Doppler über Zeit danach: Brauche keinen Superjob

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Die beiden Alten! Clemens Doppler und Alexander Horst stehen ob ihres Alters immer wieder „auf der Schaufel“.

Allerdings sind die Vize-Weltmeister mit ihren 38 und 36 Jahren bei weitem nicht die einzigen Ü-30-Spieler in der Beachvolleyball-Wektklasse – und auch nicht die ältesten im Feld. So ist Legende Ricardo Santos auch mit 44 Jahren noch aktiv. Der US-Amerikaner Jake Gibb (43) gewann zuletzt ein Turnier auf der US-Tour.

Für Clemens Doppler ist ein Ende unter seiner erfolgreichen, langjährigen Karriere derzeit auch kein Thema. "Ich mache es solange, wie es geht“, erklärt der zweifache Europameister im LAOLA1-Gespräch. Über die Zeit danach macht er sich noch keine große Gedanken. Klar ist für ihn aber: "Ich brauche keinen Superjob und eine große Karriere.“

Harte Olympia-Quali

Gemeinsam mit Horst hat der 38-Jährige ein klares Ziel – die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Leicht wird die neuerliche Qualifikation für Olympia nicht: Bei zwei Turnieren der Vier-Stern-Kategorie mussten die ÖVV-Routiniers bereits in der Gruppenphase die Segel streichen. Punkte, die in der Olympia-Quali-Rangliste fehlen. Umso wichtiger wird die heiße Phase, die mit dem Heim-Turnier in Baden beginnt.

Das Ein-Stern-Turnier im Strandbad spielt am Weg zu Olympia keine Rolle, ist aber eine Herzensangelegenheit: „Wir spielen gerne hier, weil es ein geiles Turnier ist. Man ist hier hautnah bei den Fans.“

Big Points gibt es Anfang Juli bei der WM in Hamburg zu holen. Und dann bei den Major-Turnieren in Gstaad und Wien. Bei der Saisonplanung nimmt das Duo gemeinsam mit Trainer Robert Nowotny aber sehr wohl Rücksicht auf das Alter. So werden Doppler/Horst nach aktuellem Plan auf eine Reise zum Vier-Stern-Turnier in Tokio verzichten – um danach gut vorbereitet ins Heim-Turnier auf der Wiener Donauinsel zu starten.

Mit LAOLA1 hat Clemens Doppler über das Alter, die Zeit „danach“, aber auch über überraschende Partnerwechsel und die Olympia-Quali gesprochen:

LAOLA1: Ihr seid schon lange im Beachvolleyball dabei, spielt auch schon lange zusammen. Was kann man als langjähriger Beachvolleyball-Profi noch verbessern oder anders machen?

Doppler: Meine Ansicht ist: Nicht nur jeder Sportler, sondern jeder Mensch, kann immer noch etwas Neues lernen – egal wie alt er ist. Es gibt keinen Sportler, der ausgelernt ist. Ich persönlich bin absolut schmerzfrei, das hat es glaub ich die letzten zehn Jahre nicht gegeben. Ich hätte zum Beispiel gedacht, dass ich nach dem Wings for Life Run eine Woche nicht trainieren kann. Am nächsten Tag habe ich Krafttraining und Balltraining gemacht. Mir geht es so gut wie nie, daher macht mir auch das Training so viel Spaß. Vor allem das Krafttraining. Da kann ich mich noch verbessern. Spielerisch gibt es auch immer wieder was zu verbessern, aber da steht vor allem die Konstanz im Fokus. Etwa, dass das Service konstant kommt. Dass man jetzt mit 38 technisch noch etwas verbessert, wird schwierig. Aber wir gehen ja jeden Tag zum Training, um besser zu werden. Wir trainieren ja nicht, um zu trainieren.

LAOLA1: Auch wenn das Alter ein Thema ist, ihr seid ja nicht die ältesten auf der Tour und es gibt zahlreiche ältere Spieler. Im Skisport wärst du mit 38 ja der Oldie…

Doppler: ...da wäre ich wohl schon Trainer.

LAOLA1: Warum kann man Beachvolleyball auch im höheren Sportler-Alter noch auf Weltklasse-Niveau spielen?

Doppler: Ein Riesenfaktor ist, dass der Körper halbwegs hält – ohne den geht es nicht. Ein weiterer Faktor ist die Familie, die hinter dir stehen muss. Und dann der Wille und der Spaß. Dadurch, dass ich schmerzfrei bin, macht es mir viel mehr Spaß als früher. Wäre ich nicht schmerzfrei, hätte ich nach der WM vielleicht noch ein Jahr gespielt und dann aufgehört. Dadurch, dass mir nichts weh tut, taugt mir jedes Training. Ich wüsste auf die Schnelle nicht, was mir mehr Spaß machen würde. Darum mache ich es noch solange, wie es geht und dann ist es sowieso vorbei.

LAOLA1: Hast du schon eine Tendenz, in welche Richtung es danach geht?

Doppler: Im Moment noch nicht. Ich mache derzeit ein Master-Studium, damit möchte ich fertig sein, wenn ich aufhöre – wann das auch ist. Ich habe aber überhaupt keinen Plan, was ich machen würde, wenn ich übermorgen aufhöre. Ich will mich jetzt noch auf den Sport konzentrieren. Ich kriege keinen inneren Stress, wenn ich nicht weiß, was ich in einer Woche arbeiten würde. Ich bin mir sicher, dass sich Sachen auftun werden. Ich muss aber nach dem Sport keine Karriere mehr machen. Das bin ich ein bisschen leid, dass ich nach Karriere strebe – dass ein gewisser Druck im Hintergrund ist. Für mich ist es nicht so wichtig, dass ich einen Super-Job habe. Ich möchte etwas machen, das mir taugt. Und wenn das nicht so bezahlt ist, dass ich mir monatlich viel auf die Seite schaufeln kann, dann ist es mir auch egal. Für die Familie muss es passen, das ist mir wichtig. Ich könnte aber keinen Job machen, der mich nicht interessiert. Es muss etwas sein, das mir wirklich taugt.

LAOLA1: In der bisherigen Saison fällt auf, dass die Ergebnislisten sehr durchgemischt sind. Viele verschiedene Teams schafften es ins Semifinale. Deine Erklärung dafür?

Doppler: Es war klar. Zunächst mal, weil das Niveau einfach von Jahr zu Jahr weiter steigt. Und ich mache jetzt den fünften Olympia-Zyklus mit und es war bei allen fünf Mal das Gleiche zu beobachten. Einerseits mischen sich die Teams vor dem Start des Quali-Zeitraums auf, deswegen wird es unberechenbarer. Es gibt Teams, die zu nerveln beginnen. So kommt die Mischung in den Ergebnislisten zustande. Es ist extrem schwer, etwas vorherzusagen. Wetten im Beachvolleyball könnten nicht mal wir Sportler, weil es nicht vorhersehbar ist.

LAOLA1: Brasilien hat wieder groß durchgemischt. Aber eine große Überraschung sind die vielen Partnerwechseln mittlerweile ja nicht mehr?

Doppler: Nein. Es ist einfach interessant. Das steht alle vier Jahre vor dem Quali-Beginn auf der Tagesordnung. Weil sie sich da denken: Jetzt müssen wir Partner tauschen, weil wir so nichts reißen. Am häufigsten ist es bei den Brasilianern, weil die mehr Spieler haben, die das Potential haben, ein Turnier zu gewinnen. Ein Land wie Österreich kann sich das nicht leisten. Aber es ist nichts Neues. Ich hätte mir aber nicht gedacht, dass sie ein Jahr nach dem WM-Titel Evandro und Andre trennen. Und dass ihre Star-Trainer es nicht vorhersehen, dass Alison mit Andre nicht spielen kann. Jeder Spieler hat gesagt, dass das nicht funktioniert. Ich weiß nicht, ob der Star-Trainer es nicht sehen wollte oder ob im Hintergrund irgendwas gelaufen ist. Aber das war zum Scheitern verurteilt.

LAOLA1: Die bisher größte Überraschung in diesem Jahr?

Doppler: Wirklich überrascht bin ich von keinem Team. Wenn man etwa auf die Katari Jefferson/Cherif schaut: Da war es abzusehen, dass sie sehr gut werden. Vielleicht nicht, dass sie es so schnell schaffen. Aber die sind für mich ein extrem starkes Team. Physisch sind sie wahrscheinlich das beste Team. Nicht gerechnet habe ich mit Carambula/Rossi (ITA). Aber da vor allem Rossi, denn bis vor einem Jahr war er ein Mittelklasse-Spieler in der Quali. Er hat brav blockiert, war aber kein Weltklasse-Spieler. Dass er sein Side-Out so halten kann, hätte ich mir nicht gedacht. Das ist die Handschrift von Marco Solustri. Er trainiert die beiden. Er hat mir gesagt, er will etwas Neues erfinden. Es ist super für den Sport. Die Bälle die Carambula zeitweise gespielt hat, sind unfassbar.

LAOLA1: Wenn du eine Regeländerung verordnen könntest, was wäre das?

Doppler: Für jeden Spieler über 38, der auch Blockspieler ist, eine zusätzliche Auszeit.

LAOLA1: Welche Interviewfrage kannst du nicht mehr hören?

Doppler: Wie groß ist der Druck? Die kommt vor jedem Heim-Event. Weil das anscheinend spannender ist, wenn die Leute wissen: Uh, die haben jetzt Druck. Warum kann man nicht fragen: Wie sehr freut ihr euch auf das Turnier? Das wäre viel geiler. Vor einem Turnier wie Baden zu fragen, wie groß der Druck ist, ist Schwachsinn. Erstens verlieren wir bei einem One-Star-Turnier keine Punkte, selbst wenn wir Letzter werden. Daher ist null Druck. Und wir haben es auch schon gewonnen. Also dieses Turnier spielen wir, weil wir es gerne spielen, weil es ein geiles Turnier ist. Bei einer WM lasse ich es mir vielleicht ja noch einreden. Aber wenn ich zurückdenke: Vor zwei Jahren vor der Heim-WM waren wir keine Medaillen-Anwärter. Dennoch kam die Frage nach dem Druck. Das ist aber generell so in Österreich, auch in anderen Sportarten. Diese Frage kommt ja immer wieder.

LAOLA1: Welche Frage willst du Alex gerne mal stellen?

Doppler: Es sind alle Fragen gestellt und beantwortet.

Das Beachvolleyball-World-Tour-Turnier in Baden findet von 6. bis 10. Juni im Strandbad statt. Alle Infos zum Turnier>>>

Textquelle: © LAOLA1.at

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