kalifornien) im Juni 2014... (Foto: Wayward)

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...oder die Suche nach Gold und anderen Ressourchen in Ambohimiakatra auf Madagaskar im Mai 2014. (Foto: Wayward)

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Zu Seisenbachers Aufgaben als CEO zählten unter anderem Vertrags-Abschlüsse... (Foto: Wayward)

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..., Verhandlungen mit Rechtsvertretungen... (Foto: Wayward)

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...oder Gespräche mit Investoren. (Foto: Wayward)

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Von September 2015 bis zu den Olympischen Spielen 2016 war Seisenbacher neuerlich als Nationaltrainer Aserbaidschans tätig. Horschinegg geht davon aus, dass er auch nach wie vor CEO von Wayward ist.

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Über den Kontakt zu seinem Freund Seisenbacher landete Horschinegg vor rund zwei Jahren bei Wayward. „Ich war zuletzt mit der operativen Abwicklung eines Projekts in Madagaskar betraut“, erklärt er auf Nachfrage von LAOLA1. „Dort steht eine Goldmine zum Verkauf“, führt er weiter aus.

Momentan stehe das Projekt allerdings still, da man auf ein geologisches Gutachten warten müsse. „Solange das nicht da ist, ruht dort alles“, so Horschinegg, der nach wie vor bei Wayward angestellt ist. Das letzte Mal habe er vergangenen Monat aktiv werden müssen. Unter anderem wegen einer Lizenzerneuerung, wie er angibt.

Seisenbacher (li.) und Horschinegg (2.v.r.) bei einem Meeting im Juli 2015 in Dubai (Foto: Wayward/GEPA)

Aufgrund des geringen Arbeitsaufwands in Madagaskar war Horschinegg von seiner Firma an den aserbaidschanischen Judo-Verband – wie er es nennt – „verliehen“ worden.

Im Staat am Kaspischen Meer hat er unter dem seit September 2015 ins Amt gekommenen Nationaltrainer Seisenbacher die sportwissenschaftliche Betreuung des dortigen Judo-Nationalteams übernommen.

Im Dezember noch telefoniert

Den letzten Kontakt mit dem gelernten Goldschmied hatte Horschinegg vor knapp einem Monat. „Am 13. Dezember haben wir telefoniert. Seisenbacher war damals in Georgien, ich in Aserbaidschan.“ Mit dem osteuropäischen Staat besteht wie mit Aserbaidschan ein Auslieferungsabkommen.

Dass Seisenbacher, für den die Unschuldsvermutung gilt, dem Prozess gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs zweier Minderjähriger sowie des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses fernblieb, habe Horschinegg „sehr überrascht".

Da die Wayward-Homepage keinen gut gewarteten Eindruck macht, drängt sich die Frage auf, ob Horschinegg glaubt, dass Seisenbacher noch immer Geschäftsführer dort ist? "Ich gehe davon aus."

Eine Nachfrage bei Wayward verlief bislang ergebnislos.

 

Reinhold Pühringer
 

Textquelle: © LAOLA1.at

Haftbefehl gegen Ex-Judoka Seisenbacher erlassen

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