Fünf Weltmeister im Schatten von Hamilton

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Glück ist, wenn man sich als Weltmeister feiern lassen kann. Pech ist, wenn dies an einem Tag passiert, an dem Lewis Hamilton Rekorde einstellt (oder ausbaut), und kaum jemand registriert den/die anderen.

Am Wochenende schrieb Hamilton mit dem siebenten Formel1-Titel Sportgeschichte. Fast unbeachtet davon wurde auf dem Bahrain International Circuit die Saison der FIA-Langstrecken-WM (WEC) beendet.

Kennen Sie die Herren Conway, Kobayashi und Lopez? Das sind die neuen Prototypen-Weltmeister aus dem Toyota-Team, die sich den Titel mit dem Sieg im Achtstunden-Rennen gegen die eigenen Teamkollegen (Buemi, Nakajima, Hartley lagen etwas über eine Minute zurück, waren aber mit technischem Handicap "belastet") holten.

Insider kennen Kamui Kobayashi aus der Formel 1 (von 2009 bis 2014 fuhr der Japaner 75 Rennen für Toyota, Sauber und Caterham, 125 Punkte, einmal Dritter). Mike Conway, 2006 britischer F3-Meister, war kurz F1-Testfahrer und bestritt von 2009 bis 2014 die Indycar-Serie, wo er von einem Horror-Unfall in der vorletzten Runde der 500 Meilen von Indianapolis 2010 bis zum einzigen Sieg in Long Beach 2011 fast alles erlebte. Er kam 2015 zu Toyota – und war damals Teamkollege von Alex Wurz in seinem letzten aktiven Jahr.

Jose Maria Lopez war drei Mal (2014 bis 2016) Tourenwagen-Weltmeister für Citroen und parallel zum WEC in der Formel E wenig überzeugend.

Nach dem Ausstieg von Audi und danach Porsche war das Kölner Toyota-Team mit Berater und "Grauer Eminenz" Alexander Wurz im WEC die einzige Werkmannschaft bei den Prototypen. Die private Konkurrenz in dieser Saison spielte entweder keine Rolle (LNT-Ginetta) oder verbuchte lediglich Achtungserfolge: So gewann das Schweizer Rebellion-Team die Sechsstunden-Rennen in Shanghai und Austin und holte in vier von sieben Läufen (auf die Teilnahme am Finale in Bahrain wurde verzichtet) die "Pole" (mit Zusatzpunkt). Doch gefährlich für Toyota wurden Bruno Senna & Co. nicht.

Enttäuschende Saison für Richard Lietz

Neben den Prototypen (Fahrer und Hersteller) vergibt die FIA auch offizielle WM-Titel in der GT-Klasse. Dem Niederösterreicher Richard Lietz half der zweite Platz im Finale mit Porsche-Teamkollegen Jimmy Bruni nur mäßig über eine enttäuschende Saison mit einigen Rückschlägen trotz starken Beginns – Sieg im Auftakt in Silverstone – hinweg: Platz sieben im Gesamtklassement. Für Porsche blieb im Dreikampf mit Aston Martin und Ferrari nur der zweite Platz.

GT-Weltmeister Nicki Thiim und Marco Sörensen

Dafür durfte ein "halber Österreicher" jubeln: Der Däne Nicki Thiim holte mit Partner und Landsmann Marco Sörensen mit drei Saison-Siegen seine zweite GT-Meisterschaft nach 2016. Thiim (31) ist der Sohn des Tourenwagen-Routiniers Kurt Thiim (1986 DTM-Champion) und seit 2016 Aston-Werkfahrer – er lebt seit über zwei Jahren in Niederalm bei Salzburg.

"Das fühlt sich unglaublich an. Seit Monaten haben wir auf diesen Meisterschaftsgewinn hingearbeitet und an nichts anderes gedacht. Ich bin jetzt zweimaliger Weltmeister mit Aston Martin, das bleibt mir für immer", erklärt ein jubelnder Thiim.

Wurz läutet die neue Langstrecken-Ära ein

Wie sich die Langstrecken-WM hinkünftig mit der Notlösung "Hypercars" als Top-Kategorie entwickelt, wird sich zeigen. Wurz, der auch in den nächsten Jahren "Toyota-Berater" bleiben wird - wie er selbst sagt - glaubt: "Es wird auf jeden Fall interessant, auch Toyota beginnt mit dem neuen Hypercar nach dem erfolgreichen TS050h von vorn. Offen ist, wie viele Autos aus der amerikanischen IMSA-Serie die Reglement-Anpassung mit den Daytona-Prototypes nützen und im WEC mitfahren werden."

Der Stellenwert des Niederösterreichs hatte sich auch im September bei den 24 Stunden von Le Mans gezeigt: Wurz (46) durfte die ersten Demo-Runden in Toyotas Hypercar-Prototyp absolvieren.

Wurz bei seiner Ausfahrt mit dem GR Super Sport

"Es war eine Ehre, diese Entwicklungsversion des GR Super Sport zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu fahren, vor allem auf einer Rennstrecke wie Le Mans… Das unglaubliche Potenzial konnte ich bereits spüren. Es gibt klare Ähnlichkeiten zwischen dem GR Super Sport und dem TS050 Hybrid in Bezug auf die Leistung, insbesondere den Allradantrieb und das Hybridsystem. Aber die Ingenieure meinten, dass dies nur ein kleiner Vorgeschmack auf die wahre Leistung des GR Super Sport war. Deshalb freue ich mich sehr darauf, ihn in naher Zukunft wieder fahren zu dürfen", sagte Wurz und deutete damit an, weiter in die Entwicklung eingebunden zu sein.

Der bisherige Serien-Manager Gerard Neveu gibt nach zehn Jahren seinen Posten zum Jahresende auf. Die nächste Saison (man geht wieder auf das Kalenderjahr zurück) soll am 19. März 2021 mit den 1000 Meilen von Sebring beginnen und nur noch sechs Rennen umfassen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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