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Rowby-John Rodriguez: Spielen alle nur mit 3 Darts

Der Wahl-Tiroler über seine Zukunftspläne, den World Cup of Darts und Mensur Suljovic:

Rowby-John Rodriguez: Spielen alle nur mit 3 Darts Foto: © getty

Die Nummer eins in Darts-Österreich heißt Rowby-John Rodriguez! Zumindest, wenn man nur das Preisgeld des laufenden Jahres in die Rechnung miteinbezieht.

Zusammen mit Mensur Suljovic trifft der 28-jährige Wahl-Tiroler beim World Cup of Darts am Donnerstagabend auf Finnland.

Letztes Jahr erreichte das Duo als ungesetztes Team in Jena das Finale. Top-Nationen wie Belgien oder England konnten die beiden Österreicher aus dem Weg räumen. In Frankfurt darf man durchaus gespannt sein, ob den rot-weiß-roten Dartern dieses Jahr ähnliches gelingt.

Im Interview mit LAOLA1 gibt der älteste der Gebrüder Rodriguez Einblicke in die Gefühlswelt nach dem großen Coup im letzten Jahr und äußert sich zur Auslosung der diesjährigen Ausgabe. Außerdem führt der gebürtige Wiener durch Phasen seiner Karriere, die weniger gold und glänzend waren.

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LAOLA1: Was wärst du geworden, wenn nicht Dart-Profi?

Rowby-John Rodriguez: Ich habe eine Lehre als Zahnarztassistent gemacht, rein theoretisch wäre es möglich gewesen, dass ich jetzt dort weitermache. Nicht als Assistent, sondern als Zahnarzt, aber dann müsste ich die ganze Ausbildung noch machen. Das wäre eine Möglichkeit gewesen, aber ich habe mich dagegen entschieden. Mein alter Chef hat sich für mich immer ins Zeug gelegt und hätte mir das ermöglichen können, aber ich habe abgelehnt.

LAOLA1: Wie gut kann man eigentlich vom Profi-Dartsport leben, als Nummer 80 der Welt?

Rodriguez: Nur von den Preisgeldern kann man natürlich nicht leben, da gehört schon einiges im Hintergrund dazu. Sponsoren, Management, etc. Da die meisten Turniere in England sind, kommen auch hohe Reisekosten dazu. Das Management muss dann auch noch bezahlt werden, die organisieren und kümmern sich um alles logistische, während ich unterwegs bin. Mehr oder weniger gut leben kann man davon erst, wenn man es in die Top 32 der Order of Merit geschafft hat.

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LAOLA1: 2021 war ein tolles Jahr für dich. Obwohl du keine Tour-Karte hattest, hast du fast jedes Turnier gespielt und auch auf der großen Bühne aufgezeigt. Woher kam dieser plötzliche Turnaround?

Rodriguez: Ich habe den Spaß am Spiel wiedergefunden, den hatte ich davor nicht. Natürlich bringen dich Erfolge weiter, im Dartsport brauchst du Selbstbewusstsein. Im letzten Jahr hab ich die Freude am Spiel wiedergefunden und dann kamen die Erfolge ganz von selbst. Ich hatte davor viele Probleme zuhause und das hat man dann auch an den Ergebnissen am Board gesehen.

LAOLA1: Trotzdem ist es sich dann denkbar knapp nicht ausgegangen. Du hast die Tour-Karte verpasst. Wie war diese Zeit Ende 2021, Anfang 2022 für dich?

Rodriguez: Eigentlich hätte es reichen müssen, aber wegen der Pandemie sind einige Spieler zur WM gekommen, die sich sportlich nicht qualifiziert hatten. Dann kamen auch noch Ergebnisse dazu, die normalerweise nicht passieren sollten. Ich habe meine zweite Runde verloren, wenn das nicht passiert wäre, wäre ich in Sachen Tour-Karte sicher gewesen. Aber so ist das halt. Was mir wehtut: Dass Spieler, die nicht für die WM qualifiziert waren, trotzdem starten durften. Ich kann das nicht beeinflussen, aber das hat mich schließlich die Tour-Karte gekostet. Bei der Q-School hatte ich dann Glück, weil ein Spieler mehrere Matchdarts verpasst hat. Wenn er sie genutzt hätte, hätte ich jetzt auch keine Tour-Karte. Klar ärgere ich mich, wenn man nach einem Jahr schon in den Top 64 steht und einem alles wieder aus der Wertung fällt. Wenn ich in den Top 64 geblieben wäre, wäre ich jetzt schon auf einem guten Weg Richtung Top 32. Aber ich bin froh, dass ich die Karte jetzt wiederhabe. In den nächsten zwei Jahren kann ich wieder versuchen, mich in die Top 32 zu spielen.

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LAOLA1: Wie schaut deine Vorbereitung für den World Cup of Darts aus? Unterscheidet sie sich von der Vorbereitung für ein "normales" Pro-Tour-Turnier?

Rodriguez: Dadurch, dass wir jede Woche unterwegs sind, hat man eigentlich nicht viel Zeit, sich darauf gesondert vorzubereiten. Normalerweise ist das Training im Vorfeld eines Majors schon intensiver und zeitlastiger, aber dadurch, dass ich in den letzten Wochen so viele Turniere gespielt habe, gab es diesmal keine gesonderte Vorbereitung für den World Cup. Eigentlich besteht mein Training in den letzten 1-2 Monaten nur darin, Turniere zu spielen. Ich war auch früher nie der trainingsfleißigste Spieler. Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, deutlich mehr zu trainieren, aber manchmal lässt es der Terminkalender einfach nicht zu.

LAOLA1: Trainierst du im Vorfeld zusammen mit Mensur Suljovic, deinem Partner? Steht ihr vor dem Turnier vermehrt im Kontakt?

Rodriguez: Letzte Woche haben wir zusammen in Wien ein eDart-Turnier gespielt, das Mensur veranstaltet hat. Da haben wir den Doppelbewerb gewonnen. Im Einzel standen wir uns auch im Finale gegenüber, mit dem besseren Ende für ihn (lacht). Da haben wir ein bisschen reden können, aber wir kennen uns schon so lange, da muss man nicht mehr viel absprechen. Ich weiß, dass er viel trainiert und er weiß, dass ich meine Einstellung zum Dartsport geändert habe. Wenn wir dann bei einem Vorbereitungsturnier das Doppel gewinnen und im Einzel beide das Finale erreichen, wissen wir, wo wir stehen.

LAOLA1: Direkt vor dem World Cup finden noch zwei Pro-Tour-Turniere statt, die mit einem ganz anderen Format aufwarten. Findest du das störend?

Rodriguez: Nein, überhaupt nicht. Schlussendlich spielen wir Dart (lacht). Das "Best-of-eleven"-Format spielen wir sowieso das ganze Jahr. Es wird ein gutes Training für Mensur und mich sein, wir spielen uns vor den Pro-Tour-Turnieren auch immer gemeinsam ein. Da werden wir uns dann auch für den World Cup vorbereiten.

LAOLA1: Wie kommst du mit der kurzen Distanz klar, die beim World Cup gespielt wird? Was hältst du allgemein vom Konzept des Turniers?

Rodriguez: Es ist natürlich immer schön, für sein Heimatland zu spielen. Dadurch, dass es das einzige PDC-Turnier mit einem Doppelmodus ist, ist es natürlich besonders. Aber ich finde, dass man überlegen sollte, mehr Doppelspiele in den World Cup einzubauen. Ab der zweiten Runde spielt man größtenteils nur mehr Einzel, nur zum Auftakt ist das Doppel wirklich entscheidend. Das "First to four" stört mich auch nicht, die Distanz ist für alle gleich. Bei eDart-Turnieren wird meistens sogar nur "Best of three" gespielt.

"Ich weiß, dass ich jeden schlagen kann, schließlich spielen die anderen auch nur mit drei Darts"

Rowby-John Rodriguez

LAOLA1: Mensur Suljovic ist auf der Bühne komplett in sich gekehrt. Du bist jemand, der gerne einmal etwas lauter wird. Wie funktioniert das?

Rodriguez: Wir können uns ja beide zusammenreißen (lacht). Wir harmonieren einfach, sind privat gut befreundet und das zeigen wir auch den Gegnern auf der Bühne. Die wissen und merken, dass wir uns blind vertrauen. Wenn ich mal feiern will, dann tu ich das auch, es sei denn, ich bringe ihn damit aus der Konzentration. Aber das kommt immer darauf an, wer der Gegner ist und wie die Spielsituation aussieht.

LAOLA1: Letztes Jahr seid ihr als ungesetztes Team ins Finale gestürmt, habt Top-Teams wie Belgien und England besiegt. Wie speziell war dieses Turnier für dich und deine Karriere?

Rodriguez: Ich weiß, dass ich jeden schlagen kann, schließlich spielen die anderen auch nur mit drei Darts (lacht). An dem Wochenende ist unser Spiel einfach komplett aufgegangen, in wichtigen Momenten war das Doppelglück auch noch auf unserer Seite. Privat war die Zeit vor dem letzten World Cup für uns beide sehr gut, da konnten wir beim Turnier richtig befreit aufspielen und uns pushen.

LAOLA1: In der ersten Runde gegen die Finnen seid ihr sicherlich zu favorisieren. In Runde zwei droht das Duell mit den an zwei gesetzten Walisern. Warum sollte man sich aus österreichischer Sicht große Hoffnungen machen, dass ihr euer letztjähriges Kunststück wiederholt?

Rodriguez: Natürlich ist es am wichtigsten, erst einmal die Auftaktrunde zu überstehen, ob in der zweiten Runde dann Wales oder die Philippinen warten, wird sich herausstellen. Natürlich sind die Waliser klarer Favorit, aber die Philippiner spielen auf ihrer Tour vielmehr Doppelbewerbe, sind also mit dem Format vertrauter. Da in der ersten Runde nur Doppel gespielt wird, könnte eine Überraschung möglich sein. Zuerst müssen aber wir unsere Hausaufgaben machen.

"Früher oder später werden wir zusammen den World Cup spielen, da bin ich mir ganz sicher."

Rowby-John Rodriguez über Bruder Rusty-Jake

LAOLA1: Dein Bruder hat jetzt auch eine Tour-Karte. Was können Österreichs Dartsfans von Rusty-Jake Rodriguez in den nächsten Jahren erwarten?

Rodriguez: Vieles, vieles. Er ist noch sehr jung, sieben Jahre jünger als ich (lacht). Er spielt brav, macht privat einiges besser als noch vor einigen Jahren. Da war er überhaupt nicht motiviert. Früher oder später werden wir zusammen den World Cup spielen, da bin ich mir ganz sicher. Davor muss er aber selbst erst seinen Weg finden und mehr Erfahrungen sammeln.

LAOLA1: Oft wird kritisiert, dass in Darts-Österreich keine Jungen nachkommen. Wer könnte aus österreichischer Sicht deiner Meinung nach in den nächsten Jahren den Sprung auf die PDC-Tour schaffen?

Rodriguez: Ich muss ehrlich sagen, dass ich da den Überblick verloren habe, weil ich diese ganzen österreichischen Turniere gar nicht mehr spiele. Ich weiß aber, dass da genug Jugendliche in den Startlöchern stehen. Einen konkreten Namen könnte ich jetzt aber nicht nennen. Die Jugendlichen, die sich darauf einlassen, sollten aber wissen, dass es ein stressiges Leben ist, man steht nicht immer nur auf der Bühne. Das verstehen viele Leute nicht. Bei jungen Leuten, die gut Darts spielen, sage ich immer: "Macht zuerst eure Ausbildung fertig und dann probiert es". Als es bei mir nicht gut lief und ich mit dem Gedanken gespielt habe, aufzuhören, hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich eine Ausbildung habe. Das hat mir mental sehr geholfen.

LAOLA1: Mensur Suljovic rutscht derzeit in der Order of Merit immer weiter zurück. Denkst du, dass er noch einmal Richtung Top-10 angreifen kann?

Rodriguez: Wie gesagt, jeder Dartspieler braucht Erfolg. Wenn er die WM gewinnt, ist er sofort wieder vorne mit dabei. Ein Turnier kann alles auf den Kopf stellen. Ich glaube auch daran, dass er jederzeit so ein Turnier spielen kann.

LAOLA1: Über die Pro-Tour Order of Merit auf dem besten Weg zur WM, Dauergast beim Finaltag der European Tour, realistische Chancen auf eine Matchplay oder Grand Prix-Teilnahme. Wo möchtest du am Ende des Jahres in der Order of Merit stehen?

Rodriguez: Ich bin sowohl für die Weltmeisterschaft als auch für die Europameisterschaft schon so gut wie fix qualifiziert. Ich glaube nicht, dass da noch etwas schieflaufen kann. Wenn es sich ausgeht, würde ich gerne schon am Ende des Jahres wieder in den Top-64 stehen. Ich habe zwar zwei Jahre Zeit dafür, aber es wäre schön, wenn es sich schon dieses Jahr ausgeht. Ich weiß, dass sich einige Major-Turniere noch ausgehen könnten. Früher habe ich auch immer auf die Rangliste geschaut und das hat sich nicht gut auf mein Spiel ausgewirkt. Das sind Gedanken, die du am Board nicht brauchen kannst. Darum spiele ich jetzt einfach nur noch und mein Manager wird mir schon sagen, wo ich dabei bin.

LAOLA1: Was fehlt Rowby-John Rodriguez noch, um ein Top-32-Spieler zu werden?

Rodriguez: Gute Ergebnisse, die Konstanz. Wenn man jeden Dartspieler, der da oben steht fragt, werden die alle sagen es hat irgendwann "Klick" gemacht. Ein besonderes Turnier, wo du weit kommst, oder laufend gute Ergebnisse. Man hat das bei Luke Humphries gesehen, bei Dimitri van den Bergh oder bei Joe Cullen. Es fehlt nicht viel. Sollte mal an einem Tag spielerisch alles passen und ein bisschen Glück dabei sein, sodass ich das Turnier gewinne, bringt einen das viel weiter. Dann kann man darauf aufbauen, dieser "Klick"-Moment fehlt halt noch. Ich weiß, dass ich 110 (Punkte-Average, Anm.) spielen kann, manchmal sind es auch nur 85. Am Ende des Tages geht es nur darum, das Spiel zu gewinnen. Für nachhaltigen Erfolg braucht es nicht nur ein gutes A-Game, sondern man muss auch dafür sorgen, dass sich das B- und C-Game kontinuierlich verbessern.


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