"Kreislauf"-Probleme

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"Kreislauf"-Probleme der Nationalmannschaft

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Die Sorgenfalten auf der überdurchschnittlich hohen Stirn von Patrekur Johannesson waren nach dem 26:27 gegen Tschechien nicht zu übersehen.

Der Isländer hat ein Problem, welches der Teamchef der österreichischen Handball-Nationalmannschaft auch offen anspricht: „Die Kreisläufer-Position.“

Johannesson kann auf allen Positionen auf international adäquates Spieler-Material zurückgreifen. Nur eben vorne im Zentrum nicht. Dort, wo es darum geht, Sperren zu setzen und Lücken für den Rückraum aufzureißen, ist im ÖHB-Team guter Rat teuer.

Eine Lücke gerissen

Es ist ein Problem, das nicht erst seit gestern besteht. Seit Amtsantritt tut sich Johannesson mit der Besetzung des Kreises schwer. Die einstige Hoffnung, Fabian Posch, wurde nach der WM in Katar ausgemustert. Der Teamchef lässt durchklingen, dass er mit der Einstellung des 28-Jährigen zum Handballsport nicht zufrieden gewesen ist. „Ich brauche Leute, die Handball leben“, macht der Isländer deutlich.

Dabei schien man in der Quali bereits auf einem guten Weg: Fivers-Kraftpaket Tobias Wagner teilte sich mit Willi Jelinek in der WM-Quali das Gros der Spielzeiten. Trotz fehlender Routine zeigten sie, dass sie Perspektive haben. Eine Einschätzung, die auch deutsche Bundesligisten teilen: Balingen-Weilstetten angelte sich Wagner für die kommenden zwei Saisonen.

Vor drei Wochen dann aber die Hiobsbotschaft, Wagner riss sich das Kreuzband. Glück im Unglück: Obwohl der Medical Check noch aussteht, steht Balingen zum Deal. Die schwere Verletzung nimmt der seit kurzem 21-Jährige recht nüchtern auf. Ganz nach dem Motto: „Hilft nix, ist halt so.“

Johannesson wirft das in seinen Überlegungen ein Stück zurück. In den Tests gegen Deutschland (20:26) und eben Tschechien wurde deutlich, dass 90-kg-Mann Jelinek international vor allem physisch noch ein Stück fehlt. „Aber das soll kein Vorwurf gegen Willi sein. Er macht seine Sache gut. Jedoch ist der Sprung aus dem Unteren HLA-Playoff zu einem Spiel gegen den Europameister halt ein großer“, ist sich der Teamchef bewusst.


Posch winkt Nationalteam-Comeback

Auf der Suche nach Lösungen hat Johannesson Coburg-Legionär Romas Kirveliavicius an den Kreis beordert. Kein ganz neuer Schachzug, jedoch aufgrund der besseren körperlichen Präsenz ist der 28-Jährige mit Blick Richtung der WM-Quali-Playoffs gegen Dänemark nicht wegzudenken vom Kreis.

Und genau dieses sich genötigt sehen, einen gelernten Rückraum-Shooter an den Kreis stellen zu müssen, weil es praktisch kaum Alternativen gibt, macht Johannesson ein klein wenig fuchsig. „Ein isländischer Nationaltrainer kann nach neuen Spielern in Frankreich, Dänemark oder Deutschland suchen, aber wo soll ich noch suchen?“, ist das Angebot an Kreisläufern in Österreich nun mal überschaubar. „Wir müssen uns mit den Vereinen gemeinsam etwas überlegen, was man da machen kann.“

Dieser langfristige Ansatz käme für die Dänemark-Partien im Juni freilich um Jahre zu spät. Als kurzfristige Lösung könnte deshalb Posch eine neuerliche Chance im Team bekommen. „Ja, ich stehe schon in Kontakt mit ihm“, verrät Johannesson. „Fabi ist im Frühjahr in Form gekommen, gefällt mir besser als noch im Herbst.“

Für den Westwiener würde zusätzlich sprechen, dass er in der Vergangenheit bereits mit dem Großteil des Teams zusammengespielt hat. Eine Eingewöhnung somit nicht viel Zeit benötigen würde.

 

Reinhold Pühringer


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