Drei Brennpunkte beim ÖHB-Team

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Kurz, aber intensiv.

Genau zwei Wochen waren es, die sich das ÖHB-Nationalteam seit Weihnachten auf die anstehende Handball-Europameisterschaft in Kroatien (12.-28. Jänner) vorbereiten konnte. Für die Legionäre im Team waren es noch einige Tage weniger.

Zwei abschließende Tests gegen EM-Teilnehmer Tschechien liefen nicht zur Freude der Fans ab, das 23:26 daheim und das 21:35 auswärts waren nicht die erwarteten Ergebnisse.

Für Teamchef Patrekur Johannesson kein Warnschuss. "Das erste Spiel war vom Abwehrverhalten wirklich gut, auch Thomas Bauer hat wirklich überragend gehalten. Das hat auch in der ersten Hälfte des zweiten Spiels gut funktioniert, aber die zweite Halbzeit hatte mit Handball nicht viel zu tun", so der Isländer gegenüber LAOLA1.

Besonders die unüberlegten Abschlüsse im Angriff will Johannesson noch einmal ansprechen. "In zu vielen Situationen haben Spieler die Entscheidung getroffen, zu früh zu werfen. Wir brauchen Disziplin, wollen länger spielen und nicht immer die erste Chance nehmen."

Besser so als zu viel Selbstvertrauen

Auch der gelobte Torhüter will den Niederlagen keine zu große Bedeutung beimessen.

"Wenn wir die Tschechen zwei Mal aus der Halle geschossen hätten, würden alle fragen, ob wir jetzt nicht vielleicht ein bisschen zu selbstbewusst in die EM gehen. Eine schlechte Generalprobe führt manchmal dazu, dass man sich zurückzieht und überlegt, was man als einzelner Spieler mehr beitragen könnte", so Bauer.

"Ich denke, dass es dem Team auf diese Weise mehr gebracht hat. Jetzt gehen wir auch mit mehr Motivation durch das Turnier."

Zwei Neue mit großem Einfluss

Speziell in diesem Bereich hat die Mannschaft mit Mentaltrainer Johann Ingli Gunnarsson besondere Verstärkung bekommen.

Kapitän Bauer und sein Positionskollege Kristian Pilipovic werden außerdem vom ehemaligen Weltklasse-Torhüter Mattias Andersson betreut. Zwei neue Coaches, die in den letzten Tagen für ordentlich Input sorgten.


VIDEO - HC Strache verabschiedet das ÖHB-Team zur EURO:

(Text wird unterhalb fortgesetzt)


"Ich arbeite seit fünf Jahren mit Johann Ingli Gunnarsson. Er ist nicht nur Mentaltrainer, sondern hat auch Ahnung vom Handball. Man muss im Kopf topfit sein", weiß Patrekur Johannesson.

Brennpunkt eins: Der Kopf

Die mentale Komponente könnte tatsächlich einer der Brennpunkte werden, steht das österreichische "Endspiel" um den Aufstieg gegen Weißrussland doch gleich zum Auftakt an. Der Teamchef will sich vorerst nur um dieses Spiel kümmern.

"Man muss im Kopf immer an sich selbst glauben, und wissen, dass man den nächsten Angriff neu spielen kann, einen Fehler nicht dauernd mitnimmt", meint Johannesson, der den Schlüssel gegen das körperlich robuste Team aus dem Osten im schnellen Umschaltspiel verortet.

"Man muss mutig und mit Selbstvertrauen auftreten, an sich selbst glauben. Das versuche ich immer zu vermitteln: Jeder kann Fehler machen. Wenn es nicht läuft, nehme ich das ohnehin auf mich."

Brennpunkt zwei: Die Erfahrung

Auf die Spielerköpfe warten bei Großereignissen andere Herausforderungen. Für einen Großteil des Kaders gänzlich neue. Elf Mann haben noch kein großes Turnier bestritten.

"Die mentale Stärke kommt mit der Erfahrung. Die letzte Mannschaft rund um Viktor Szilagyi war bei der Europameisterschaft 2010 und 2014, dazu die Weltmeisterschaft 2011 und 2015 – aber davor auch nie bei einem Großereignis!", erinnert sich der Teamchef zurück.

Mit den letzten zwei Jahren vor der Heim-Europameisterschaft 2020 ist gerade der Aufbau dieser Erfahrungen im Ernstfall ein nicht unwesentlicher Punkt.

Brennpunkt drei: Die Fitness

Die dritte große Frage vor dem Auftakt: Wie steht es um die Fitness einiger Schlüsselspieler?

Mit Nikola Bilyk, Sebastian Frimmel und Lukas Herburger waren drei nicht unwesentliche Personalien beim letzten Test außen vor. Handelte es sich bei Herburger um eine Grippe, sind Bilyk und Frimmel leicht am Fuß lädiert.

"Seppo (Frimmel, Anm.) ist die Nummer eins auf außen, wenn er gesund ist. Es trifft uns immer hart, wenn solche Spieler ausfallen, aber es braucht nicht nur die zwei", erinnert Johannesson. "Wenn Seppo nicht spielen kann, ist Tobias Schopf bereit. Und wenn Nikola nicht spielen kann, braucht es eben einen anderen Rückraumspieler."

Wie es überhaupt eine Mannschaftsleistung brauchen wird, um das große Ziel zu erreichen: Die Hauptrunde.

"Wenn wir das erreichen, ist es ein Riesenerfolg. Immerhin sehen Nationen wie Russland, Polen und Bosnien überhaupt nur im Fernsehen zu", erinnert Johannesson.

Das ÖHB-Team will sich nicht schon nach der Vorrunde zu diesem Kreis gesellen.

Textquelle: © LAOLA1.at

Viktor Szilagyi: "Habe Österreich nie allein getragen"

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