Pöltl: "Würde auch 15 Jahre in Toronto bleiben"

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Österreichs NBA-Star Jakob Pöltl spricht im Interview mit der APA über sein Standing und seine Zukunft bei den Toronto Raptors.

Der Mann, den Superstar Kevin Durant als "Biest am Brett" bezeichnet, kann sich durchaus vorstellen langfristig in Toronto zu bleiben und die Offensive seines Teams zu führen.

Er ist stolz über seinen vierten Platz bei der Wahl zum "Sportler des Jahres" und hofft auf einen positiven Effekt auf den österreichischen Basketball, den er gerne nachhaltig fördern möchte.

Frage: Kevin Durant hat Sie zuletzt ein "Biest am Brett" genannt. Welches Gefühl gibt es Ihnen, dass Ihnen mittlerweile auch derartige Stars so großen Respekt entgegenbringen?

Pöltl: Natürlich ist es nett. Ich hatte in dem Spiel gegen Golden State ein gutes Spiel und einige Offensivrebounds. Es hat schon etwas, wenn sehr gute Spieler einen auch erwähnen und die guten Leistungen anerkennen.

Frage: Können Sie sich vorstellen, ein NBA-Team irgendwann einmal auch in der Offensive zu führen?

Pöltl: Ja, natürlich. In meinem zweiten Jahr am College habe ich auch eine Rolle übernommen, in der ich die Hauptanspielstation war. Das ist nicht wirklich mein Spielstil. Ich bin und bleibe tendenziell eher ein Defensivspieler. Das heißt aber nicht, dass ich nicht offensiv auch einiges machen kann.

Frage: Sie stehen hier noch zwei Jahre - mit Option auch ein drittes - unter Vertrag. Wie glücklich sind Sie vor dem Hintergrund, dass Sie bei einem anderen Team womöglich mehr Minuten und Aufmerksamkeit bekommen könnten?

Pöltl: Ja, wenn ich bei einem anderen Team wäre, würde ich ziemlich sicher mehr Minuten bekommen und es würden mir mehr Fehler erlaubt sein. Dafür mache ich hier Erfahrungen, die ich bei einem anderen Team nicht machen könnte - zum Beispiel, dass wir in den Play-offs waren. Ich habe Teamkollegen, von denen ich sehr viel lernen kann. Deswegen bin ich mit meiner Situation sehr glücklich.

Frage: Wie hat sich Ihr Standing im Team verändert im Vergleich zur vergangenen Saison?

Pöltl: Es hat sich ziemlich weiterentwickelt - alleine dadurch, dass meine Teamkollegen gesehen haben, dass ich auf einem hohen Niveau spielen und dem Team wirklich weiterhelfen kann. Man muss sich von den Teamkollegen genauso wie von den Coaches den Respekt erarbeiten. Da wird dir auch nichts geschenkt, nur weil du an einer bestimmten Position gedraftet wurdest. Ich habe mir auch von unseren All-Star-Teamkollegen einen gewissen Respekt erkämpft.

Frage: Sie haben gesagt, dass Sie es sich vorstellen könnten, sehr lange hier in Toronto zu bleiben. Können Sie das konkretisieren?

Pöltl: Ich bin grundsätzlich kein Mensch, der, wenn ich mich irgendwo wohlfühle, das gern aufgibt. Mir ist es damals schon schwergefallen, aus Österreich wegzuziehen in die USA. Ich war dann aber einfach an einem Punkt, an dem es sein musste, wenn ich meine Basketball-Karriere ernsthaft verfolgen will. Vom College wegzugehen ist mir auch schwergefallen. Wenn es nicht absolut sein muss, aus welchem Grund auch immer, dann würde ich auch zehn, zwölf oder 15 Jahre hier in Toronto bleiben.

Frage: Ihr Aufstieg wird auch in Österreich immer mehr wahrgenommen. Bei der Wahl zum "Sportler des Jahres" sind sie Vierter geworden - hinter drei Leuten, die sehr viel gewonnen haben. Ihre Gedanken?

Pöltl: Es ist eigentlich eine Wahnsinnssache. Es hört sich für mich noch ein bisschen komisch an, dass ich da in Betracht gezogen werde. Viele von denen habe ich schon verfolgt, als ich noch in Österreich war. Es ist schon eine sehr coole Sache. Es zeigt auch, dass Basketball hoffentlich vielleicht doch etwas an Aufsehen erregt in Österreich. Ich war nie ein Typ, der sich groß um individuelle Auszeichnungen geschert hat, aber in dieser Hinsicht freut es mich.

Frage: Was bedeutet Ihnen der Beitrag, den Sie zu dieser Akzeptanz geleistet haben?

Pöltl: Sehr viel. Ich habe auch vor, weiter mehr zu machen, um Basketball in Österreich zu fördern - so gut das geht aus meiner Position hier in Toronto. Ich hoffe, dass es einen positiven Einfluss hat und vielleicht mehr Jugendliche versuchen, einmal aufs College zu kommen. Es muss ja nicht genau der gleiche Weg sein, den ich gegangen bin. Man kann auch in Europa ausschwärmen und eine andere Basketball-Kultur erleben. Das ist wichtig, weil wir in Österreich auf einem guten Weg sind, aber noch nicht dort. Gute Talente, die wir in Österreich durchaus haben, müssen schauen, dass sie woanders weiterkommen.

Frage: Was meinen Sie mit fördern?

Pöltl: Mit einem Trainingscamp im Sommer zum Beispiel. Ich kann mir vorstellen, dass ich das anfange - ob das jetzt für die ganz Kleinen ist, um Kinder dazu zu bringen, sich für Basketball zu interessieren, oder für die, bei denen man schon ein gewisses Talent erkennen kann. Das ist auf jeden Fall im Gespräch. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das in naher Zukunft passiert.

Frage: Wie beurteilen Sie die Situation in Österreich?

Pöltl: Wir sind auf einem guten Weg. Wir sind noch etwas weiter unten. Man hat aber schon in den letzten EM- und WM-Qualifikationen gemerkt, dass wir dabei sind. Es fehlt vielleicht ein Spiel, dass wir dann auch einmal dabei sind bei einer Europameisterschaft.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

NBA: Jakob Pöltl gewinnt mit Toronto gegen Chicago Bulls

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