Nikola Bilyk: Jung-Kapitän für junges ÖHB-Team

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Am Freitag (18 Uhr) startet die Handball-Weltmeisterschaft 2019 für das österreichische Nationalteam mit dem Auftakt in Gruppe C. Saudi-Arabien ist in Herning der erste Gegner.

Für den ÖHB die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte der letzten zehn Jahre: Nach der Heim-Europameisterschaft 2010, den WM-Turnieren 2011 und 2015 und den EM-Events 2014 und 2018 ist die WM in Dänemark das sechste Großereignis, für das sich Österreichs Herren qualifizieren konnte, nachdem zuvor eine Durststrecke seit der WM 1993 zu verdauen war.

In den letzten Jahren vollzog sich beim ÖHB-Team ein Generationenwechsel. Größen des heimischen Handballs wie Viktor Szilagyi oder Conny Wilczynski hingen die Schuhe an den Nagel, eine Verjüngungskur hat eingesetzt.

Nur sechs der 16 Spieler im WM-Kader sind vor 1990 geboren, sieben Akteure haben das Geburtsjahr 1994 oder später in ihrem Reisepass stehen. Zehn Kadermitglieder haben den 50. Länderspiel-Einsatz noch (weit) vor sich.

International sind die meisten Augen gerade auf den jüngsten Österreicher gerichtet: Nikola Bilyk, erst vor eineinhalb Monaten 22 Jahre alt geworden. Mit 55 Länderspielen gehört der Rückraum-Spieler gar nicht zum angesprochenen "Frischlings-Klub".

Der Jüngste vorneweg

Seine Entwicklung ist gewissermaßen stellvertretend für die ganze Mannschaft. Mit 18 Jahren war Bilyk bei der WM 2015 in Katar der jüngste Spieler des gesamten Turniers.

Und nun, bei seinem dritten Großereignis - vier Jahre später - tritt er – immer noch jüngster Akteur des ganzen ÖHB-Kaders – erstmals als Kapitän auf. Eine Ehrenaufgabe, die ihm im Herbst aufgetragen wurde.

"Als ich nicht Kapitän war, habe ich mich auf meine Leistung konzentriert. Jetzt muss ich schauen, dass wir zusammen erfolgreich sind", ist sich der ÖHB-Star seiner veränderten Rolle gegenüber LAOLA1 bewusst.

"Ich versuche, allen auf ihrem Weg zu helfen und generell mehr Verantwortung zu übernehmen."

Verantwortung auch abseits des Parketts – denn auf selbigem liefert der 22-Jährige oft genug ab. Auch bei den letzten Test-Siegen gegen Bahrain und Griechenland trat er als Topscorer auf.

Kein Druck von außen

Als Schlüsselspieler beim Spitzenklub THW Kiel darf der neue ÖHB-Kapitän auch abseits der Lehrgänge Erfahrungen machen, die den meisten seiner Kollegen (noch) nicht machen können. Etwa die Hälfte werkt in der heimischen spusu LIGA.

Dass er nach zwei Großereignissen mit einer anderen Souveränität in ein Turnier gehen kann, weiß er: "Es bringt dich natürlich weiter, wenn man so viele Spiele auf hohem Niveau bestritten hat. Man kann sich besser vorbereiten."

Das gilt auch für mögliche Enttäuschungen: Bei der EURO 2018 in Kroatien wurde das Ziel, die Vorrunde zu überstehen, nach drei Pleiten nicht erreicht. Auch Bilyk selbst konnte den Erwartungen von außen nicht ganz Folge leisten.

Dass so viele Augen auf ihn gerichtet sind, will er aber nicht zum Faktor machen: "Ich beschäftige mich mit so etwas nicht. Ich bin in erster Linie Handballer. Für mich ist das Wichtigste, dass ich ich selbst bleibe und mein Ding mache. Druck kommt da von außen gar keiner dazu."

ÖHB-Team ist weiter als vor einem Jahr

Dass sich die Dinge im Handball schnell ändern können, bewies das Nationalteam mit der WM-Qualifikation. Im Playoff wurde Weißrussland ausgeschaltet – ausgerechnet jener Gegner, gegen den das EM-Schlüsselspiel kein halbes Jahr zuvor noch verloren ging.

Ein offensichtlicher Reifeprozess, der das ÖHB-Team auch in Dänemark an seine Chance glauben lässt. Teamchef Patrekur Johannesson zweifelt nicht: "Wir sind weiter als damals."

50 Länderspiele brauche man laut "Patti", um ein "richtiger" Spieler zu werden. Für den Großteil seines Kaders muss die WM daher in erster Linie einen weiteren Schritt dieses Reifeprozesses darstellen. Trotzdem ist er guter Dinge.

"Ich hoffe, dass wir ruhiger sind, in Kroatien war zu viel Hektik. Der Fokus lag zu stark auf Weißrussland", meint der Isländer. Nun sei die Zeit gekommen, die neu gewonnene Abgeklärtheit unter Beweis zu stellen.

"Ich denke, dass wir jetzt ein bisschen ruhiger sind, mehr Selbstvertrauen haben. Unser Konzept ist immer besser, wir haben viele gute taktische Dinge. Aber wir müssen das unter Stress spielen können. Du brauchst diese Einheit, diese Verrücktheit."

Führungsrolle beim Anspornen

Für die Einheit und Verrücktheit muss auch der Kapitän sorgen. "Ich bin auch dafür verantwortlich, dass wir uns gegenseitig heiß machen und die Sachen, die wir im Training angehen, richtig angehen", weiß Bilyk.

Das Team muss die Spannung aufrechterhalten: Nach Saudi-Arabien warten Chile, Norwegen, Dänemark und Tunesien binnen sechs Tagen. Sollte der anvisierte Aufstieg in die Zwischenrunde realisiert werden, würden in den sechs Tagen danach noch drei weitere Spiele dazukommen.

Aber der Fokus gehört zuerst dem Gegner von der arabischen Halbinsel. Das Ziel sind zwei Siege in den ersten zwei Spielen, denn Mitfavorit Norwegen und Gastgeber Dänemark werden besonders harte Brocken.

Erst danach kann Raum für Vorfreude sein – auf die Heim-EM 2020 und alles, was noch folgen mag. Für das Team und für Nikola Bilyk.

Denn sein persönliches Ziel ist klar: "Irgendwann möchte ich zu den Top-Spielern im Welt-Handball zählen."

Am besten ginge das, wenn sich das ganze ÖHB-Nationalteam in absehbarer Zeit zur Weltspitze zählen ließe.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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